100 Jahre Bauhaus – Hype and Hope

Es ist wohl nichts Neues, dass Jubiläen und Gedenktage dafür genutzt (und ausgenutzt) werden, um ein Thema in den Vordergrund zu rücken. Aus der Tiefe der Geschichte herausgeholt, werden diese zwangsläufig mit Narrativen angereichert und zur Feier des Tages von Experten dem interessierten Publikum auf dem Silbertablett präsentiert.

Somit ist die grundsätzliche Kritik an dem Festival „100 Jahre Bauhaus“, das gerade in Berlin startete, es gehe hier nur um die Vermarktung der derzeitigen Bauhaus-Vorstellung, nicht außer Kraft gesetzt, sondern allenfalls relativiert.

Für das Authentische ist in Berlin nur das Mies-van-der-Rohe-Haus zu besichtigen. Warnung: Man fährt ewig lange hin und es sind nur ein paar Räume des Wohnhauses zu besichtigen, außerdem kommt die Genialität des Hauses nur bei Sonnenschein zur Geltung. Sowohl seine Nationalgalerie als auch das Bauhaus Museum Berlins, das sogenannte Bauhaus-Archiv, werden renoviert. „Super timing“, möchte man zurufen. Oder sich auf den Tagesausflug nach Dessau machen, wo es tatsächlich um Konservierung der Objekte und um ein „Hineingehen“ in die Bauhaus-Wirklichkeit geht.

Für mich persönlich ist das Museum in Dessau, das sich in dem authentischen Gebäude der Bauhaus-Schule befindet, der Ort, an dem über das Bauhaus als Lern- und Innovationskonzept nachgedacht werden kann. Denn alle wunderbaren neuartigen Gebäude und all diese wunderschönen – für damalige Zeiten höchst ungewöhnlichen – Objekte wären nicht entstanden, wäre nicht das Neue im Fundament des Lernens und des Wirkens im Bauhaus gelegt werden worden, nämlich: Interdisziplinarität.

Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst eigenhändig (zumindest Modelle) bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie belegen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre Zeit als Peripherie, ja, als Zugang zum Kern bildet – dem Fachspezifischen. Das Bild des Curriculums und was die Interdisziplinarität im heutigen Innovationsmanagement bedeutet, finden Sie hier.

Gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne, wie König Salomon vor drei Tausend Jahren zu sagen pflegte? Deswegen ist vielleicht tatsächlich ehrlicher zu sagen, wir kreieren etwas, was die Bauhaus-Leute damals mit den technischen Möglichkeiten von heute („Das Totale Tanztheater“ in der virtuellen Realität) oder als Antwort auf die technische Entwicklung inzwischen (die Vertonung des Weltallgeschehens mit Hilfe eines Teleskops im Garten des Museums) wahrscheinlich gemacht hätten. Auf jeden Fall ehrlicher als funktionales und schönes Design als etwas urschwedisches zu verkaufen, anstatt auf die Ursprünge des verkauften Designs im Bauhaus hinzuweisen. Immerhin finanziert die IKEA-Stiftung ein phänomenales Lernformat für Kinder und Jugendliche, wo sie einmal pro Woche die alten Bauhaus-Gestaltungs-Ideen selbst ausprobieren können. So auch in diesem Jahr immer samstags von 11 bis 14 Uhr. Und diese Entwicklung der Kinder geht in Richtung „Hope“, und das nicht nur während des „Hypes“ des Jubiläums.

Foto von Mira Menez:  In der Ausstellung „100 Jahre Bauhaus“ in der Akademie der Künste, Hanseatenweg

Doch zurück zum Hype des Bauhaus-Festivals. Abgesehen von einem Exponat vom geschlossenen Bauhaus-Archiv präsentiert das Eröffnungsfestival Arbeiten von modernen Künstlern, im Lichte des Bauhauses entstanden. Und natürlich sind sieben von 18 Figuren des Bauhaus-Theaters aus Oskar und Karl Schlemmers „Figuralem Kabinett“ nur nachgebaut (2014 von Linda Pense und Andreas Wohmann). Doch ganz im Geiste des Bauhaus-Festivals entwickle ich ihre Idee ein wenig weiter. Wurden ursprünglich die flachen bunt bemalten Figuren aus Holz von schwarz-gekleideten Menschen auf dem schwarzen Hintergrund bewegt, werde ich – zufällig schwarz gekleidet – Teil des Geschehens. Transparenz und Interaktion zwischen dem Toten und Lebendigen wäre ja auch für die Bauhaus-Menschen von vor 100 Jahren denkbar, oder?

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