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100 Jahre Bauhaus – Hype and Hope

Es ist wohl nichts Neues, dass Jubiläen und Gedenktage dafür genutzt (und ausgenutzt) werden, um ein Thema in den Vordergrund zu rücken. Aus der Tiefe der Geschichte herausgeholt, werden diese zwangsläufig mit Narrativen angereichert und zur Feier des Tages von Experten dem interessierten Publikum auf dem Silbertablett präsentiert.

Somit ist die grundsätzliche Kritik an dem Festival „100 Jahre Bauhaus“, das gerade in Berlin startete, es gehe hier nur um die Vermarktung der derzeitigen Bauhaus-Vorstellung, nicht außer Kraft gesetzt, sondern allenfalls relativiert.

Für das Authentische ist in Berlin nur das Mies-van-der-Rohe-Haus zu besichtigen. Warnung: Man fährt ewig lange hin und es sind nur ein paar Räume des Wohnhauses zu besichtigen, außerdem kommt die Genialität des Hauses nur bei Sonnenschein zur Geltung. Sowohl seine Nationalgalerie als auch das Bauhaus Museum Berlins, das sogenannte Bauhaus-Archiv, werden renoviert. „Super timing“, möchte man zurufen. Oder sich auf den Tagesausflug nach Dessau machen, wo es tatsächlich um Konservierung der Objekte und um ein „Hineingehen“ in die Bauhaus-Wirklichkeit geht.

Für mich persönlich ist das Museum in Dessau, das sich in dem authentischen Gebäude der Bauhaus-Schule befindet, der Ort, an dem über das Bauhaus als Lern- und Innovationskonzept nachgedacht werden kann. Denn alle wunderbaren neuartigen Gebäude und all diese wunderschönen – für damalige Zeiten höchst ungewöhnlichen – Objekte wären nicht entstanden, wäre nicht das Neue im Fundament des Lernens und des Wirkens im Bauhaus gelegt werden worden, nämlich: Interdisziplinarität.

Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst eigenhändig (zumindest Modelle) bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie belegen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre Zeit als Peripherie, ja, als Zugang zum Kern bildet – dem Fachspezifischen. Das Bild des Curriculums und was die Interdisziplinarität im heutigen Innovationsmanagement bedeutet, finden Sie hier.

Gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne, wie König Salomon vor drei Tausend Jahren zu sagen pflegte? Deswegen ist vielleicht tatsächlich ehrlicher zu sagen, wir kreieren etwas, was die Bauhaus-Leute damals mit den technischen Möglichkeiten von heute („Das Totale Tanztheater“ in der virtuellen Realität) oder als Antwort auf die technische Entwicklung inzwischen (die Vertonung des Weltallgeschehens mit Hilfe eines Teleskops im Garten des Museums) wahrscheinlich gemacht hätten. Auf jeden Fall ehrlicher als funktionales und schönes Design als etwas urschwedisches zu verkaufen, anstatt auf die Ursprünge des verkauften Designs im Bauhaus hinzuweisen. Immerhin finanziert die IKEA-Stiftung ein phänomenales Lernformat für Kinder und Jugendliche, wo sie einmal pro Woche die alten Bauhaus-Gestaltungs-Ideen selbst ausprobieren können. So auch in diesem Jahr immer samstags von 11 bis 14 Uhr. Und diese Entwicklung der Kinder geht in Richtung „Hope“, und das nicht nur während des „Hypes“ des Jubiläums.

Foto von Mira Menez:  In der Ausstellung „100 Jahre Bauhaus“ in der Akademie der Künste, Hanseatenweg

Doch zurück zum Hype des Bauhaus-Festivals. Abgesehen von einem Exponat vom geschlossenen Bauhaus-Archiv präsentiert das Eröffnungsfestival Arbeiten von modernen Künstlern, im Lichte des Bauhauses entstanden. Und natürlich sind sieben von 18 Figuren des Bauhaus-Theaters aus Oskar und Karl Schlemmers „Figuralem Kabinett“ nur nachgebaut (2014 von Linda Pense und Andreas Wohmann). Doch ganz im Geiste des Bauhaus-Festivals entwickle ich ihre Idee ein wenig weiter. Wurden ursprünglich die flachen bunt bemalten Figuren aus Holz von schwarz-gekleideten Menschen auf dem schwarzen Hintergrund bewegt, werde ich – zufällig schwarz gekleidet – Teil des Geschehens. Transparenz und Interaktion zwischen dem Toten und Lebendigen wäre ja auch für die Bauhaus-Menschen von vor 100 Jahren denkbar, oder?

Silvester Made in Germany und Made in China

Chinese Year 2018 / 2019 Made in Berlin by M. Leytus

Im Auto fahrend (kein Diesel), schon auffallend viele Feuerwehrautors mit Blaulicht wahrnehmend, höre ich im Radio, dass in China zu Silvester für 400 Gemeinden Böller-Verbot gilt. Und das mit der Begründung: Feinstaub-Belastung (Wortlaut des Radiobeitrages und Audiodatei).

Das gibt es doch nicht! Erst erfinden die Chinesen das Feuerwerk, dann überfluten sie Europa mit ihren Made-in-China-Böllern und nun sind sich zu fein (Achtung: Wortspiel Fein-Staub), diese bei sich zuhause abzuknallen. Ein Skandal, finde ich! Zumal der Krach nicht nur Tiere, Babies, sondern auch zunehmend die erwachsene Bevölkerung stört. Die Feuerwehrleute halten sich wacker, aber auch für sie, vor allem für die Freiwilligen, wäre es vielleicht schöner, Silvester zuhause zu feiern, als aus Spaß entstandene Brände zu löschen. Langsam kommt es zu Widerstand bei den Notärzten, die Jahr für Jahr abgerissene Hände und verbrannte Gesichter zusammenflicken müssen, ohne Not (Wortspiel Nummer zwei, nicht wahr?). Einige wenige Inseln des Böller-Verbots in Deutschland werden dann vor allem mit gefährdeten Holzbeständen der Altstädte begrünet. Aber mit ökologischen Argumenten? Da sind uns Chinesen wohl voraus. Überholmanöver rechts, und das mit Elektroauto, sozusagen.

Das kommende Jahr wird nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des Schweins (Element Erde) sein. Genau genommen, beginnt das Jahr am 5. Februar 2019. Und es soll Glück und Zufriedenheit bringen. Vielleicht werden wir dann „Schwein haben“ und auch in Berlin ein Böller-Verbot erleben (aller guten Dinge sind drei, gilt auch für nicht ganz elegante Wortspiele)?

Ich wünsche allen Lesern (m/w/d) meines Blogs für das kommende Jahr Glück, Zufriedenheit mit Ihrer Tätigkeit, mit Ihrer Umgebung und mit sich selbst. Und verziehe mich nach Venedig, denn da gilt: Ein öffentliches Feuerwerk und sonst Küsse statt Böller! Und im nächsten Jahr in Peking oder Berlin…

Salute per Capodanno, amichi!
祝你好运和繁荣 (Viel Glück und Wohlstand!)

俄语老师 (Irina)
P.S. Eine ernsthaftere Lektüre zum Thema Made-in-Germany von GTAI (Germany Trade and Invest) ist hier zu finden, meine Studie zum Thema wird voraussichtlich 2019 erscheinen.

P.P.S. Unsere Neujahres-Grüsse zum chinesischen Jahr 2018 finden Sie hier: Die Grüsse zum zentralen japanischen Feiertag finden Sie hier:

 

 

Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?

und sechs gute Nachrichten dazu finden Sie im Lernvideo von Irina Slot und Mira Menez.

Aus dem Museum von Joan Miro in Palma
Skript zum Video:

Guten Tag,

heute wollen wir Ihnen zeigen, was passiert, wenn zwei Menschen in einer Sprache reden, die für einen von ihnen – Muttersprache ist, und für den anderen – nicht.

Sie hören zum Beispiel, dass ich Deutsch mit einem Akzent spreche. Das heißt, in dieser Situation bin ich Fremdsprachler, aber auch Sie müssen und wollen als Fremdsprachler agieren. Deswegen hoffe ich, dass mein Wissen und meine Erfahrung dazu hilfreich sein werden und dass es sich für Sie lohnt, mir zuzuhören, wobei dies – wie bei jedem Akzent – eine gewisse Überwindung kostet.

Nein, nein, ich unterstelle Ihnen nichts! Den zusätzlichen Aufwand hat das Gehirn vom Muttersprachler ganz objektiv, er wurde von der russisschen Neurophysikerin Nina Bechtereva in Form von elektrischen Strömen richtig gemessen! Also muss der Muttersprachler praktisch Satz für Satz eine Abweichung vom sozusagen perfekten Satz in diesen perfekten Satz ÜBERSETZEN.

Und das kostet Energie. Je größer die Abweichung (z.B. durch Akzent, nicht korrekten Satzbau oder einer unpassenden Vokabel), desto höher der Energieaufwand. Aber – und das ist die gute Nachricht – die Abweichungen in der Sprache von ihrem Gegenüber – durch ihre oder seine Muttersprache verursacht – wiederholen sich. Irgendwann GEWÖHNT man sich daran. Auf der neuronalen Ebene heißt es dann: Ihr Gehirn hat die ursprüglich überraschende Information in einen Faden, eine Bahn übersetzt. Und das ist übrigens genau das, was in einem Lernprozess passiert: die bereits bestehenden Verbindungen (altes Wissen) werden um die neuen Verbindungen (neues Wissen) erweitert und verwoben. Und das ist die zweite gute Nachricht für den Muttersprachler: das anstrengende Zuhören übt ihr Gehirn in Lernfähigkeiten oder mit den Worten vom schweizerischen Wissenschaftler Luc Ciompi seine Elastizität und kognitive Fähigkeiten.

„Interkulturelle Kommunikation: Was passiert, wenn Muttersprachler und Fremdsprachler mit einander reden?“ weiterlesen

Zwei – Eisberge – Modell von Irina Slot

Eisberg-Theorie: Auszug aus dem Artikel von Irina Slot aus Rotary-Magazin im Jahre 2015

Kultur wird oft mit einem Eisberg verglichen. Der Teil des Eisbergs, der über der Wasseroberfläche zu sehen ist, symbolisiert die sIMG_2791ichtbaren Aspekte einer Kultur: wie die Menschen sprechen, wie sie sich kleiden, was und wie sie essen. In dem Teil des Eisbergs, der unter Wasser liegt – und weit größer als der obere Teil des Eisbergs ist – verbergen sich die unsichtbaren Aspekte einer Kultur: Denkweisen, Handlungsmuster, der Einfluss der Religionen sowie Normen und Werte überhaupt.

Eben diesen Teil der Kultur tragen wir wie einen Rucksack mit uns mit, egal, wohin wir als Erwachsene gehen. Wir geben große Teile davon – meist unbewusst – an unsere Kinder weiter. Die Vorstellung, dass durch Integration im neuen Land die kulturelle Prägung, die man durch Eltern und Großeltern erfahren hat, einfach ausradiert würde, ist naiv und gefährlich. Im oberen Teil des „Eisbergs“ (Kleidung, Manieren, Sprechweise) ist eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft möglich, doch das „kulturelle Betriebssystem“, im frühesten Kindesalter geschrieben, läuft weiter, quasi im Hintergrund und wird immer dann in Erscheinung treten, wenn ein Mensch sich in einer Stresssituation befindet (Gefahr, Krankheit, Zeitdruck) oder eine wichtige Entscheidung treffen muss (Berufswahl, Familiengründung). So wie beim Eisberg, der plötzlich von der Sonne stark angestrahlt wird, wenn nur der obere Teil zu schmelzen anfängt, wirken sich Veränderungen der kulturellen Umgebung nur langsam (wenn überhaupt) auf die tief liegenden Bereiche der kulturellen Persönlichkeit aus. Hierbei gilt die „Faustregel“, dass etwa drei Generationen dafür notwendig sind.

Der Vergleich mit einem Eisberg erklärt auch, wie kulturelle Konflikte entstehen. Wenn zwei Eisberge kollidieren, geschieht dies im unteren Teil der Eisberge, unter dem Wasser. Der schon fast sprichwörtliche „clash of cultures“ findet im unsichtbaren Teil der Kultur statt. In diesem automatischen Mechanismus, dass wir Verhaltensweisen, die von den unseren abweichen, bewerten, liegt übrigens auch das Geheimnis der Stereotypen. Auf unserem Eisberg sitzend und eine andere Verhaltensweise beobachtend, neigen wir ganz natürlich dazu, diese durch den „Unterbau“ unseres eigenen Eisbergs zu erklären. So wirken auch positive Stereotypen: Das Lächeln auf dem Gesicht eines Menschen, der aus Vietnam stammt, wird hierzulande mit Höflichkeit und Freundlichkeit verbunden, für meine Studenten mit vietnamesischen Wurzeln es ist nur eine „Maske“, der Ausdruck des Verbotes, Gefühle zu zeigen.

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Das Zwei-Eisberge-Modell von Irina Slot wurde erstmals im Kiehl-Verlag im Jahre 2012 veröffentlicht.

Außerdem ist es im Video über das Blockseminar von Irina Slot an der Universität Potsdam plastisch dargestellt.

Das Zwei-Eisberg-Modell gemeinsam mit FOM-Studierenden interkativ erstellt und aufgenommen.

Und in diesem Blog-Beitrag zum Thema Veränderung der Kultur wird die These über Trägheit der Kulturen mithilfe von Eisberg-Modell erläutert.

 

 

Organisationskultur und Change Management

Kannte Kurt Lewin die Arbeiten von Edward Hall?

Es ist nicht unwahrscheinlich, lebte und lehrte doch der deutsch-polnische Wissenschaftler nach 1933 in den USA.  Jedoch bezog sich sein drei-Phasen-Modell damals auf gesellschaftliche Veränderungen generell und wurde später für Change Management Prozesse von Unternehmen und OrganisationHU Berlin - Kurt Levins Arbeitsstätte bis 1933en angewandt. Auch das Eisberg-Modell von Edward Hall bezog sich damals nicht auf Organisationskulturen, sondern auf die Herkunftskulturen.


Doch wie es der Zufall will, passt das Original-Wording von Kurt Lewin – Unfreezing, Moving,
Refreezing –  perfekt zum Vergleich einer Organisationskultur mit einem Eisberg. Dabei ist die
Veränderung im Eisberg zunächst nur im Teil über der Wasseroberfläche möglich: kommt es im Eismeer zu radikalen Veränderungen in der Umwelt, z.B. wenn die Sonne auf ebenjenes knallt, wird zunächst der sichtbare Teil des Eisbergs schmelzen. Übersetzt auf Eisberg der Kultur einer Organisation wird es zur Veränderung von sichtbaren Aspekten einer Unternehmenskultur kommen z.B. Kleidungsordnung, Logo, Motto oder Organigramm. Das Unfreezing von Levin bezieht sich aber sicherlich auf den „Gesamteisberg“, so darf es nicht nur beim Ablegen von Krawatten bleiben, sondern auch Kommunikationsart intern und extern verändert sich. Und allein als flach dargestellte Hierarchien machen diese den Führungsstil nicht demokratischer und kehren die Entscheidungsfindungsprozesse nicht um.


Ob die Idee von Kurt Lewin, dass nach einer radikalen Veränderung (Moving) eine Phase der
Stabilisierung (Refreezing) erforderlich ist, auf die Veränderung einer Unternehmenskultur
übertragbar ist? Einerseits ist nichts so ständig wie die Veränderung, andererseits wird die
Kulturveränderung für alle Beteiligten „erträglicher“ wenn sie mal ein Ende hat. Zumindest ein Ziel. Oder einen Meilenstein auf dem langen und tatsächlich nicht immer so geraden Wege der Veränderung?

 

Und ob Zusammenhang zwischen dem japanischen Spruch „Der Weg ist das Ziel“ und die japanische Methode von Change Management KAIZEN gibt? Mehr dazu im folgenden Blog-Beitrag im August. Schönen Sommer noch!

Bild: Friedrich-Wilhelm-Universität, heute Humboldt Universität – hier wirkte Kurt Lewin bis 1933. Quelle: Wikipedia

Mein Dank gilt meinem HWR-Kollegen Udo R. Schulz für die Entdeckung von Lewin’s Werk.

INTERDISZIPLINARITÄT UND INTERKULTURALITÄT: HERBST-UPDATE VON IRINA SLOT

Wir melden uns aus der Sommerpause zurück!

Sommerpause ist fast für alle vorbei!

Nur Meng Meng kann sich weiter im Grünen entspannen, wobei wir auch im Sommer aktiv und produktiv waren. Hier finden Sie einige Beiträge bei Partnern:

Blog von Faircoach:

„Ein Team von jungen Wissenschaftlern aus unterschiedlichsten Ländern startet ein Forschungsprojekt. Der Projektleiter ist entzückt: „Das ist die neue Generation, die grenzenlos ausgebildet ist. Alle sprechen Englisch, alle sind vernetzt. Das ist ja ganz anders als in meinen jungen Jahren, in denen jeder sich an seinen „nationalen Labortisch“ geklammert hat“.

Doch schon bei der ersten Deadline zerfällt das Team in die „Chinesen, die immer zusammen hocken“, die „Franzosen, die immer nur ‘rumdiskutieren“, die „Deutschen, die endlose Präsentationen zeigen“ und die „Polen, die nie Termine halten“.

Was ist passiert? Lesen Sie hier mehr dazu:

Webinar vom VDI Verein Deutscher Ingenieure VDI e.V.

Internationales Projektmanagement (leider nur für VDI-Mitglieder zugänglich, und zwar hier:)

Rotary-Magazin (für alle zugänglich!)

Migranten besser verstehen – ein Workshop für Ärzte, fnden Sie hier

Wie ein Programm, das im Hintergrund läuft – finden Sie hier

In Arbeit:

Made-in-Germany: Blick von Außen

So nah, so fern…

Ein Vorteil, keine Sommerpause zu machen, ist beobachten zu können, wie andere diese gestalten. So lassen sich aus den Ankündigungen dieser zwei benachbarten Geschäfte in Berlin Schönberg recht klare kulturelle Unterschiede erklären. Ist das eine Sommerpause von dem Tag bis zum dem Tag? Oder ist das eine Sommerpause „bis Mitte August“, die neben dem ersteren Tableau wie ein „Bis dann irgendwann“ klingt?

Lang lebe Edward Hall, der mit seiner Kulturdimension monochrone versus polychrone Kulturen so viele Phänomene aus dem interkulturellen Alltag erklären lässt. Im ersten Fall beeinflusst die Kultur ihre „Träger“ in der Weise, dass sie auf einer Zeitachse denken, somit die Zeit diktiert auch Prioritäten. Im zweiten Falle ist die Zeit „nur“ ein Messinstrument des Lebens, aber keine Dominante, die das Leben bestimmt und z.B. Pünktlichkeit mit Werten wie Respekt oder Verlässlichkeit (siehe Kultureisberge) verbindet.

Es ist ebenfalls ein Beispiel dafür, dass auch die gut integrierten Migranten, was die Betreiber des griechischen Einzelhandels wirklich sind, ihre kulturelle Prägung, die sie mit der „Muttermilch“ bekommen haben, im Erwachsenenalter nicht ablegen können. Können/Sollen/Müssen? Es wäre schon ganz praktisch zu wissen, ab wann ich wieder wunderbare Oliven und das ganz besondere Olivenöl wieder konsumieren kann, andererseits geht davon die Welt auch nicht unter…

Mit polychronen Sommergrüßen,

Irina Slot

P.S. Wie die Zeitorientierung den medizinischen Arbeitsalltag beeinflüsst, sehen Sie hier;

P.P.S. Auch im letzten Jahr haben wir uns mit SommerZEIT beschäftigt

Renaissance von Bauhaus

Bauhaus in Dessau /ikww

Eigentlich ist eine Renaissance vom Bauhaus nicht nötig, denn es war nie tot. Auch wenn seine Protagonisten, z.B. der Gründer Walter Gropius, aus dem Nazi-Deutschland fliehen oder wie Franz Ehrlich ihrem KZ mit der Bauhaus-Schrift „Jedem das seine“ entwerfen mussten, blühte das Bauhaus in der Westküste der USA (wie das Haus von Thomas Mann, entworfen von Julius Ralph Davidson) oder in der neuerbauten weißen Stadt von Tel-Aviv (s. Foto)

Bauhaus in Tel Aviv https://commons.wikimedia.org

Doch das Bauhaus ist ja nicht nur Stil in der Architektur und Design, sondern – und bei seiner Entstehung im Wesentlichen – die Art des Lernens. Und zwar in der Verquickung von Theorie und Praxis und in der radikalen Interdisziplinarität. Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in die Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, mussten sie bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie lernen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre, Zeit als Peripherie, ja als Zugang zum Kern – dem Fachspezifischen bildet.

All das mussten zukünftige Architekten lernen, Museum Bauhaus Dessau

Und klar, so ausgebildete Spezialisten konnten nicht nur ihre Inspiration von anderen Fächern bekommen, sondern auch mit anderen Spezialisten besser arbeiten. Und vielleicht ist genau das die Erfolgsformel des Bauhauses. Und vielleicht ist es genau das, was wir vom Bauhaus lernen müssen, können, sollen. Das tuen wir auch, z.B. unter dem coolen Etikett von Design Thinking. Da ist das Anderssein (z.B. in der sozialen und kulturellen oder eben professionellen Prägung) weder ein Problem, noch ein nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit. Und die dazugehörigen Konflikte nicht ein Killer-Kriterium, sondern eine willkommene Herausforderung, ein Lernprozess, der zur Innovation führt, von David Stark scharfsinnig „The sense of dissonance“ gennant.

 

Workshop im Bauhaus Archiv im Rahmen des Innovationsmanagement-Kurses von Uni Potsdam mit Irina Slot

Aber das auch können wir von Bauhaus lernen: die interkulturellen und interdisziplinären Spannungen wollen gemanagt werden, damit sie nicht zum Konflikt oder Krieg ausufern, sondern in ihrem produktiven Modus bleiben. Und diese Spielregeln der Kommunikation und Kooperation waren in Bauhaus ganz klar und ziemlich fest. Und um das zu erfahren und um daraus zu lernen, empfiehlt sich eine „Pilgerfahrt“ nach Dessau, zum zweiten Standort vom Bauhaus als Schule und nun einem spannenden Museum. Um auch die unglaubliche Vitalität und Lebendigkeit von Bauhaus als Stil und vielleicht sogar Lebensstil zu erleben.

 

Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends

Venn-Diagramm von Irina Slot
Auszug aus dem Essay „Lost in Globalization, found in Diversity“

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzten Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt, wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von der abgehobenen Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends“ weiterlesen