Symbole und ihre Interpretationen

Fotorechte: M. Menez

Symbole und ihre Interpretationen

Das Wort „Symbol“ kommt aus dem Altgriechischen „Symbolon“ – Bedeutungszeichen. Und da haben wir schon zwei Aspekte – das Zeichen und seine Bedeutung – miteinander verbunden, ja verwoben. Ein Regenschirm ist zum Beispiel, neben seiner eigentlichen Funktion, den Menschen vor dem Regen zu schützen, kann als Symbol wirken. Der Protest in Hongkong gegen die Einverleibung durch China, der in 2014 zu einer Bewegung aufwuchs und 2019 aus dem Anlass der Auslieferungsgesetze nochmals aufflammte, nutzte Regenschirm zunächst in seiner Funktion als Schutz vor Wasser, dann auch als Symbol. Ein eigenes Piktogramm zeigt einen Regenschirm auf gelbem Hintergrund.

Leicht irritiert – weil diese Interpretation zur Atmosphäre, zum Kontext nicht passte – spazierte ich neulich in der Altstadt von Montpellier unter vielen aufgehängten Regenschirmen (s. Foto). Doch das war kein Zeichen des Protestes, sondern ein Zeichen des Willkommens und der Weltoffenheit. So zumindest die Aufschrift auf dem Straßenbelag. In diesem Spannungsfeld zwischen dem Zeichen oben und der Erklärung unten, musste ich mein Interpretationsschema neu justieren und dabei feststellen, dass noch ein Symbol im Spiel war, was eine zusätzliche „falsche“ Bedeutung vorgaukelte: jene Farbe, die sonst die Telekom für sich beansprucht.

Ob der Farbenton des deutschen Konzerns Telekom, der als Marke geschützt ist, 100% der Farbe der Werbeaktion der Stadtverwaltung dieser französischen Mittelmeermetropole entspricht, können Gerichte entscheiden. Doch für die Interpretation dieses Symbols ist entscheidend, dass ich als potentielle Kundin beider Organisationen diese zum Verwechseln ähnlich fand.

Apropos, Farben. Goethe beschäftigte sich sehr viel mit Farben, jedoch nicht in ihrer symbolischen, sondern tatsächlichen Wirkung. So sind die Farben der Wände in seinem Haus in Weimar streng nach den von ihm aufgestellten Gesetzen normiert. So zum Beispiel, sind die Wände in seinem Arbeitszimmer dunkelgrün, um Konzentration und Ruhe zu fördern. Doch ist sein Werk reichlich mit Symbolen bestückt, z.B. das Licht als Symbol für Erkenntnis.

„Erleuchtet“ als Metapher würde wunderbar dazu passen. Andererseits, sind Metaphern überhaupt wunderbare Bilder, welche die Bedeutung von einem Objekt oder Subjekt auf ein anderes Objekt oder Subjekt übertragen (das Wort „Metapher“ kommt aus Altgriechischen, wo es tatsächlich „Übertragung“ bedeutet). Und dann ist es nicht nur ein Schmuckstück, sondern das Instrument, durch die Wirkung der Symbole eine (neue) Bedeutung zu transportieren. Es macht schon den Unterschied, eine Art der Artillerie als Schutzschirm zu bezeichnen.

Und da sind wir ganz nahe zum Begriff der Symbolpolitik. Somit wird die Politik bezeichnet, die nicht wirklich etwas ändern möchte, sondern nur symbolisch wirkt. Doch was heißt hier „nur“? Wenn mit solcher Politik potentielle Wähler erreicht sind, hat die Politik ihren Zweck doch erreicht!

Und wie schwer das ist, Symbole und ihre Interpretationen von einander zu halten, darf ich immer wieder im Unterricht erleben. Denn Symbole und Rituale in einer Kultur sind durch Stereotype mehr oder weniger fest mit ihrer Bedeutung verbunden. Liegt da ein „Übersetzungsfehler“, ist ein kulturelles Missverständnis vorprogrammiert. Und somit wird die Frage „Ist das denn tatsächlich so oder ist es nur meine Interpretation?“ zum ersten Schritt im interkulturellen Konfliktmanagement.

Also lassen wir uns nicht von den Symbolen „blenden“, sondern ihre Wirkung auf uns immer wieder hinterfragen.

Nun fehlt mir noch der Punkt als Symbol des Endes dieses Blogbeitrages. Doch diesmal möchte ich es mit einem Semikolon beenden, als Zeichen des Weiter-Forschens, Weiter-Lernens, Weiter-Lesens. Ganz nach Goethes Faust: „Weiter, immer weiter“;

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