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So nah, so fern…

Ein Vorteil, keine Sommerpause zu machen, ist beobachten zu können, wie andere diese gestalten. So lassen sich aus den Ankündigungen dieser zwei benachbarten Geschäfte in Berlin Schönberg recht klare kulturelle Unterschiede erklären. Ist das eine Sommerpause von dem Tag bis zum dem Tag? Oder ist das eine Sommerpause „bis Mitte August“, die neben dem ersteren Tableau wie ein „Bis dann irgendwann“ klingt?

Lang lebe Edward Hall, der mit seiner Kulturdimension monochrone versus polychrone Kulturen so viele Phänomene aus dem interkulturellen Alltag erklären lässt. Im ersten Fall beeinflusst die Kultur ihre „Träger“ in der Weise, dass sie auf einer Zeitachse denken, somit die Zeit diktiert auch Prioritäten. Im zweiten Falle ist die Zeit „nur“ ein Messinstrument des Lebens, aber keine Dominante, die das Leben bestimmt und z.B. Pünktlichkeit mit Werten wie Respekt oder Verlässlichkeit (siehe Kultureisberge) verbindet.

Es ist ebenfalls ein Beispiel dafür, dass auch die gut integrierten Migranten, was die Betreiber des griechischen Einzelhandels wirklich sind, ihre kulturelle Prägung, die sie mit der „Muttermilch“ bekommen haben, im Erwachsenenalter nicht ablegen können. Können/Sollen/Müssen? Es wäre schon ganz praktisch zu wissen, ab wann ich wieder wunderbare Oliven und das ganz besondere Olivenöl wieder konsumieren kann, andererseits geht davon die Welt auch nicht unter…

Mit polychronen Sommergrüßen,

Irina Slot

P.S. Wie die Zeitorientierung den medizinischen Arbeitsalltag beeinflüsst, sehen Sie hier;

P.P.S. Auch im letzten Jahr haben wir uns mit SommerZEIT beschäftigt

Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung

Am 5. Juni, dem sogenanten Diversity Day, veranstaltete IKWW einen Braun-Bag-Workshop in der Ausstellung der Daimler-Foundation in Berlin. Unter Visions of Exchange wurden Arbeiten von fünf deutschen und sechs japanischen Künstlern präsentiert, die am Austauschprogramm der Daimler-Foundation teilnahmen.

Unsere Lernaufgabe war zu erraten „Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung“ weiterlesen

Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends

Venn-Diagramm von Irina Slot
Auszug aus dem Essay „Lost in Globalization, found in Diversity“

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzten Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt, wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von der abgehobenen Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends“ weiterlesen

Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?

und sechs gute Nachrichten dazu finden Sie im Lernvideo von Irina Slot und Mira Menez.

Aus dem Museum von Joan Miro in Palma
Skript zum Video:

Guten Tag,

heute wollen wir Ihnen zeigen, was passiert, wenn zwei Menschen in einer Sprache reden, die für einen von ihnen – Muttersprache ist, und für den anderen – nicht.

Sie hören zum Beispiel, dass ich Deutsch mit einem Akzent spreche. Das heißt, in dieser Situation bin ich Fremdsprachler, aber auch Sie müssen und wollen als Fremdsprachler agieren. Deswegen hoffe ich, dass mein Wissen und meine Erfahrung dazu hilfreich sein werden und dass es sich für Sie lohnt, mir zuzuhören, wobei dies – wie bei jedem Akzent – eine gewisse Überwindung kostet.

Nein, nein, ich unterstelle Ihnen nichts! Den zusätzlichen Aufwand hat das Gehirn vom Muttersprachler ganz objektiv, er wurde von der russisschen Neurophysikerin Nina Bechtereva in Form von elektrischen Strömen richtig gemessen! Also muss der Muttersprachler praktisch Satz für Satz eine Abweichung vom sozusagen perfekten Satz in diesen perfekten Satz ÜBERSETZEN.

Und das kostet Energie. Je größer die Abweichung (z.B. durch Akzent, nicht korrekten Satzbau oder einer unpassenden Vokabel), desto höher der Energieaufwand. Aber – und das ist die gute Nachricht – die Abweichungen in der Sprache von ihrem Gegenüber – durch ihre oder seine Muttersprache verursacht – wiederholen sich. Irgendwann GEWÖHNT man sich daran. Auf der neuronalen Ebene heißt es dann: Ihr Gehirn hat die ursprüglich überraschende Information in einen Faden, eine Bahn übersetzt. Und das ist übrigens genau das, was in einem Lernprozess passiert: die bereits bestehenden Verbindungen (altes Wissen) werden um die neuen Verbindungen (neues Wissen) erweitert und verwoben. Und das ist die zweite gute Nachricht für den Muttersprachler: das anstrengende Zuhören übt ihr Gehirn in Lernfähigkeiten oder mit den Worten vom schweizerischen Wissenschaftler Luc Ciompi seine Elastizität und kognitive Fähigkeiten.

„Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?“ weiterlesen

Happy New (Chinese) Year!

Und hier ist unser Geschenk für Sie: Aufnahme der Erklärung zum Zwei-Eisberg-Modell von Irina Slot (ca. 15 min.)

Mit Dank an Mira Menez (Aufnahme und Bearbeitung) und Prof. Nelke (Einladung und Genehmigung).

 

Wirtschaft wird mit WIR geschrieben

 

Zugegeben, aus dem aktuellen Anlass der krampfhaften Regierungsbildung beginne ich meine Überlegungen zum Wort WIR mit dem Zitat von Franz Müntefering aus dem Jahre 2014: „Opposition ist Mist. Lasst das die Anderen machen – Wir wollen regieren!“

Spannend finde ich in diesem Spruch vor allem die „Opposition“ von WIR und DEN ANDEREN. Doch das hat mit Franz Müntefering nicht zu tun, auch nicht mit dem Politischen oder gar Kulturellem. Linguistische Forschung zeigt, dass diese „Dichotomie“ zwischen WIR und SIE in allen Sprachen und Kulturen vorkommt, sie scheint also universell zu sein. Das kann damit zu tun haben, dass sich die Menschen als soziales Wesen in Gruppen organisieren müssen/ wollen/dürfen und die Wörter WIR und SIE für Ingroup und Outgroup stehen. Ein WIR braucht für die eigene Definition ein IHR und umgekehrt.

Und genau das gilt auch für Wirtschaftsgeschehen: Es gibt eben ein Team und viele Menschen außerhalb dieses Teams; die „Mitgliedschaft“ in diesem Team kann durch Benennung durch den Chef postuliert werden, doch in der Arbeitskommunikation wird das WIR aus dem Munde der Teammitglieder das WIR wahrscheinlich auf die Teammitglieder beziehen (und hoffentlich nicht auf ein „Subteam“ darin). Es gibt ein großes Unterschied, ob jemand über sein/ihr Unternehmen sagt „Wir sind aufgekauft worden“ oder „Die haben den Deal gemacht“. Auch der Konkurrenzkampf „Wirtschaft wird mit WIR geschrieben“ weiterlesen

Turm von Babel, Esperanto und Euro-Englisch

Vor genau 130 Jahren wurde – auf Russisch – eine neue Sprache proklamiert, die eine universelle sein sollte. Und da der Autor, der polnische Augenarzt jüdischer Herkunft Ludwik Leiser Zamenhof, das Buch unter dem Titel Dr.  Esperanto veröffentlichte und, wie ich denke, viele Wörter dieser Sprache aus dem Lateinischen entnommen sind und romanisch klingen, wurde die Sprache im Folgenden Esperanto genannt.

Dabei handelte es sich nicht um den ersten und nicht um den letzten Versuch, eine länderübergreifende Sprache zu etablieren. Abgesehen von Latein als Lingua Franca im christlichen Europa, können wir auf die Geschichte aus der alttestamentarischen Bibel zurückblicken. Da sprachen alle Menschen dieselbe Sprache, die ihnen zur Vereinigung der Kräfte beim Bau eines himmelhohen Turms diente. Was – laut Bibel – Gott nicht gefiel. Das Trennungsmechanismus Gottes hat funktioniert: Er „schenkte“ den Menschen 70 verschiedene Sprachen, die zum Chaos in der Kommunikation und zum Ende des gemeinsamen Projektes führte.

Sprachgeschichtlich könnte die Geschichte sogar im Groben stimmen, denn beim Übergang vom Tier zum Menschen kommunizierten unsere Vorfahren tatsächlich in einer gemeinsamen Sprache, nämlich nonverbal. Es gibt zwar zahlreiche Anekdoten über Missverständnisse in der Gestik, doch die Mimik, insbesondere die s.g. Mikro-Mimik ist bei allen Völkern gleich und wird sogar bei blindgeborenen Babys festgestellt (die ersten Beobachtungen und Thesen von Charles Darwin wurden von Paul Ekman vertieft und bestätigt).

Also trennt uns die Sprache mehr als sie uns vereint? Ja und nein. Innerhalb einer Kultur vereint uns die Sprache. Bestimmte Code-Wörter geben uns ein sicheres Zeichen über Zugehörigkeit zu einem Volk, einer sozialen Gruppe, ja, einer Berufsgruppe des Gegenübers. Die Aussprache und auch solche Code-Wörter „verraten“ uns auch, wenn wir nicht zu der anderen Gruppe gehören. Ein „Nö?“ am Ende des Satzes wird sächsische Wurzeln signalisieren, ein „Grundsätzlich Ja, aber“ auf einen Juristen hindeuten, ein übermäßiger Gebrauch von „Wir“ verrät, dass die Person aus einer kollektivistischen Kultur, z.B. der Russischen, stammt, und ein „Isch schwöre, Alter!“ – aus dem multikulturellen bzw. „asozialen“ Kiez. Und so weiter und so fort. So funktioniert die In-Group- und Out-Group-Bildung durch die Sprache.

Und das ist vermutlich auch der Grund, warum im XX Jahrhundert das Esperanto keine Chance hatte: die nationale und kulturelle Trennung und das damit verbundene – bewusste und unbewusste – „Andocken“ in der jeweiligen nationalen Sprache machte die Verbreitung einer „staatenlosen“ Sprache unmöglich. Im Widerstand gegen die aktuelle Ausbreitung des Englischen als der neuen Lingua Franca tauchen ebenfalls kulturkritische Argumente auf. Außerdem hat dieses Englisch leider mit richtigen Englisch wenig zu tun und wird oft in seiner vereinfachten, rein funktionalen Form genutzt: Basic-Englisch oder Euro-Englisch. Doch die alte Legende vom Babelturm und der wiederkehrenden Versuche, eine gemeinsame Sprache für alle Menschen der Erde zu finden, zeigen sowohl die Gründe als auch die Lösung des Problems auf. Und ganz im Gegenteil bzw. Spiegelgleich zum Hofstedischen „Lokal denken, global handeln“, können wir in einem mehr oder minder guten Englisch Gedanken und Ideen über die Grenzen hinweg teilen und die Lösungen für globale Probleme konzipieren. Und dann doch gleichzeitig und vielleicht umso mehr die sprachlichen kulturellen Wurzeln in den Landessprachen pflegen und für die Umsetzung von Visionen – im Lokalen, Alltäglichen, Konkretem – nutzen.

Foto: Das erste Lehrbuch für Esperanto, erschienen auf Russisch in Warschau im Jahre 1887. Quelle: Wikipedia Commons

Renaissance von Bauhaus

Bauhaus in Dessau /ikww

Eigentlich ist eine Renaissance vom Bauhaus nicht nötig, denn es war nie tot. Auch wenn seine Protagonisten, z.B. der Gründer Walter Gropius, aus dem Nazi-Deutschland fliehen oder wie Franz Ehrlich ihrem KZ mit der Bauhaus-Schrift „Jedem das seine“ entwerfen mussten, blühte das Bauhaus in der Westküste der USA (wie das Haus von Thomas Mann, entworfen von Julius Ralph Davidson) oder in der neuerbauten weißen Stadt von Tel-Aviv (s. Foto)

Bauhaus in Tel Aviv https://commons.wikimedia.org

Doch das Bauhaus ist ja nicht nur Stil in der Architektur und Design, sondern – und bei seiner Entstehung im Wesentlichen – die Art des Lernens. Und zwar in der Verquickung von Theorie und Praxis und in der radikalen Interdisziplinarität. Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in die Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, mussten sie bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie lernen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre, Zeit als Peripherie, ja als Zugang zum Kern – dem Fachspezifischen bildet.

All das mussten zukünftige Architekten lernen, Museum Bauhaus Dessau

Und klar, so ausgebildete Spezialisten konnten nicht nur ihre Inspiration von anderen Fächern bekommen, sondern auch mit anderen Spezialisten besser arbeiten. Und vielleicht ist genau das die Erfolgsformel des Bauhauses. Und vielleicht ist es genau das, was wir vom Bauhaus lernen müssen, können, sollen. Das tuen wir auch, z.B. unter dem coolen Etikett von Design Thinking. Da ist das Anderssein (z.B. in der sozialen und kulturellen oder eben professionellen Prägung) weder ein Problem, noch ein nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit. Und die dazugehörigen Konflikte nicht ein Killer-Kriterium, sondern eine willkommene Herausforderung, ein Lernprozess, der zur Innovation führt, von David Stark scharfsinnig „The sense of dissonance“ gennant.

 

Workshop im Bauhaus Archiv im Rahmen des Innovationsmanagement-Kurses von Uni Potsdam mit Irina Slot

Aber das auch können wir von Bauhaus lernen: die interkulturellen und interdisziplinären Spannungen wollen gemanagt werden, damit sie nicht zum Konflikt oder Krieg ausufern, sondern in ihrem produktiven Modus bleiben. Und diese Spielregeln der Kommunikation und Kooperation waren in Bauhaus ganz klar und ziemlich fest. Und um das zu erfahren und um daraus zu lernen, empfiehlt sich eine „Pilgerfahrt“ nach Dessau, zum zweiten Standort vom Bauhaus als Schule und nun einem spannenden Museum. Um auch die unglaubliche Vitalität und Lebendigkeit von Bauhaus als Stil und vielleicht sogar Lebensstil zu erleben.

 

Der magische Eisberg

Eisberg, schon wiederEisberg, wird der aufmerksamer Leser (w/m) meines Blogs sagen, beschäftigte ich mich doch ausgiebig mit diesen „großen, im Meer schwimmenden Eismassen“ (Wikipedia) und entwickelte sogar ein Zwei-Eisberg-Modell, das die Interaktion zwischen zwei verschiedenen Kulturen symbolisch darstellt.

Doch ich halte eine Überraschung für Sie bereit und bespreche heute den Artikel über die Eisberge aus der Männer-Zeitschrift Men’s Health. In der letzen Ausgabe ging es nämlich um Eisberge. Nein, nicht um Sex auf dem Eisberg und nicht über Sixpack in Form eines Eisbergs, sondern um die psychologische Wirkung eines Eisbergs aufs Gemüt. Das Interview mit einem männlichen Psychologen, Dr. Burkhard Peter, wird mit seinem Zitat betitelt: „Auch das Bild eines Eisbergs kann schon abkühlen“. Darin geht es um die Macht der Gedanken, die visuell sehr stark unterstützt werden können. Schon ein Foto vom Eisberg auf der Wand in dem Büro kann in einer Stresssituation helfen, kühlen Kopf zu bewahren und insgesamt cool drauf zu sein.

Einverstanden! Und dann vielleicht ein Bild, das zwei Eisberge darstellt, als Erinnerung an das cultural clash bei Kultur-Kollisionen, das vorwiegend unter der Wasseroberfläche stattfindet. Und als „Ermahnung“, den Link zwischen den sichtbaren Aspekten der Kultur (z.B. Begrüßungsritual Handschlag) und den verborgenen Werten und Denkweisen (z.B. Respekt, Aufrichtigkeit) immer wieder zu hinterfragen.

Und ich gehe mit gutem Beispiel voran, in dem ich die Männerzeitschrift lese. Denn nicht nur ganz klassisch bei Herkunftskulturen geht es um schnelles, automatisches Urteilen, auch bei Berufskulturen, Organisationskulturen, Gender- und Generationskulturen unterscheidet sich oft das, was wir wahrnehmen (im oberen Teil des Eisbergs) und interpretieren (Blick auf unteren Teil des Eisbergs von unserem Eisberg her) von dem, was im unteren Teil des Eisbergs tatsächlich ist. In dem Beispiel einer Feministin und dem Men’s Health Magazin: sexfixierte Machos auf dem Cover eines Männermagazins können als Möchtegern Alfa-Tiere verurteilt oder als nettes Wesen, das anderen gefallen will und dabei den weichen Kern schützen muss, verstanden werden.

Und auch wenn Sie meiner Interpretation nicht folgen wollen oder können, folgend meinem Beispiel in Punkto Neugierde: diese Kompetenz ist für mich die Ur-Interkulturelle-Kompetenz. Und lesen Sie mal die Zeitschrift oder die Zeitung, die ganz anderes ist als Ihre normale Lektüre: also statt „Die Zeit“ mal „Das Bild“ und statt Men’s Health mal Cosmopolitan.

Soweit die Lektüre-Vorschläge für den Rest vom Sommer,

Ihre Irina Slot

Organisationskultur und Change Management

Kannte Kurt Lewin die Arbeiten von Edward Hall?

Es ist nicht unwahrscheinlich, lebte und lehrte doch der deutsch-polnische Wissenschaftler nach 1933 in den USA.  Jedoch bezog sich sein drei-Phasen-Modell damals auf gesellschaftliche Veränderungen generell und wurde später für Change Management Prozesse von Unternehmen und OrganisationHU Berlin - Kurt Levins Arbeitsstätte bis 1933en angewandt. Auch das Eisberg-Modell von Edward Hall bezog sich damals nicht auf Organisationskulturen, sondern auf die Herkunftskulturen.


Doch wie es der Zufall will, passt das Original-Wording von Kurt Lewin – Unfreezing, Moving,
Refreezing –  perfekt zum Vergleich einer Organisationskultur mit einem Eisberg. Dabei ist die
Veränderung im Eisberg zunächst nur im Teil über der Wasseroberfläche möglich: kommt es im Eismeer zu radikalen Veränderungen in der Umwelt, z.B. wenn die Sonne auf ebenjenes knallt, wird zunächst der sichtbare Teil des Eisbergs schmelzen. Übersetzt auf Eisberg der Kultur einer Organisation wird es zur Veränderung von sichtbaren Aspekten einer Unternehmenskultur kommen z.B. Kleidungsordnung, Logo, Motto oder Organigramm. Das Unfreezing von Levin bezieht sich aber sicherlich auf den „Gesamteisberg“, so darf es nicht nur beim Ablegen von Krawatten bleiben, sondern auch Kommunikationsart intern und extern verändert sich. Und allein als flach dargestellte Hierarchien machen diese den Führungsstil nicht demokratischer und kehren die Entscheidungsfindungsprozesse nicht um.


Ob die Idee von Kurt Lewin, dass nach einer radikalen Veränderung (Moving) eine Phase der
Stabilisierung (Refreezing) erforderlich ist, auf die Veränderung einer Unternehmenskultur
übertragbar ist? Einerseits ist nichts so ständig wie die Veränderung, andererseits wird die
Kulturveränderung für alle Beteiligten „erträglicher“ wenn sie mal ein Ende hat. Zumindest ein Ziel. Oder einen Meilenstein auf dem langen und tatsächlich nicht immer so geraden Wege der Veränderung?

 

Und ob Zusammenhang zwischen dem japanischen Spruch „Der Weg ist das Ziel“ und die japanische Methode von Change Management KAIZEN gibt? Mehr dazu im folgenden Blog-Beitrag im August. Schönen Sommer noch!

Bild: Friedrich-Wilhelm-Universität, heute Humboldt Universität – hier wirkte Kurt Lewin bis 1933. Quelle: Wikipedia

Mein Dank gilt meinem HWR-Kollegen Udo R. Schulz für die Entdeckung von Lewin’s Werk.