So nah, so fern…

Ein Vorteil, keine Sommerpause zu machen, ist beobachten zu können, wie andere diese gestalten. So lassen sich aus den Ankündigungen dieser zwei benachbarten Geschäfte in Berlin Schönberg recht klare kulturelle Unterschiede erklären. Ist das eine Sommerpause von dem Tag bis zum dem Tag? Oder ist das eine Sommerpause „bis Mitte August“, die neben dem ersteren Tableau wie ein „Bis dann irgendwann“ klingt?

Lang lebe Edward Hall, der mit seiner Kulturdimension monochrone versus polychrone Kulturen so viele Phänomene aus dem interkulturellen Alltag erklären lässt. Im ersten Fall beeinflusst die Kultur ihre „Träger“ in der Weise, dass sie auf einer Zeitachse denken, somit die Zeit diktiert auch Prioritäten. Im zweiten Falle ist die Zeit „nur“ ein Messinstrument des Lebens, aber keine Dominante, die das Leben bestimmt und z.B. Pünktlichkeit mit Werten wie Respekt oder Verlässlichkeit (siehe Kultureisberge) verbindet.

Es ist ebenfalls ein Beispiel dafür, dass auch die gut integrierten Migranten, was die Betreiber des griechischen Einzelhandels wirklich sind, ihre kulturelle Prägung, die sie mit der „Muttermilch“ bekommen haben, im Erwachsenenalter nicht ablegen können. Können/Sollen/Müssen? Es wäre schon ganz praktisch zu wissen, ab wann ich wieder wunderbare Oliven und das ganz besondere Olivenöl wieder konsumieren kann, andererseits geht davon die Welt auch nicht unter…

Mit polychronen Sommergrüßen,

Irina Slot

P.S. Wie die Zeitorientierung den medizinischen Arbeitsalltag beeinflüsst, sehen Sie hier;

P.P.S. Auch im letzten Jahr haben wir uns mit SommerZEIT beschäftigt

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