Etwas Didaktik gefällig?

Auszug aus meiner Broschüre „Werte verteidigen“ (2019) online verfügbar

„Grundsätzlich gilt: je heterogener eine Lerngruppe ist, umso höher stellt ein Workshop eine methodische Herausforderung dar. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Work- shop quasi via Definition eine hohe Interaktion – z.B. im Vergleich zur Vorlesung oder zum Vortrag – mit den Teilnehmer*innen bedeutet. Möglichst alle Teilnehmer*innen sollten mitgenommen werden, unabhängig von ihrem Vorwissen, Dienstgrad, ihrer Funktion in der Organisation, Biographie, Haltung etc. Anderseits kann eine solche Vielfalt in der Gruppe zu unterschiedlichen Erwartungen an die Rolle des/der Trainer*in und des Unter- richtsstils (von Seniorität über „auf Augenhöhe“ bis zur Kameradschaftlichkeit) führen. Doch speziell im vorliegenden Schulungskonzept kann eine solche Diversität in der Gruppe konstruktiv genutzt werden, indem die verschiedenen Perspektiven, Berufserfahrungen und Interessen in Rahmen einer Kleingruppenarbeit aufeinander treffen und dank grup- penspezifischer Dynamik zu neuen Lösungsansätzen führen.

Bei der Aufteilung der Gesamtgruppe des Workshops in die verschiedenen Arbeits- (unter-)gruppen sollte als Faustregel gelten: keine Arbeitsgruppe sollte die Anzahl von sieben Teilnehmer*innen überschreiten. Wird es aus organisatorischen Gründen nicht möglich sein, z.B. weil die Gesamtgruppe aus mehr als 14 bzw. 21 Teilnehmer besteht, sollte der/ die Trainer*in die Diskussionen in der Arbeitsgruppe mit mehr als sieben Teilnehmer*in- nen moderieren. Hintergrund dafür sind Erkenntnisse aus der Praxis der Gruppenarbeit, die zeigten, dass bei Überschreitung der „magischen“ Zahl Sieben die Gruppen in zwei Gruppen zerfallen bzw. einige Mitglieder ihre geistige oder auch physische Teilnahme verlieren. Neulich wurde diese praktische Erfahrung durch Erkenntnisse von Neurowissen- schaftlern bestätigt, die herausgefunden haben, dass unser Kurzzeitgedächtnis höchstens sieben Elemente bearbeiten kann.

Somit wird auch die Anzahl der Teilnehmer des Workshops nach oben begrenzt: Bei drei Arbeitsgruppen (drei Aufgabenbereiche, s. unten) darf die Gesamtzahl der Teilnehmer*innen im Workshop 21 Personen nicht überschreiten, bei zwei Arbeitsgruppen (zwei Aufgabenbereiche von drei hier vorgeschlagenen und vorbereiteten Themen) darf die Gesamtzahl der Teilnehmer*innen 14 nicht überschreiten. Andererseits reglementieren auch einige professionelle Trainer*innen die Größe der Workshop-Gruppe z.B. mit 15 Teilnehmern. Somit wird hier empfohlen, die Gesamtanzahl der Teilnehmer*innen auf 14 zu beschränken: werden von den Teilnehmern nur zwei Themen ausgewählt, kann die Kleingruppenarbeit immer noch optimal selbstständig erfolgen. Bei drei Themen wird die Anzahl der Teilnehmer*innen in Kleingruppen 4-5 Teilnehmer*innen betragen. Die Be- schränkung nach unten kann aus der Überlegung erfolgen, dass die Mindestzahl in der Kleingruppe 3 Teilnehmer beträgt.

Es empfiehlt sich, die Aufteilung der gesamten Workshop-Gruppe in die Kleingruppen/ Thementeams mit der Vorstellungsrunde der Teilnehmer zu kombinieren. So kann die übliche Vorstellungsrunde an Tiefe und an Relevanz für das Thema des Workshops gewin- nen. Außerdem können durch die zeitliche Versetzung der Vorstellungsrunde Störungen durch Verspätungen der Teilnehmer*innen reduziert werden“.

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