Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?

und sechs gute Nachrichten dazu finden Sie im Lernvideo von Irina Slot und Mira Menez.

Aus dem Museum von Joan Miro in Palma
Skript zum Video:

Guten Tag,

heute wollen wir Ihnen zeigen, was passiert, wenn zwei Menschen in einer Sprache reden, die für einen von ihnen – Muttersprache ist, und für den anderen – nicht.

Sie hören zum Beispiel, dass ich Deutsch mit einem Akzent spreche. Das heißt, in dieser Situation bin ich Fremdsprachler, aber auch Sie müssen und wollen als Fremdsprachler agieren. Deswegen hoffe ich, dass mein Wissen und meine Erfahrung dazu hilfreich sein werden und dass es sich für Sie lohnt, mir zuzuhören, wobei dies – wie bei jedem Akzent – eine gewisse Überwindung kostet.

Nein, nein, ich unterstelle Ihnen nichts! Den zusätzlichen Aufwand hat das Gehirn vom Muttersprachler ganz objektiv, er wurde von der russisschen Neurophysikerin Nina Bechtereva in Form von elektrischen Strömen richtig gemessen! Also muss der Muttersprachler praktisch Satz für Satz eine Abweichung vom sozusagen perfekten Satz in diesen perfekten Satz ÜBERSETZEN.

Und das kostet Energie. Je größer die Abweichung (z.B. durch Akzent, nicht korrekten Satzbau oder einer unpassenden Vokabel), desto höher der Energieaufwand. Aber – und das ist die gute Nachricht – die Abweichungen in der Sprache von ihrem Gegenüber – durch ihre oder seine Muttersprache verursacht – wiederholen sich. Irgendwann GEWÖHNT man sich daran. Auf der neuronalen Ebene heißt es dann: Ihr Gehirn hat die ursprüglich überraschende Information in einen Faden, eine Bahn übersetzt. Und das ist übrigens genau das, was in einem Lernprozess passiert: die bereits bestehenden Verbindungen (altes Wissen) werden um die neuen Verbindungen (neues Wissen) erweitert und verwoben. Und das ist die zweite gute Nachricht für den Muttersprachler: das anstrengende Zuhören übt ihr Gehirn in Lernfähigkeiten oder mit den Worten vom schweizerischen Wissenschaftler Luc Ciompi seine Elastizität und kognitive Fähigkeiten.

Und das ist gleichzeitig die gute Nachricht für die Fremdsprachler: je höher die plastische Elastizität und Lernerfahrung des Gehirns Ihres Gegenübers, umso eher wird er oder sie Sie objektiv verstehen. Und dieses Verständnis wird mit der Zeit wachsen – sogar in dem Falle, wenn Ihr Sprachniveau sich nicht erhöht. Und das wird Ihnen doch nicht passieren, nicht wahr? Denn Spracherwerb ist nicht nur in unserer globalen Welt als Kommunikationsinstrument unabdingbar, sondern wie oben gezeichnet – gut fürs Gehirn. Wird sogar als Vorbeugemaßnahme gegen Demenz empfohlen!

Und nun kommen zwei gute Nachrichten für beide „Parteien“, Mutter – und Fremdsprachler im Dialog. Emotionale Rahmen sind sehr wichtig für die Qualität der Kommunikation. Sie als Fremdsprachler kennen das: in einer Stresssituation wie Prüfung, Vorstellungsgespräch oder auch einfach Müdigkeit findet man nicht die richtigen Wörter, vor allem aus dem Reservoir einer für Sie fremden Spache. Ist die Athmospäre positiv, auch im übertragenden Sinne als Ihre Stimmung oder gar emotionale Haltung – z.B. Zuversicht und Optimismus – können Sie Ihre passiven Sprachkenntnisse besser in die aktiven Sprachkenntnisse in der Kommunikation umsetzen. Auch für Muttersprachler gilt: gute emotionale Umgebung eines Dialogs, für die Sie ganz persönlich sorgen können, erleichtert das Verständnis und spart Energie.

Und wenn es um Sprache und Kommunikation geht, darf nicht Ludwig Wittgenstein fehlen. Sie kennen sicherlich seinen Satz:

„Die Grenzen meiner Sprache

bedeuten

die Grenzen meiner Welt“

Wie wahr! Sich in einer Fremdsprache nicht ausdrücken zu können, bedeutet zwangsläufig eine Einengung des Denkens, das Gefühl, nicht vollwertig zu sein. Das Benutzen einer Fremdsprache bedeutet Überwindung, deswegen neigen meine ausländischen Studierenden immer dazu, in eigenen Gruppen zusammenzuhocken und so auch die Teams für Gruppenarbeit zu formieren. Klar – energiesparend ist dies schon! Aber gut für’s Lernen? Ist das vorteilhaft, die Grenzen meiner Welt – durch das Verschieben der Grenzen meiner Sprache zu erweitern? Denn – und das ist die zweite gute Nachricht für beide Teilnehmer dieses Dialogs und bereits die sechste gute Nachricht dieses Videos:

Diese Grenzen erweitert man nicht auf Kosten des Nachbarns – wie es sonst bei Kriegen oder sozialen Auseinandersetzungen geht – sondern mit ihm/ihr gemeinsam.

Zu einer grenzenlosen Welt?

Versuchen es Sie es einfach!

Ihre Irina Slot

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