Jetzt im Blog: „The Sense of Dissonance“ _ Generationskulturen, Berufskulturen und Innovation

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete damals als Außenministerin der USA Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzen Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von abgehobener Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Die Jungen laufen schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung“, pflegte Ursula von den Leyen zu sagen, als sie noch Arbeitsministerin war. Klingt smart und sympathisch, wurde auch immer gut vom Publikum angenommen, in dem nur wenige Vertreter der Y-Generation zu sehen waren. Diese machen sich wiederum lustig über diese ewig jungen, agilen und allgegenwärtigen Alten: „Sie können echt nicht loslassen! Und warum müssen sie immer anwesend sein, um ihren wertvollen Beitrag zu leisten?“ Doch auch diese unterschiedlichen Denkweisen sind zu „managen“, indem die Führungskraft – unabhängig vom eigenen Alter – alle Akteure wertschätzend miteinander vernetzt und ihre Zusammenarbeit moderiert. Die eigentliche Kunst besteht gerade darin, die kulturell bedingten Spannungen als etwas ganz natürliches anzusehen und daraus eine neue Form des Zusammenwirkens entstehen zu lassen – über alle Silos und Gräben hinweg.

Der amerikanische Soziologe David Stark (beschreibt in seinem Buch „The sense of dissonance“ seine Untersuchungen von Innovationen, die zu einem wirtschaftlichen Erfolg geführt haben. Eines der Untersuchungsobjekte sind Computerspiele, und zwar seit ihrer Entstehung vor 30 Jahren. Er legt den Fokus seiner Studie auf die Autorenteams und kommt zu dem Ergebnis, dass neue und erfolgreiche Produkte dann – und nur dann – entstanden sind, wenn die Teammitglieder verschiedene kognitive Schwerpunkte hatten. Er geht noch weiter und stellt auch die qualitative Verbindung zwischen der kognitiven Diversität und der Innovation her: je größer die kulturelle Distanz zwischen den Teammitgliedern, z.B. durch verschiedene Studienfächer ist, umso höher ist die Spannung im Team, und umso höher ist die Innovation.

Das würde bedeuten, dass die Harmonie im Team nicht nur nicht erforderlich ist, sondern sogar kontraproduktiv sein kann. Eine historische und umfangreiche Untersuchung der monetären Fehler in der Stadtverwaltung von New York City bringt Stark ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sie immer dann entstanden sind, wenn ausschließlich eine Herkunft oder nur ein Geschlecht mit der Aufgabe betraut war. Noch bevor Diversity ein Modebegriff wurde, hat sich deswegen die Stadtverwaltung von New York City in den 80ern entschieden, die Controller-Teams sowohl in Bezug auf ihre Herkunft als auch in Bezug auf ihr Geschlecht „bunt“ zu besetzen. Der Autor der Studie sieht darin seine These bestätigt: eine gewisse Spannung ist Garant für ein produktives Arbeiten. Und wie diese produktive Spannung für Innovation produktiv zu nutzen ist, lesen Sie in der Broschüre von Irina Slot „Thesen zur Globalisierung“ Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu). (Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu).

Foto: Prof. Stark „The Sense of Dissonance“, Princeton University Press, 2011The Sense of Dissonance

„Berlin – Stadt der Frauen“- Bilder einer Ausstellung

 Das Bild Nummer eins: die ausschliessliche Mehrheit der Besucherinnen dieser Ausstellung im Berliner Ephraim Palais sind Frauen. (Liebe männliche Leser dieses Blogs: lassen Sie diesen Artikel nicht zum Text „Von Frau zur Frau“ verkommen und bleiben Sie bitte beim Lesen!)

 

Das Bild Nummer zwei: Das Korsett. Es nimmt eine zentrale Rolle als Exponat ein und dient auch als Symbol der Ausstellung, z.B. in den Denkzetteln der Kuratorinnen (?), worum es bei den insgesamt 20 Frauenbiographien geht: um das Recht zur Selbstbestimmung, zur Bildung, zur Berufswahlfreiheit usw.

Dabei werden einige der Protagonistinnen zwar ein Korsett getragen, aber sich dennoch von den Zwängen ihrer Zeit nicht einschnüren gelassen hatten. So zum Beispiel Hedwig Dohm, die Großmutter von Katia Mann, die zwar kein Korsett getragen und sehr gute Ausbildung genossen hat, aber ihrem „schwierigen“ und sehr erfolgreichen Mann emotional unterworfen bzw. in der Ehe für Erziehung der sechs Kinder allein verantwortlich war.

korset

Ist ein Korsett also doch nur ein Symbol? Wäre dann auch nicht das Kopftuch nur ein Symbol, das zwar hierzulande für die Frauenunterwerfung steht, aber in jedem einzelnen Fall doch was anderes bedeuten kann. Und wird es nicht wie jedes Symbol überbewertet bzw. gern stereotypisch ausgelegt? Wie zu kurze Kleider an den Körpern und zu hohe Pumps an den Füßen der russischen und chinesischen Frauen sie als Verhandlungspartnerinnen unterschätzen lässt und zur suboptimalen Ergebnissen führt, wenn nicht zum Abbruch der Business-Beziehung überhaupt.

Und was nützt der elegante graue Hosenanzug den deutschen oder amerikanischen Frauen, die immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen? Mit einer Ausnahme – lesbische Frauen scheinen laut Statistiken mehr zu verdienen als ihre heterosexuelle „Schwestern“: http://www.economist.com/news/finance-and-economics/21692938-lesbians-tend-earn-more-heterosexual-women-girl-power. Leider steht im Artikel nichts über die Gründe dieses Phänomens, doch die Frage stellt sich: vielleicht sind es nicht mal die Busen als Symbol der Schwäche des anderen Geschlechtes, sondern eventuell die innere Haltung der jeweiligen Dame, die bessere oder eben schlechtere Arbeitsverträge aushandelt?

Und diese Haltung lässt sich nicht an Symbolen ausmachen. Und auch nicht durch die Symbolpolitik verändern, die sich selbst als solche ab und zu verrät. Wie kann es denn sonst sein, dass das Podium von mehreren Diversity-Konferenzen nur von Männern besetzt sind, und das vom politischen Verein „Charta der Vielfalt“ (das Team allesamt Frauen) organisiert?

Fragen über Fragen und doch ein Fazit zum Schluss: lassen wir uns nicht von Symbolen, Ritualen und hübschen Glanzbroschüren verblenden, schauen wir auf das Wesentliche! Gern zur Ausstellung: http://www.stadtmuseum.de/ausstellungen/berlin-stadt-der-frauen gehen, aber sich nicht nur über die „furchtbare“ Vergangenheit und „Die da in den anderen Ländern“ aufregen, sondern lieber das Heute und Hier kritisch betrachten. Frauen wie Männer!

Nachschlag von März 2017: Abgeordnete von Jordanien und Marokko im Deutschen Bundestag:

Dat is och Berlin!

Abgeordnete aus Jordanien und Marroko im deutschen Bundestag

Internationale Kommunikation – Podcast von Petra Owen mit Irina Slot

Irina im Gespräch mit Petra Owen: live über das Telefonieren und über internationale Kommunikation

In einer weiteren Folge von Petra-on-Tour geht es heute im Gespräch mit Irina Slot um die Funktion der nicht-persönlichen Kommunikation:
Was ist da anders als im Gespräch face-to-face, wo ja das Thema Distanz eine große Rolle spielt (im englischen Sprachraum ist z.B. ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den Teilnehmern unabdingbar)?

Für uns in Deutschland ist die E-Mail seit langem schon das selbstverständliche Mittel der Kommunikation, speziell im Geschäftsleben. Ist das in China oder Russland auch so?
Warum ist für Irina Slot die E-Mail eine der „schlimmsten Formen“ der virtuellen Kommunikation? Was für uns selbstverständlich ist, muss in einem anderen kulturellen Koordinatensystem nicht so sein … da spricht sich die erfahrene Dozentin und Referentin für interkulturelle Kompetenz ganz entschieden für ein Vorab-Telefonat aus.

Und wie ist das mit einem Dialekt oder Akzent beim Telefonieren? Ist der immer von Nachteil? Oder kann solch eine Tatsache nicht auch zu einer Art Merkmal werden?

Hört mehr darüber in der aktuellen Folge – auch darüber, in welchem Zeitraum die Beantwortung einer E-Mail erwartet wird … das ist nämlich von Land zu Land durchaus verschieden!

Viele Hörer von Guerrilla FM fanden diese Folge amüsant und sehr nützlich zugleich, und Sie?

Zu hören und zu kommentieren hier.

Quellen: www.GuerrillaFM.de; Fotorechte: Roman Leytus

Internationale Kommunikation – Podcast von Petra Owen mit Irina Slot

In einer weiteren Folge von Petra-on-Tour geht es heute im Gespräch mit Irina Slot um die Funktion der nicht-persönlicheirochka v sadike s telefonomn Kommunikation:
Was ist da anders als im Gespräch face-to-face, wo ja das Thema Distanz eine große Rolle spielt (im englischen Sprachraum ist z.B. ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den Teilnehmern unabdingbar)?

Für uns in Deutschland ist die E-Mail seit langem schon das selbstverständliche Mittel der Kommunikation, speziell im Geschäftsleben. Ist das in China oder Russland auch so?
Warum ist für Irina Slot die E-Mail eine der „schlimmsten Formen“ der virtuellen Kommunikation? Was für uns selbstverständlich ist, muss in einem anderen kulturellen Koordinatensystem nicht so sein … da spricht sich die erfahrene Dozentin und Referentin für interkulturelle Kompetenz ganz entschieden für ein Vorab-Telefonat aus.

Und wie ist das mit einem Dialekt oder Akzent beim Telefonieren? Ist der immer von Nachteil? Oder kann solch eine Tatsache nicht auch zu einer Art Merkmal werden?

Hört mehr darüber in der aktuellen Folge – auch darüber, in welchem Zeitraum die Beantwortung einer E-Mail erwartet wird … das ist nämlich von Land zu Land durchaus verschieden!

Viele Hörer von Guerilla FM fanden diese Folge amüsant und sehr nützlich zugleich, und Sie?

Zu hören und zu kommentieren unter: www.

Quellen: www.GuerrillaFM.de; Fotorechte: Roman Leytus

Ingenieure, Soziologen und berufskulturelle Überlegungen

enginners of jihad source amazon„Die Ingenieure des Jihad“ (Engeneers of Jihad) heißt das Buch des britischen Soziologen Diego Gambetta und des Politologen Steffen Hertog. Schon der Titel verschlägt einem den Atem, und die quantitativen Erkenntnisse darin – umso mehr. Wenn auch nicht alle Terroristen einen Hochschulabschluss haben (z.B. die Täter der Attentate auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris haben nicht mal einen Schulabschluss), überwiegt unter den Hochschulabsolventen die Anzahl der Ingenieure: „Von 207 muslimischen Radikalen aus den muslimischen Ländern, deren Beruf bekannt ist, haben 93 (oder 44.9%) Ingenieurwesen studiert, im Vergleich zu 11,6% des Anteils der Hochschulabsolventen in der Gesamtbevölkerung. Von 71 muslimischen Radikalen, die aus dem Westen kommen und deren Hochschulbildung bekannt ist, haben 32 (45%) einen Ingenieur-Titel im Vergleich zu 16,2% des Anteils der Ingenieure unter den in Westen vergebenen Hochschulabschlüssen“ (unsere Übersetzung).

Die Autoren des Buches geben auch eine weitere interessante Statistik kund, die nachweist, dass zumindest für die arabische Welt die Aussage „Arbeitslosigkeit führt zum Radikalismus und Terrorismus“ widerlegt: von 497 Militanten in der muslimischen Welt haben 46,5% einen Hochschulabschluss – im Vergleich zur entsprechenden Quote für die Gesamtbevölkerung von 25,2%. Speziell für Ingenieure bedeutet das für die Autoren, dass nicht die soziale Situation als solche, sondern die Diskrepanz zwischen der eigenen hohen Erwartung und der ernüchternden Realität ihrer sozialen Situation zur Radikalisierung in diesem Feld führt.

Doch im Blog für kulturelle Fragen beschäftigt uns sicherlich in erster Linie die Frage nach der Berufskultur. Hat Hillary Clinton die Ingenieure am Beispiel von Mursi des linearen Denkens bezichtigt (http://www.interkulturell.eu/2014/unsere-antwort-an-hilary-clinton/), vermuten die Autoren des o.g. Buches, dass Denken in Formeln und nicht das ständige Hinterfragen des Vorgegebenen (wie in ihren Studienfächern) die Menschen leichter radikalisieren lässt. Klingt plausibel, zumindest für die Soziologen, doch für Ingenieure – eher beleidigend. In diesem „Kulturkonflikt“ gibt es ja kaum Zwischengänger, die beide Denkweisen miteinander vergleichen könnten, wie es sie hingegen zwischen den Ingenieuren und BWLern oder zwischen den Soziologen und Politologen gibt.

An eine Ausnahme muss ich dabei unwillkürlich denken: der Guru des Interkulturellen Managements Geert Hofstede wird für seine „mechanische und oberflächliche“ Ländervergleiche von „Kollegen“ heftig kritisiert. Und er muss das Geheimnis seiner professionellen Herkunft hüten. Denn bevor er seine Doktorarbeit in der Soziologie schrieb, wurde er als Schiffbau-Ingenieur ausgebildet. Damit wird es klarer, warum er es sich zum Ziel gesetzt hat die Kulturdimensionen so zu formulieren, dass der quantitative objektive Vergleich möglich wurde (www.geerthofestede.nl) – im Vergleich zu den qualitativen Kulturdimensionen seines Vorgängers, dem US-amerikanischen Soziologen und Anthropologen Edward T. Hall (www.edwardthall.com). Und vielleicht erklärt dies auch ein wenig, warum seine Kulturdimensionen – bei aller berechtigten wissenschaftlichen Kritik – so gut in der Praxis funktionieren, von den Praktikern (nicht nur Ingenieuren, sondern auch Medizinern, Managern und Juristen) angenommen und verwendet werden, und tatsächlich zur besseren Zusammenarbeit zwischen den Menschen verschiedenster Herkunft führt.

Doch auch für den hier vermuteten Kulturkonflikt zwischen dem Objekt des Buches und den Subjekten der Autoren hilft: die „Kulturelle Brille“ wenn nicht ablegen, dann aber wahrzunehmen, einander kennenzulernen, sich von verschiedenen Perspektiven nicht abschrecken zu lassen, sondern von ihnen zu profitieren.

Foto: Princeton University Press

Ingenieure, Soziologen und berufskulturelle Überlegungen

„Die Ingenieure des Jihad“ (Engeneers of Jihad) heißt das Buch des britischen Soziologen Diego Gambetta und des Politologen Steffen Hertog. Schon der Titel verschlägt einem den Atem, und die quantitativen Erkenntnisse darin – umso mehr. Wenn auch nicht alle Terroristen einen Hochschulabschluss haben (z.B. die Täter der Attentate auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris haben nicht mal einen Schulabschluss), überwiegt unter den Hochschulabsolventen die Anzahl der Ingenieure: „Von 207 muslimischen Radikalen aus den muslimischen Ländern, deren Beruf bekannt ist, haben 93 (oder 44.9%) Ingenieurwesen studiert, im Vergleich zu 11,6% des Anteils der Hochschulabsolventen in der Gesamtbevölkerung. Von 71 muslimischen Radikalen, die aus dem Westen kommen und deren Hochschulbildung bekannt ist, haben 32 (45%) einen Ingenieur-Titel im Vergleich zu 16,2% des Anteils der Ingenieure unter den in Westen vergebenen Hochschulabschlüssen“ (unsere Übersetzung).

Die Autoren des Buches geben auch eine weitere interessante Statistik kund, die nachweist, dass zumindest für die arabische Welt die Aussage „Arbeitslosigkeit führt zum Radikalismus und Terrorismus“ widerlegt: von 497 Militanten in der muslimischen Welt haben 46,5% einen Hochschulabschluss – im Vergleich zur entsprechenden Quote für die Gesamtbevölkerung von 25,2%. Speziell für Ingenieure bedeutet das für die Autoren, dass nicht die soziale Situation als solche, sondern die Diskrepanz zwischen der eigenen hohen Erwartung und der ernüchternden Realität ihrer sozialen Situation zur Radikalisierung in diesem Feld führt.

Doch im Blog für kulturelle Fragen beschäftigt uns sicherlich in erster Linie die Frage nach der Berufskultur. Hat Hillary Clinton die Ingenieure am Beispiel von Mursi des linearen Denkens bezichtigt (http://www.interkulturell.eu/2014/unsere-antwort-an-hilary-clinton/), vermuten die Autoren des o.g. Buches, dass Denken in Formeln und nicht das ständige Hinterfragen des Vorgegebenen (wie in ihren Studienfächern) die Menschen leichter radikalisieren lässt. Klingt plausibel, zumindest für die Soziologen, doch für Ingenieure – eher beleidigend. In diesem „Kulturkonflikt“ gibt es ja kaum Zwischengänger, die beide Denkweisen miteinander vergleichen könnten, wie es sie hingegen zwischen den Ingenieuren und BWLern oder zwischen den Soziologen und Politologen gibt.

An eine Ausnahme muss ich dabei unwillkürlich denken: der Guru des Interkulturellen Managements Geert Hofstede wird für seine „mechanische und oberflächliche“ Ländervergleiche von „Kollegen“ heftig kritisiert. Und er muss das Geheimnis seiner professionellen Herkunft hüten. Denn bevor er seine Doktorarbeit in der Soziologie schrieb, wurde er als Schiffbau-Ingenieur ausgebildet. Damit wird es klarer, warum er es sich zum Ziel gesetzt hat die Kulturdimensionen so zu formulieren, dass der quantitative objektive Vergleich möglich wurde (www.geerthofestede.nl) – im Vergleich zu den qualitativen Kulturdimensionen seines Vorgängers, dem US-amerikanischen Soziologen und Anthropologen Edward T. Hall (www.edwardthall.com). Und vielleicht erklärt dies auch ein wenig, warum seine Kulturdimensionen – bei aller berechtigten wissenschaftlichen Kritik – so gut in der Praxis funktionieren, von den Praktikern (nicht nur Ingenieuren, sondern auch Medizinern, Managern und Juristen) angenommen und verwendet werden, und tatsächlich zur besseren Zusammenarbeit zwischen den Menschen verschiedenster Herkunft führt.

Doch auch für den hier vermuteten Kulturkonflikt zwischen dem Objekt des Buches und den Subjekten der Autoren hilft: die „Kulturelle Brille“ wenn nicht ablegen, dann aber wahrzunehmen, einander kennenzulernen, sich von verschiedenen Perspektiven nicht abschrecken zu lassen, sondern von ihnen zu profitieren.