Garten Eden

Landesgartenschau 2019 für Berlin und Brandenburg findet gerade in in Wittstock statt. Und bietet alles, was eine Landesgartenschau so bietet: schöne Pflanzen, teurer Imbiss, Verkaufskiosks mit allem, was das Gärtnerherz begehrt (hier unter anderem ein Honecker-Sommerhut) sowie eine Rosenkönigin. Doch die wahren Gartenschätze verbergen sich in der Wittstocker-Altstadt, nämlich im sogenannten Pfarrer-Garten.

Hintergrund: Der Pfarrer der dortigen Gemeinde hat beschlossen, einen Teil seines Gartens der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und daraus einen Ort zu machen, wo Menschen – unabhängig von ihrer Konzession, also auch Atheisten – über sich, Gott und die Welt nachdenken könnten. Es ist ein Rahmen für Rückzug, Meditation und Ruhe entstanden, auf den man (Frau aus quirligem Berlin) nur neidisch sein kann. Und jedem – mit oder ohne Trubel auf der Landesgartenschau – den Besuch in dieser Oase im Ozean von Kommerz und Hektik empfiehlt.

Foto: Multi-religiöse Tafel-Reihe ermöglicht, ein Foto zu machen, ohne die Besucher im contemplativen Modus nicht zu stören…

Notizen zum Europa-Wahlkampf

„Das Wesen aller Politik ist (…) Kampf, Werbung von Bundesgenossen und von freiwilliger Gefolgschaft“, schrieb Max Weber und behielt bis heute Recht. Wobei „Bundesgenossen“ in Bezug auf den EU-Wahlkampf ambivalent klingt: Wer ist hier im „Bund“? Europa, wessen Parlament wir gerade gewählt haben, oder doch das Land, wo der Wahlkampf stattgefunden hat?

An Max Weber habe ich oft während des aktuellen Wahlkampfes gedacht. Auch an die Ambivalenz in seinen Arbeiten in Bezug auf Emotion im Politischen. Einerseits bewunderte er die Propheten der Antike, speziell des antiken Judentums, die ohne reelle Machtbefugnissen, allein durch Kraft ihres Wortes und ihrer Persönlichkeit Menschen führten und politisch beeinflussten. Daraus ist übrigens der Begriff des sog. charismatischen Führungsstils entstanden, wo der verstorbene Steve Jobs oder quicklebendige Jack Ma verortet und wie auch ihre phänomenalen Erfolge und Beliebtheit bei Mitarbeitern erklärt werden (siehe „Freiwillige Gefolgschaft“ in Zitat von Weber oben).


Apropos, Jack Ma, Mitbegründer der Alibaba und eine Art Ikone des wissenschaftlichen und technologischen Aufstiegs Chinas. Max Weber spart nicht mit Sarkasmus, wenn er über China oder das antike Griechenland schreibt, wo „die Parteien durch Pathos, Tränen und Beschimpfungen des Gegners“ (Weber) agierten.

Was nun? Gehört die Emotion in die adequate politische Kommunikation oder ist sie nur ein Instrument der Populisten, die ihre öffentlichen Reden und social media affektiv „schmücken“?

Liest man Arbeiten des schweizerischen Wissenschaftler und Arztes Luc Ciompi, z.B. das mit Koautorin Elke Endert veröffentlichte Buch ‚Gefühle machen Geschichte‘, in welchem das Wirken des Dreiecks „Gefühl-Verhalten-Denken“ in der Geschichte und in aktuellen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen untersucht wird, so scheint die Emotion von der ‚Ratio‘ gar nicht zu trennen. Zu diesem Ergebnis kommen auch Linguisten wie Monika Schwarz-Friesel, welche die „emotive Wende“ in den Sprachwissenschaften feststellt. Den Nobelpreis in Wissenschaften 2002 erhielt der Psychologe Daniel Kahneman, der die affektive Entscheidungskomponente bei sog. Experten feststellt. Seine Theorien sind übrigens sehr „volksnah“ im Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken“ nachzulesen.


Ganz in der Tiefe, im Gehirn, untersuchte der Neurowissenschaftler Antonio Damasio Denkprozesse und nennt sein Buch „Ich fühle, also bin ich“. Nach Damasio entstünden emotionale Wertungen noch vor dem Bewusstem.
Zumindest sind beide Prozesse – Denken und Fühlen – im Gehirn abgebildet. So scheinen die Metaphern ‚Kopf‘ und ‚Herz‘ (sowie auch ‚Kopf‘ GEGEN ‚Herz‘) ausgedient zu haben.


Und neben negativen Emotionen wie Hass und Angst gibt es positive Emotionen wie Liebe und Freude. Vielleicht gewinnt man mit ihnen beim nächsten Wahlkampf mehr Stimmen?


Wenn schon das Wort ‚Stimmen‘ mit ‚Stimmung‘ im Deutschen verwandt ist?

Der Weltraum für alle!

„Der Weltraum soll für alle da sein“, – sagt der Direktor am Institut für Luft-, Weltraum- und Cyberrecht, Stephan Hobe im Beitrag von Deutschlandradio Kultur „Warum Deutschland ein Weltraumgesetz braucht“ im Januar diesen Jahres. Wir wollen uns heute diesem Thema kurz widmen, anlässlich des Internationalen Tags der bemannten Raumfahrt. Der 12. April galt ursprünglich nur in der Sowjetunion und hieß Tag der Raumfahrt (День космонавтики, was leider irrtümlich als Tag der Kosmonauten bei Wikipedia übersetzt wurde). Denn am 12. April 1961 flog ein Mensch ins Weltall (und kam ebenfalls heil zurück zur Erde), Juri Gagarin. Erst im Jahre 2011 erklärte auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 12. April zum Internationalen Tag der BEMANNTEN Raumfahrt, denn die Raumfahrten fanden schon zuvor statt, allerdings mit Robotern und Hunden.

Der Vater der russischen Raumfahrt, Konstantin Ziolkowski (Константин Эдуардович Циолковский) war zunächst ein Träumer. Er wird mit „Erst kommen das Denken, die Fantasie und die Märchen, dann die wissenschaftliche Berechnung“ zitiert. Tatsächlich las er sehr viel von Jule Verne und schrieb zunächst fantasmagorische Geschichten, bevor er zu Berechnungen von reaktiven Bewegungen der Flüssig-Stoff-Raketen und Untersuchungen zum Widerstand der Luft in (selbstgebauten) aerodynamischen Kanälen kam. Und das alles „nebenberuflich“, parallel zu seiner Tätigkeit als Lehrer für Physik an einer kirchlichen Mädchenschule in der russischen Provinz. Ich als Kind empfand seinen Spruch „Das Unmögliche heute wird zum Möglichen morgen“ als sehr beeindruckend und behalte bis heute seine Idee, dass die abwechselnde Arbeit wie eine Ruhepause wirke. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1935 fand er Anerkennung der sowjetischen Führung und immerhin schmückt seine selbstveröffentlichte Broschüre die erste Vitrine der Raumfahrt-Abteilung des Deutschen Museums in München. Und im Museum der Geschichte der Raumfahrt in Kaluga findet gerade die Ausstellung zum 85-jährigen Geburtstags des ersten Menschen im Weltall, Juri Gagarin, statt.

Schon paradox, dass die poetische Vorstellung von Sternen und anderen Planeten, die sich sogar in der Wortwahl eines promovierten Juristen (s. oben) wiederfindet und von jeher von Dichtern besungen wurde ( z.B. in „Mondin“ von Sappho), also die heile Welt ohne Grenzen, von Anfang an ein Schauplatz des Wettkampfs um Prestige war. Und nun geht es nicht nur um „Schneller, weiter, höher“, sondern um den Kampf um Ressourcen, z.B. in der Telekommunikation oder wahrscheinlich demnächst um Energieressourcen. Und schon jetzt schafft es der Mensch, den Weltall zu vermüllen. Als ob der Ozean auf der Erde dafür nicht genug wäre!

Im Kontext dieses rücksichtslosen und unbedachten Verhaltens der Menschheit bekommt ein anderes Zitat von Ziolkowski eine neue Bedeutung: „Es stimmt, die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben. Das Sonnensystem wird unser Kindergarten“. Hoffentlich schaffen die Juristen und die Politiker, effektive „Spielregeln“ für die zunehmend allzu wild herumtobenden „Kinder“ aufzustellen und dies bald.

Alles Gute zum erdischen Tag der Raumfahrt!

Bild: Alexei Kostroma, Berlin

Was haben Frühling und Humboldt-Forum gemein?

Das hatte alle Zutaten für ein Volksfest: Viele Menschen, zum Teil folkloristisch gekleidet, spielende Kinder, exotische Essens-Düfte, laute Musik und noch lautere aufgeregte Kurzgespräche und viele Umarmungen. Doch eigentlich war das eine Veranstaltung des Humboldt-Forums als Vorbote dessen geplanter Exposition, welche die Kulturgeschichte der Welt im neu erbauten Berliner Stadtschloss präsentieren wird. Bei genauerem Hinsehen konnte das Quadrat als Symbol des Forums neben der Bühne entdeckt werden und unter den Menschen, die für Gruppenbilder posierten – ausschließlich – Herren, die das Projekt vertraten, identifizieren.

Doch der Anlass des Volksfestes passte tatsächlich zum pannationalen Ansatz der zukünftigen Ausstellung des Humboldt-Forums, wird doch das sog. Novruz, sprich Frühlingsfest, in vielen Ländern gefeiert. Am 23. März in Berlin haben z.B. die Botschaften von Afghanistan, Aserbaidschan, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan und Usbekistan ihre Stände aufgebaut und ihre Künstler auf die Bühne geschickt. Novruz ist außerdem als Symbol spannend, da es aus der vorislamischen Kultur kommt und mit einigen Symbolen, z.B. bunt bemalten Eiern, mit der vorchristlichen Kultur Gemeinsamkeiten aufweist.

Und überhaupt scheint die Natur, in diesem Falle Frühling, sich nicht um all unsere religiösen und politischen Grenzen zu kümmern. Kultur ist eben nicht Natur, sondern „ein von Menschen gemachter Teil der Umwelt“ (Harry Triandis). In diesem Sinne – schönen Frühling! Überall!

Irina Slot

P.S. Übrigens ist die nächste Ausgabe meines Blogs für den 12. April (Tag des Weltalls) geplant, dann wird das „Überall“ noch ein Stück zum WeltALL erweitert.

Polnische Frauen

Liebe Damen und Leser aller Geschlechter,

im März letzten Jahres habe ich mit einer Serie von Kurzberichten angefangen, die dem Internationalen Frauentag in unterschiedlichen Ländern gewidmet ist. Und bekam viel Lob und Dank für die Geschichte über chinesische Frauen, auch von jenen, die vom 8. März an sich nicht viel halten. Also setze ich die Serie fort und widme diese Ausgabe, wie geplant, den polnischen Frauen.

Doch bevor ich zu den Interviews mit lebenden Frauen komme, möchte ich über zwei Frauen berichten, die in der Frauenbewegung Ikonen-Status haben und in Polen geboren sind.

Als nur eine von sieben Frauen, die den Nobelpreis erhielt und die einzige Frau (neben drei Männern), die den Nobelpreis zwei Mal bekommen hat, ging Marie Curie in die Geschichte ein (im Jahre 1903 Nobelpreis in Physik und dann im Jahre 1911 in Chemie). Übrigens, kurz nach ihrem Tod bekam auch ihre ältere Tochter Irene in 1935 den Nobelpreis für Chemie. Marie Curie wurde als Marie Skłodowska in 1867 in Warschau geboren. Zum Studium ging sie nach Paris, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Pierre traf. Nach seinem Tod bei einem Autounfall im Jahre 1906 trug sie wieder ihren Mädchennamen, wobei sie von der französischen Presse für ihre polnische und angeblich jüdische Herkunft drangsaliert wurde. Zunächst wurde die romantische Liebe im Labor zwischen Marie und Pierre sarkastisch thematisiert. Doch richtig aufgebracht war die gelbe Presse, als ihre Affäre als verwitwete Mutter zum jüngeren Kollegen, ebenfalls einem Professoren, bekannt wurde. Das alles belastete Curie sehr, wobei sie in ihren Briefen an die Familie in Polen nur heile Welt präsentierte und auch als erfolgreiche und weltbekannte Frau mit größten Respekt an Eltern und Tanten schrieb.

Aus heutiger Sicht kann Marie Skłodowska als DAS Beispiel für die emanzipierte Frau gehalten werden: extern erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, welche die Entwicklung beider Töchter ernst nahm und von ihnen respektiert wurde und auch als Frau, die ihr privates Glück der konservativen Öffentlichkeit zuliebe nicht opferte.

Von so viel persönlichem Glück und Anerkennung kann unsere zweite Heldin vielleicht nicht sprechen, doch ihr Bekanntheitsgrad ist noch höher: Rosa Luxemburg. Sie wurde in der polnischen Provinz in Zamość, unweit von Lublin, geboren. Als Rosa zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Warschau, wo Rosa ein russischsprachiges Gymnasium besuchte. Wegen oppositioneller Gesinnung bekam Rosa keine Goldmedaille trotz bester Noten und musste schon mit 18 Jahren das zaristische Polen verlassen und zunähst in die Schweiz und dann nach Deutschland gehen. Der Rest ist – Geschichte! Ich persönlich würde sehr gerne erfahren, ob sie Deutsch mit Akzent sprach, lernte sie doch die Sprache erst auf dem Gymnasium und schrieb zeitlang Briefe auf polnisch mit russischen Anmerkungen oder Ansprachen (z.B. an Kolja Zetkin, dem Sohn der älteren Freundin und Kollegin Clara).

Auf eine wundersame Weise ist meine Freundin, Wirtschaftsprofessorin in Deutschland, mit beiden Frauen verbunden: Sie besuchte in Polen die Schule namens Marie Skłodowska und… wusste nicht, dass Rosa Luxemburg aus Polen stammt. Der internationale Frauentag ist für Lisa zunächst einmal Nostalgie. Sie muss dann an die Schulzeit zurückdenken, an die verkrampfen Jungs, die den Mädchen Lieder singen und Blümchen (meist Nelken) überreichen mussten, was zur allgemeinen Verwirrung und noch mehr Verkrampfung führte. Aus ihrer Sicht stand der Feiertag in Polen unter dem Einfluss der Sowjetunion und wurde nur halbherzig gefeiert, zudem war es kein offizieller Feiertag wie in Russland. Aktuell würde sie eine Zweiteilung der polnischen Gesellschaft in dieser Frage sehen: in den gebildeten Familien sind Frauen gleichberechtigt und stark, in weniger gebildeten Familien haben immer noch die „Machos“ das Sagen.

Apropos Frau, auf Polnisch „Kobieta“. Unter diesem Namen gründete und baute sieben Jahre lang eine Frau aus Stettin praktisch aus ihrem Wohnzimmer ein Online-Magazin auf, das bei Frauen jeden Alters in Polen bekannt und geliebt war. Mehrmals kam Gosha nach Berlin, um hiesige Trends anzuschauen und sich mit ihren Leserinnen im polnischen Berlin zu treffen, z.B. im einzigen deutsch-polnischen Rotary Club in Deutschland. Wie es der Zufall will, hat dieser Club die höchste Frauenquote bundesweit (57%) und wird aktuell von einer Frau als Präsidentin geführt.

Gosha von Kobieta widmet sich nun, nach dem erfolgreichen Verkauf ihrer Kobieta an Burda Media Polska, ganz und gar den karitativen Projekten und kommt seitdem seltener nach Berlin. In ihrem Gruss an Sie wünscht sie uns hier mehr Mut zur Farbe.

Und apropos Farbe, farbenfroh und energiebeladen sind die Portraits der polnischen Künstlerin Tamara de Lempicka, geborenen Gorska. Mit ihrem Portrait von Frau Bush aus dem Jahre 1929 schließe ich diesen Bericht.

Im nächsten Jahr blicken wir dann gemeinsam nach Italien. Alla prossima! Ihre,

Irina Slot

100 Jahre Bauhaus – Hype and Hope

Es ist wohl nichts Neues, dass Jubiläen und Gedenktage dafür genutzt (und ausgenutzt) werden, um ein Thema in den Vordergrund zu rücken. Aus der Tiefe der Geschichte herausgeholt, werden diese zwangsläufig mit Narrativen angereichert und zur Feier des Tages von Experten dem interessierten Publikum auf dem Silbertablett präsentiert.

Somit ist die grundsätzliche Kritik an dem Festival „100 Jahre Bauhaus“, das gerade in Berlin startete, es gehe hier nur um die Vermarktung der derzeitigen Bauhaus-Vorstellung, nicht außer Kraft gesetzt, sondern allenfalls relativiert.

Für das Authentische ist in Berlin nur das Mies-van-der-Rohe-Haus zu besichtigen. Warnung: Man fährt ewig lange hin und es sind nur ein paar Räume des Wohnhauses zu besichtigen, außerdem kommt die Genialität des Hauses nur bei Sonnenschein zur Geltung. Sowohl seine Nationalgalerie als auch das Bauhaus Museum Berlins, das sogenannte Bauhaus-Archiv, werden renoviert. „Super timing“, möchte man zurufen. Oder sich auf den Tagesausflug nach Dessau machen, wo es tatsächlich um Konservierung der Objekte und um ein „Hineingehen“ in die Bauhaus-Wirklichkeit geht.

Für mich persönlich ist das Museum in Dessau, das sich in dem authentischen Gebäude der Bauhaus-Schule befindet, der Ort, an dem über das Bauhaus als Lern- und Innovationskonzept nachgedacht werden kann. Denn alle wunderbaren neuartigen Gebäude und all diese wunderschönen – für damalige Zeiten höchst ungewöhnlichen – Objekte wären nicht entstanden, wäre nicht das Neue im Fundament des Lernens und des Wirkens im Bauhaus gelegt werden worden, nämlich: Interdisziplinarität.

Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst eigenhändig (zumindest Modelle) bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie belegen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre Zeit als Peripherie, ja, als Zugang zum Kern bildet – dem Fachspezifischen. Das Bild des Curriculums und was die Interdisziplinarität im heutigen Innovationsmanagement bedeutet, finden Sie hier.

Gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne, wie König Salomon vor drei Tausend Jahren zu sagen pflegte? Deswegen ist vielleicht tatsächlich ehrlicher zu sagen, wir kreieren etwas, was die Bauhaus-Leute damals mit den technischen Möglichkeiten von heute („Das Totale Tanztheater“ in der virtuellen Realität) oder als Antwort auf die technische Entwicklung inzwischen (die Vertonung des Weltallgeschehens mit Hilfe eines Teleskops im Garten des Museums) wahrscheinlich gemacht hätten. Auf jeden Fall ehrlicher als funktionales und schönes Design als etwas urschwedisches zu verkaufen, anstatt auf die Ursprünge des verkauften Designs im Bauhaus hinzuweisen. Immerhin finanziert die IKEA-Stiftung ein phänomenales Lernformat für Kinder und Jugendliche, wo sie einmal pro Woche die alten Bauhaus-Gestaltungs-Ideen selbst ausprobieren können. So auch in diesem Jahr immer samstags von 11 bis 14 Uhr. Und diese Entwicklung der Kinder geht in Richtung „Hope“, und das nicht nur während des „Hypes“ des Jubiläums.

Foto von Mira Menez:  In der Ausstellung „100 Jahre Bauhaus“ in der Akademie der Künste, Hanseatenweg

Doch zurück zum Hype des Bauhaus-Festivals. Abgesehen von einem Exponat vom geschlossenen Bauhaus-Archiv präsentiert das Eröffnungsfestival Arbeiten von modernen Künstlern, im Lichte des Bauhauses entstanden. Und natürlich sind sieben von 18 Figuren des Bauhaus-Theaters aus Oskar und Karl Schlemmers „Figuralem Kabinett“ nur nachgebaut (2014 von Linda Pense und Andreas Wohmann). Doch ganz im Geiste des Bauhaus-Festivals entwickle ich ihre Idee ein wenig weiter. Wurden ursprünglich die flachen bunt bemalten Figuren aus Holz von schwarz-gekleideten Menschen auf dem schwarzen Hintergrund bewegt, werde ich – zufällig schwarz gekleidet – Teil des Geschehens. Transparenz und Interaktion zwischen dem Toten und Lebendigen wäre ja auch für die Bauhaus-Menschen von vor 100 Jahren denkbar, oder?

Silvester Made in Germany und Made in China

Chinese Year 2018 / 2019 Made in Berlin by M. Leytus

Im Auto fahrend (kein Diesel), schon auffallend viele Feuerwehrautors mit Blaulicht wahrnehmend, höre ich im Radio, dass in China zu Silvester für 400 Gemeinden Böller-Verbot gilt. Und das mit der Begründung: Feinstaub-Belastung (Wortlaut des Radiobeitrages und Audiodatei).

Das gibt es doch nicht! Erst erfinden die Chinesen das Feuerwerk, dann überfluten sie Europa mit ihren Made-in-China-Böllern und nun sind sich zu fein (Achtung: Wortspiel Fein-Staub), diese bei sich zuhause abzuknallen. Ein Skandal, finde ich! Zumal der Krach nicht nur Tiere, Babies, sondern auch zunehmend die erwachsene Bevölkerung stört. Die Feuerwehrleute halten sich wacker, aber auch für sie, vor allem für die Freiwilligen, wäre es vielleicht schöner, Silvester zuhause zu feiern, als aus Spaß entstandene Brände zu löschen. Langsam kommt es zu Widerstand bei den Notärzten, die Jahr für Jahr abgerissene Hände und verbrannte Gesichter zusammenflicken müssen, ohne Not (Wortspiel Nummer zwei, nicht wahr?). Einige wenige Inseln des Böller-Verbots in Deutschland werden dann vor allem mit gefährdeten Holzbeständen der Altstädte begrünet. Aber mit ökologischen Argumenten? Da sind uns Chinesen wohl voraus. Überholmanöver rechts, und das mit Elektroauto, sozusagen.

Das kommende Jahr wird nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des Schweins (Element Erde) sein. Genau genommen, beginnt das Jahr am 5. Februar 2019. Und es soll Glück und Zufriedenheit bringen. Vielleicht werden wir dann „Schwein haben“ und auch in Berlin ein Böller-Verbot erleben (aller guten Dinge sind drei, gilt auch für nicht ganz elegante Wortspiele)?

Ich wünsche allen Lesern (m/w/d) meines Blogs für das kommende Jahr Glück, Zufriedenheit mit Ihrer Tätigkeit, mit Ihrer Umgebung und mit sich selbst. Und verziehe mich nach Venedig, denn da gilt: Ein öffentliches Feuerwerk und sonst Küsse statt Böller! Und im nächsten Jahr in Peking oder Berlin…

Salute per Capodanno, amichi!
祝你好运和繁荣 (Viel Glück und Wohlstand!)

俄语老师 (Irina)
P.S. Eine ernsthaftere Lektüre zum Thema Made-in-Germany von GTAI (Germany Trade and Invest) ist hier zu finden, meine Studie zum Thema wird voraussichtlich 2019 erscheinen.

P.P.S. Unsere Neujahres-Grüsse zum chinesischen Jahr 2018 finden Sie hier: Die Grüsse zum zentralen japanischen Feiertag finden Sie hier:

 

 

Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?

und sechs gute Nachrichten dazu finden Sie im Lernvideo (Länge 7 Minuten) von Irina Slot und Mira Menez.

Aus dem Museum von Joan Miro in Palma

Skript zum Video:

Guten Tag,

heute wollen wir Ihnen zeigen, was passiert, wenn zwei Menschen in einer Sprache reden, die für einen von ihnen – Muttersprache ist, und für den anderen – nicht.

Sie hören zum Beispiel, dass ich Deutsch mit einem Akzent spreche. Das heißt, in dieser Situation bin ich Fremdsprachler, aber auch Sie müssen und wollen als Fremdsprachler agieren. Deswegen hoffe ich, dass mein Wissen und meine Erfahrung dazu hilfreich sein werden und dass es sich für Sie lohnt, mir zuzuhören, wobei dies – wie bei jedem Akzent – eine gewisse Überwindung kostet.

Nein, nein, ich unterstelle Ihnen nichts! Den zusätzlichen Aufwand hat das Gehirn vom Muttersprachler ganz objektiv, er wurde von der russisschen Neurophysikerin Nina Bechtereva in Form von elektrischen Strömen richtig gemessen! Also muss der Muttersprachler praktisch Satz für Satz eine Abweichung vom sozusagen perfekten Satz in diesen perfekten Satz ÜBERSETZEN.

Und das kostet Energie. Je größer die Abweichung (z.B. durch Akzent, nicht korrekten Satzbau oder einer unpassenden Vokabel), desto höher der Energieaufwand. Aber – und das ist die gute Nachricht – die Abweichungen in der Sprache von ihrem Gegenüber – durch ihre oder seine Muttersprache verursacht – wiederholen sich. Irgendwann GEWÖHNT man sich daran. Auf der neuronalen Ebene heißt es dann: Ihr Gehirn hat die ursprüglich überraschende Information in einen Faden, eine Bahn übersetzt. Und das ist übrigens genau das, was in einem Lernprozess passiert: die bereits bestehenden Verbindungen (altes Wissen) werden um die neuen Verbindungen (neues Wissen) erweitert und verwoben. Und das ist die zweite gute Nachricht für den Muttersprachler: das anstrengende Zuhören übt ihr Gehirn in Lernfähigkeiten oder mit den Worten vom schweizerischen Wissenschaftler Luc Ciompi seine Elastizität und kognitive Fähigkeiten.

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Zwei – Eisberge – Modell von Irina Slot

Eisberg-Theorie: Auszug aus dem Artikel von Irina Slot aus Rotary-Magazin im Jahre 2015

Kultur wird oft mit einem Eisberg verglichen. Der Teil des Eisbergs, der über der Wasseroberfläche zu sehen ist, symbolisiert die sIMG_2791ichtbaren Aspekte einer Kultur: wie die Menschen sprechen, wie sie sich kleiden, was und wie sie essen. In dem Teil des Eisbergs, der unter Wasser liegt – und weit größer als der obere Teil des Eisbergs ist – verbergen sich die unsichtbaren Aspekte einer Kultur: Denkweisen, Handlungsmuster, der Einfluss der Religionen sowie Normen und Werte überhaupt.

Eben diesen Teil der Kultur tragen wir wie einen Rucksack mit uns mit, egal, wohin wir als Erwachsene gehen. Wir geben große Teile davon – meist unbewusst – an unsere Kinder weiter. Die Vorstellung, dass durch Integration im neuen Land die kulturelle Prägung, die man durch Eltern und Großeltern erfahren hat, einfach ausradiert würde, ist naiv und gefährlich. Im oberen Teil des „Eisbergs“ (Kleidung, Manieren, Sprechweise) ist eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft möglich, doch das „kulturelle Betriebssystem“, im frühesten Kindesalter geschrieben, läuft weiter, quasi im Hintergrund und wird immer dann in Erscheinung treten, wenn ein Mensch sich in einer Stresssituation befindet (Gefahr, Krankheit, Zeitdruck) oder eine wichtige Entscheidung treffen muss (Berufswahl, Familiengründung). So wie beim Eisberg, der plötzlich von der Sonne stark angestrahlt wird, wenn nur der obere Teil zu schmelzen anfängt, wirken sich Veränderungen der kulturellen Umgebung nur langsam (wenn überhaupt) auf die tief liegenden Bereiche der kulturellen Persönlichkeit aus. Hierbei gilt die „Faustregel“, dass etwa drei Generationen dafür notwendig sind.

Der Vergleich mit einem Eisberg erklärt auch, wie kulturelle Konflikte entstehen. Wenn zwei Eisberge kollidieren, geschieht dies im unteren Teil der Eisberge, unter dem Wasser. Der schon fast sprichwörtliche „clash of cultures“ findet im unsichtbaren Teil der Kultur statt. In diesem automatischen Mechanismus, dass wir Verhaltensweisen, die von den unseren abweichen, bewerten, liegt übrigens auch das Geheimnis der Stereotypen. Auf unserem Eisberg sitzend und eine andere Verhaltensweise beobachtend, neigen wir ganz natürlich dazu, diese durch den „Unterbau“ unseres eigenen Eisbergs zu erklären. So wirken auch positive Stereotypen: Das Lächeln auf dem Gesicht eines Menschen, der aus Vietnam stammt, wird hierzulande mit Höflichkeit und Freundlichkeit verbunden, für meine Studenten mit vietnamesischen Wurzeln es ist nur eine „Maske“, der Ausdruck des Verbotes, Gefühle zu zeigen.

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Das Zwei-Eisberge-Modell von Irina Slot wurde erstmals im Kiehl-Verlag im Jahre 2012 veröffentlicht.

Außerdem ist es im Video über das Blockseminar von Irina Slot an der Universität Potsdam plastisch dargestellt.

Das Zwei-Eisberg-Modell gemeinsam mit FOM-Studierenden interkativ erstellt und aufgenommen.

Und in diesem Blog-Beitrag zum Thema Veränderung der Kultur wird die These über Trägheit der Kulturen mithilfe von Eisberg-Modell erläutert.