Polnische Frauen

Liebe Damen und Leser aller Geschlechter,

im März letzten Jahres habe ich mit einer Serie von Kurzberichten angefangen, die dem Internationalen Frauentag in unterschiedlichen Ländern gewidmet ist. Und bekam viel Lob und Dank für die Geschichte über chinesische Frauen, auch von jenen, die vom 8. März an sich nicht viel halten. Also setze ich die Serie fort und widme diese Ausgabe, wie geplant, den polnischen Frauen.

Doch bevor ich zu den Interviews mit lebenden Frauen komme, möchte ich über zwei Frauen berichten, die in der Frauenbewegung Ikonen-Status haben und in Polen geboren sind.

Als nur eine von sieben Frauen, die den Nobelpreis erhielt und die einzige Frau (neben drei Männern), die den Nobelpreis zwei Mal bekommen hat, ging Marie Curie in die Geschichte ein (im Jahre 1903 Nobelpreis in Physik und dann im Jahre 1911 in Chemie). Übrigens, kurz nach ihrem Tod bekam auch ihre ältere Tochter Irene in 1935 den Nobelpreis für Chemie. Marie Curie wurde als Marie Skłodowska in 1867 in Warschau geboren. Zum Studium ging sie nach Paris, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Pierre traf. Nach seinem Tod bei einem Autounfall im Jahre 1906 trug sie wieder ihren Mädchennamen, wobei sie von der französischen Presse für ihre polnische und angeblich jüdische Herkunft drangsaliert wurde. Zunächst wurde die romantische Liebe im Labor zwischen Marie und Pierre sarkastisch thematisiert. Doch richtig aufgebracht war die gelbe Presse, als ihre Affäre als verwitwete Mutter zum jüngeren Kollegen, ebenfalls einem Professoren, bekannt wurde. Das alles belastete Curie sehr, wobei sie in ihren Briefen an die Familie in Polen nur heile Welt präsentierte und auch als erfolgreiche und weltbekannte Frau mit größten Respekt an Eltern und Tanten schrieb.

Aus heutiger Sicht kann Marie Skłodowska als DAS Beispiel für die emanzipierte Frau gehalten werden: extern erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, welche die Entwicklung beider Töchter ernst nahm und von ihnen respektiert wurde und auch als Frau, die ihr privates Glück der konservativen Öffentlichkeit zuliebe nicht opferte.

Von so viel persönlichem Glück und Anerkennung kann unsere zweite Heldin vielleicht nicht sprechen, doch ihr Bekanntheitsgrad ist noch höher: Rosa Luxemburg. Sie wurde in der polnischen Provinz in Zamość, unweit von Lublin, geboren. Als Rosa zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Warschau, wo Rosa ein russischsprachiges Gymnasium besuchte. Wegen oppositioneller Gesinnung bekam Rosa keine Goldmedaille trotz bester Noten und musste schon mit 18 Jahren das zaristische Polen verlassen und zunähst in die Schweiz und dann nach Deutschland gehen. Der Rest ist – Geschichte! Ich persönlich würde sehr gerne erfahren, ob sie Deutsch mit Akzent sprach, lernte sie doch die Sprache erst auf dem Gymnasium und schrieb zeitlang Briefe auf polnisch mit russischen Anmerkungen oder Ansprachen (z.B. an Kolja Zetkin, dem Sohn der älteren Freundin und Kollegin Clara).

Auf eine wundersame Weise ist meine Freundin, Wirtschaftsprofessorin in Deutschland, mit beiden Frauen verbunden: Sie besuchte in Polen die Schule namens Marie Skłodowska und… wusste nicht, dass Rosa Luxemburg aus Polen stammt. Der internationale Frauentag ist für Lisa zunächst einmal Nostalgie. Sie muss dann an die Schulzeit zurückdenken, an die verkrampfen Jungs, die den Mädchen Lieder singen und Blümchen (meist Nelken) überreichen mussten, was zur allgemeinen Verwirrung und noch mehr Verkrampfung führte. Aus ihrer Sicht stand der Feiertag in Polen unter dem Einfluss der Sowjetunion und wurde nur halbherzig gefeiert, zudem war es kein offizieller Feiertag wie in Russland. Aktuell würde sie eine Zweiteilung der polnischen Gesellschaft in dieser Frage sehen: in den gebildeten Familien sind Frauen gleichberechtigt und stark, in weniger gebildeten Familien haben immer noch die „Machos“ das Sagen.

Apropos Frau, auf Polnisch „Kobieta“. Unter diesem Namen gründete und baute sieben Jahre lang eine Frau aus Stettin praktisch aus ihrem Wohnzimmer ein Online-Magazin auf, das bei Frauen jeden Alters in Polen bekannt und geliebt war. Mehrmals kam Gosha nach Berlin, um hiesige Trends anzuschauen und sich mit ihren Leserinnen im polnischen Berlin zu treffen, z.B. im einzigen deutsch-polnischen Rotary Club in Deutschland. Wie es der Zufall will, hat dieser Club die höchste Frauenquote bundesweit (57%) und wird aktuell von einer Frau als Präsidentin geführt.

Gosha von Kobieta widmet sich nun, nach dem erfolgreichen Verkauf ihrer Kobieta an Burda Media Polska, ganz und gar den karitativen Projekten und kommt seitdem seltener nach Berlin. In ihrem Gruss an Sie wünscht sie uns hier mehr Mut zur Farbe.

Und apropos Farbe, farbenfroh und energiebeladen sind die Portraits der polnischen Künstlerin Tamara de Lempicka, geborenen Gorska. Mit ihrem Portrait von Frau Bush aus dem Jahre 1929 schließe ich diesen Bericht.

Im nächsten Jahr blicken wir dann gemeinsam nach Italien. Alla prossima! Ihre,

Irina Slot

Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends

Venn-Diagramm von Irina Slot

Auszug aus dem Essay „Lost in Globalization, found in Diversity“

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzten Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt, wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von der abgehobenen Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends“ weiterlesen

Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung

Am 5. Juni, dem sogenanten Diversity Day, veranstaltete IKWW einen Braun-Bag-Workshop in der Ausstellung der Daimler-Foundation in Berlin. Unter Visions of Exchange wurden Arbeiten von fünf deutschen und sechs japanischen Künstlern präsentiert, die am Austauschprogramm der Daimler-Foundation teilnahmen.

Unsere Lernaufgabe war zu erraten „Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung“ weiterlesen

Sieben Tage, sieben Jahre

IMG_0174Dieser Blog, liebe Leserin, lieber Leser, feiert diese Woche seinen siebenjährigen Geburtstag. Es ist zwar kein Jubiläum im engeren Sinne des Wortes, dennoch ein Anlass, eine Zwischenbilanz zu ziehen und auch über die symbolische Bedeutung dieser Zahl nachzudenken.

Sieben Tage der Woche sind ein Rhythmus, in dem die meisten Kulturen leben. Der siebte Tag als Tag der Ruhe, der Zuwendung zum Göttlichen, variiert zwar von Religion zu Religion zwischen Freitag, Samstag und Sonntag, doch sieben Tage bleiben als eine Mikroeinheit der Lebenszeit. Wahrscheinlich hängt es mit der Lunation zusammen – dem vollen Zyklus des Mondes aus unserer Sicht der Erde, der vier solcher Einheiten durchläuft. Und somit an das kosmische Geschehen, jenseits der kulturellen Grenzen, angedockt ist. Andererseits spielt die Zahl sieben auch auf der psychologischen Ebene eine Rolle: Die von John Locke entdeckte und nach George Miller benannte Millersche Zahl  beschreibt die Beschränkung des Kurzzeitgedächtnisses in sieben Einheiten. Deswegen sollen die Organisationsstrukturen nicht mehr als sieben Ebenen beinhalten und die Teams nicht mehr als sieben Mitglieder haben. Letzteres kann ich tatsächlich bestätigen, und zwar aus Beobachtung der Gruppenübungen oder Lernteams von Teilnehmern (z.B. Studierenden) aus verschiedensten Ländern: übersteigt die Zahl der Gruppe die magische Sieben, zerfällt die Gruppe in ihrem Wirken in mindestens zwei Untergruppen. Also wäre das ein psychologisches Phänomen, ebenfalls jenseits der kulturellen Grenzen.

Und dazwischen liegen sieben Berge, wo die sieben Zwerge leben und eben keine sieben Drachen hinter sieben chinesischen Mauern. Symbolisiert die Sieben in Europa das Glück, klingt sie im chinesischen wie „fortgegangen“ und hat eine neutrale bis negative Bedeutung.

Und was hat sich in meinem Blog in sieben Jahren getan? Sind die 41.711 Aufrufe viel oder wenig? Und weil die Zahlen eben so „relativ“ sind, schauen wir lieber auf die Themen des Blogs. Von russischen Business-Frauen im Mai 2010 bis zu vielfältigen (u.a. nach Herkunft und Gender) Teams als Innovations-Ressource. Also vom Gender- und Länderspezifischen zum Universellen. Zufall? Wahrscheinlich, korrespondiert aber zu schön mit den vorhergegangenen Überlegungen zur Zahl sieben.
Dann auf die nächsten – mindestens – sieben Jahre. Mit Ihnen und Dir, mein Leser und meine Leserin!

Innovation & Diversity


Dear English speaking reader, you can find my blog in English here:

In einer Unternehmensumfrage zum Stand der Diversity stellte 2016 „Charta der Vielfalt“ die Frage nach dem Nutzen der Diversity. Abgesehen davon, dass diese selbsternannten Kämpfer für die Vielfalt in Unternehmen, selbst als Verein oft ausschließlich Männer unter den Experten auf dem Podium haben, die keinen zumindest sichtbaren Migrationshintergrund haben (Beispiel hier), scheint die Broschüre mit den Ergebnissen der Studie eine Plattform für die Werbung der zahlenden Unternehmen des Vereins zu sein. Dementsprechend fallen die Ergebnisse positiv für die Unterzeichner der Charta  im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt aus.

Doch zurück zu dem Nutzen der Diversity. Neben der Kategorie „Personalressourcen besser nutzen“ oder „Den Zugang zu Teilmärkten erleichtern“ gibt es diejenige namens „Innovation und Kreativität durch Vielfalt fördern“. Der kritische und aufmerksame Leser fragt sich „Wieso? Ist euch ein homogenes Team nicht gut genug? Gefährdet man nicht die Harmonie im Team durch Konflikte und Missverständnisse, die sich aus der Vielfalt ergeben?“

Ja, die Harmonie ist dann wahrscheinlich tatsächlich hin. Und das ist auch gut so! (Wie schon unser damaliger homosexueller Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit in diesem Zusammenhang sagte. Die Professorin der Uni Stuttgart Meike Tilebein spricht vom Spannungsfeld der Diversität als Konfliktherd. Und ein Herd ist eigentlich etwas Gutes, nicht wahr? Das ist die Energie, die zum Kochen der Speisen genutzt wird und nur beim falschen Gebrauch Feuer auslöst. Das heißt, die – wohl unvermeidliche – Spannung im heterogenen Team kann als Ressource für innovative Zusammenarbeit dienen, wenn die „Betriebsanweisung“ sprich Spielregeln der Teamarbeit festgelegt werden. Und das möglichst VOR dem Gebrauch, auf ein Projektteam übersetzt – in einem Kick-Off Meeting zur Beginn des Projektes.

Der Professor der Columbia University David Stark geht in seinen Untersuchungen ein Stück weiter und stellt fest, dass die Vielfalt in Teams nicht nur innovative Kraft bedeutet, sondern auch als Instrument für Fehlervermeidung fungiert. Hier ist der Link zum Buch und hier ist der Link zu meinen Thesen, die sich aus dem Buch ergeben.

Die Vielfalt im Team kann nicht nur durch kulturelle Vielfalt, Gender oder verschiedene Generationen entstehen, sondern auch durch kognitive Vielfalt (z.B. unterschiedliche Berufskulturen) oder funktionale Vielfalt (z.B. unterschiedliche Aufgabenfelder, „Subkulturen“ im Unternehmen, verschiedene Organisationskulturen) „erzeugt“ werden. Auch diese Vielfalt kann als Störungsfaktor aber auch als Innovations- Ressource genutzt werden, z.B. beim Anwenden von Design Thinking. Das könnten wir bereits in vielen Workshops mit dieser Methode feststellen. Und neben den spannenden Lösungen für unterschiedlichste Fragestellungen oder Produkt- und Service-Innovationen den Teilnehmenden das Erkenntnis vermitteln: „Vielfalt ist nervig. Und das ist auch gut so!“ Denn beim richtigen „Gebrauch“, sprich Management, bringt sie Innovation, Effizienz und – wie man auf dem Bild sieht – Freude!

Chinesiche Frauen

Liebe Damen und Leser aller Geschlechter,

wohlwissend, dass der internationale Frauentag nicht von allen (Männern und Frauen) in Deutschland gefeiert wird, nehme ich es zum Anlass, über die Rolle der Frau in verschiedenen Ländern etwas zu lernen, also das Interkulturelle im Gender-Kontext zu beleuchten.

Angedacht dazu ist eine Serie von Kurzberichten, die auf Interviews mit Frauen aus den entsprechenden Ländern kommen oder dort leben, basieren. Und beginnen möchte ich mit China. Denn China steht im Fokus der aktuellen Politik und Wirtschaftspolitik. Im letzten Jahr mussten wir uns hier in Berlin nolens-volens der Panda-Charme-Offensive unterlegen. Und in diesem Jahr führe ich eine Studie durch, welche die Konsequenzen der Strategie „Made in China 2025“ für europäische Unternehmen untersucht.

Der achte März ist in China kein Nationalfeiertag, doch es sei üblich, am späten Vormittag den Frauen dazu zu gratulieren und ihnen ab Mittag frei zu geben, – berichtet eine 30-jährige Dame, die für ein Deutsches Unternehmen in China im Controlling tätig ist. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Insbesondere für die MBA’s ist dieser Tag sehr bedeutsam“. Als MBA werden unter den jungen chinesischen Frauen Manager aus Westeuropa und den USA genannt, wobei diese Abkürzung dann nicht für Master of Business Administration, sondern für Married But Available steht. Und am 8. März wird erwartet, dass nicht nur Blumen und Süßigkeiten, sondern Parfum und Schmuck den chinesischen Geliebten geschenkt wird.

Dieses Phänomen ist bestimmt nicht lustig für die Ehefrauen der MBA’s daheim, doch – so berichtet eine ehemalige Studentin von mir – gehört zunehmend der Vergangenheit an. Sie stammt aus einer Provinz im Nordwesten des Landes, studierte in Polen und Deutschland und gründete ein Unternehmen in Berlin und eines in Shanghai. „Wir wollen uns nicht mehr als Porzellanpuppen verkaufen!“ Sie gehört zu einer selbstbewussten Generation von selbstständigen Unternehmerinnen, die dank dem Cluster-Denken von großen chinesischen Konzernen wie Alibaba, zum enormen Erfolg – auch als kleine Firmen (meine Interviewpartnerin arbeitet mit zwei weiteren Partnerinnen zusammen) gelangen können: „Die innovativen Branchen sind voll von jungen, gut ausgebildeten Frauen, weil wir gute Ausbildung mit flexiblem Denken vereinen. Aber auch unsere Mütter haben immer gearbeitet, und zwar engagiert, wobei die Hauptlast der Hausarbeit doch bei ihnen lag. Und deswegen denke ich noch gar nicht an Kinder, außerdem habe ich durch die Lockerung der 1-Kind-Politik, insbesondere bei uns auf dem Lande, schon zwei Neffen!“

Eine Lehrerin, die selbst der angesprochenen Generation angehört, feiert selbstverständlich jedes Jahr den 8. März als wichtiges Zeichen der Befreiung der Frauen in China: „Es gab schon immer das chinesische Sprichwort, dass die Frauen die Hälfte des Himmels tragen, aber nach 1949 hießt es bei uns, dass die Frauen die Hälfte des Himmels auch tragen dürfen“. Die Anspielung auf 1949, also die Proklamierung der Volksrepublik China, lässt bei meiner Ansprechpartnerin eine Anhängerin des Mao erahnen. Doch in der Tat sah sich Mao als der wahre Sohn von Lenin und schloss sich seiner emanzipatorischen Ideologie und Gesetzgebung an.

Die Betreiberin eines Tee-Salons in Hong-Kong gehört zwar nicht zu den Maoisten, doch sieht sie keine negativen Entwicklungen für Frauen im Prozess der zunehmenden Kontrollübernahme des öffentlichen Lebens in Hong-Kong durch China: „Die Frauen, die vom Festland kommen, haben auch Eier, wie wir hier!“. Ihr Geschäft führt die Familie seit sechs Generationen, immer von Mutter an die Tochter vererbt. – „Auch meine Tochter wird nach dem Studium zurückkehren und dieses Geschäft weiterführen. Aber auch sie hat schon eine Tochter und ein eigenes Unternehmen, das Tee-Utensilien online vertreibt. Übrigens erzählt sie, dass die Teezeremonie in Japan bis jetzt nur Herren der Schöpfung vorbehalten ist. Deswegen schmeckt unser Tee auch besser!“

Es scheint, dass das deutsche Sprichwort „Abwarten und Tee trinken“ ins Chinesische zwar übersetzbar ist (等着喝茶) aber nicht zur den Denkformeln der chinesischen Frauen heute gehört.
女人是天空的一半 – Frauen gehört die Hälfte des Himmels -? Mindestens!
Alles Gute zum Frauentag!

Ihre
Irina Slot

Der magische Eisberg

Eisberg, schon wiederEisberg, wird der aufmerksamer Leser (w/m) meines Blogs sagen, beschäftigte ich mich doch ausgiebig mit diesen „großen, im Meer schwimmenden Eismassen“ (Wikipedia) und entwickelte sogar ein Zwei-Eisberg-Modell, das die Interaktion zwischen zwei verschiedenen Kulturen symbolisch darstellt.

Doch ich halte eine Überraschung für Sie bereit und bespreche heute den Artikel über die Eisberge aus der Männer-Zeitschrift Men’s Health. In der letzen Ausgabe ging es nämlich um Eisberge. Nein, nicht um Sex auf dem Eisberg und nicht über Sixpack in Form eines Eisbergs, sondern um die psychologische Wirkung eines Eisbergs aufs Gemüt. Das Interview mit einem männlichen Psychologen, Dr. Burkhard Peter, wird mit seinem Zitat betitelt: „Auch das Bild eines Eisbergs kann schon abkühlen“. Darin geht es um die Macht der Gedanken, die visuell sehr stark unterstützt werden können. Schon ein Foto vom Eisberg auf der Wand in dem Büro kann in einer Stresssituation helfen, kühlen Kopf zu bewahren und insgesamt cool drauf zu sein.

Einverstanden! Und dann vielleicht ein Bild, das zwei Eisberge darstellt, als Erinnerung an das cultural clash bei Kultur-Kollisionen, das vorwiegend unter der Wasseroberfläche stattfindet. Und als „Ermahnung“, den Link zwischen den sichtbaren Aspekten der Kultur (z.B. Begrüßungsritual Handschlag) und den verborgenen Werten und Denkweisen (z.B. Respekt, Aufrichtigkeit) immer wieder zu hinterfragen.

Und ich gehe mit gutem Beispiel voran, in dem ich die Männerzeitschrift lese. Denn nicht nur ganz klassisch bei Herkunftskulturen geht es um schnelles, automatisches Urteilen, auch bei Berufskulturen, Organisationskulturen, Gender- und Generationskulturen unterscheidet sich oft das, was wir wahrnehmen (im oberen Teil des Eisbergs) und interpretieren (Blick auf unteren Teil des Eisbergs von unserem Eisberg her) von dem, was im unteren Teil des Eisbergs tatsächlich ist. In dem Beispiel einer Feministin und dem Men’s Health Magazin: sexfixierte Machos auf dem Cover eines Männermagazins können als Möchtegern Alfa-Tiere verurteilt oder als nettes Wesen, das anderen gefallen will und dabei den weichen Kern schützen muss, verstanden werden.

Und auch wenn Sie meiner Interpretation nicht folgen wollen oder können, folgend meinem Beispiel in Punkto Neugierde: diese Kompetenz ist für mich die Ur-Interkulturelle-Kompetenz. Und lesen Sie mal die Zeitschrift oder die Zeitung, die ganz anderes ist als Ihre normale Lektüre: also statt „Die Zeit“ mal „Das Bild“ und statt Men’s Health mal Cosmopolitan.

Soweit die Lektüre-Vorschläge für den Rest vom Sommer,

Ihre Irina Slot

Zwei Männer, die den Frauentag verschönern: Edward Hall und Zaher Halwani im Berlinskij Salon am 8. März

zaherMeine Gäste und ich hatten dem Mediziner Zaher Halwani viel musikalischen Genuss (arabische Musik, Debussy und Bach) zu verdanken. Interessante Einblicke in die fast medizinische Geschichte des Entstehens der letzten Werke von Claude Debussy und ungeahnte Wege von orientalischen Melodien über Spanien und Italien zu DEM europäischen Komponisten Johann Sebastian Bach haben seine Kollegen (unter den Gästen hatten wir sowohl Ärzte als auch Musiker) überzeugt und fasziniert.

Diese fachübergreifende Betrachtung bestätigte sehr anschaulich die These von der innovativen Kraft der kognitiven Vielfalt. Aber auch ich mit meinem Fach Interkulturelle Kompetenz kam „auf meine Kosten“: denn die Ausführungen von Zaher zur arabischen Tonleiter, die nicht nur halb- (wie in der europäischen „Harmonie“), sondern auch Vierteltöne beinhält, korrespondiert wunderbar mit der Theorie von Edward Hall über die „Zwischentöne“ in der Kommunikation von einigen Kulturen, z.B. arabischen oder russischen (mehr dazu s. unten).

Und als zum Tee die russische Süßspeise asiatischer Herkunft Halwa serviert wurde, kam es zu noch einer Überraschung: Der Name meines Gastes Halwani beinhält genau dieses „Halwa“ als das arabische Wort für das „Süße“ und bedeutet direkt übersetzt „Süßmacher“!

 

Auszug aus meinem Aritkel Balint- Zeitschrift (Thieme-Verlag 2014)

Ein Klassiker von Edward Hall ist die Kulturdimension, die sich unmittelbar auf die verbale Kommunikation bezieht: low context vs. high context orientation. Je nach dem Land ihrer Sozialisierung neigen die Menschen zu einer eher direkten Kommunikation, in der Dinge beim Namen genannt werden und der „Sender“ möglichst alle Informationen zum Ausdruck bringt oder, auf der anderen Seite der „Scala“, zu einer indirekten Kommunikation, in der im eigentlich Gesagten implizit weitere Botschaften gesendet werden und unbewusst davon ausgegangen wird, dass der Empfänger die Dekodierung der vom Sender geäußerten Botschaft beherrscht. Ein extremes Beispiel dafür gab mir ein russischstämmiger Psychiater in einem interkulturellen Workshop für ausländische Ärzte: Die Phrase auf Russisch „Irgendwie wird es kälter“ bedeutet nicht mangelhafte Heizung oder kaltes Wetter, sondern eine Einladung zum Umtrunk. Ein Außenstehender hat keine Chance, diesen Code, der sich aus der allen Russen bekannten Fortsetzung eines Volksreims ergibt, richtig zu interpretieren. Doch im medizinischen Alltag gibt es viel mehr versteckte Botschaften, die vom Arzt dekodiert wer- den müssen, weil sie für die Diagnose und die Behandlung eben notwendig sind. Besonders in der Konstellation deutscher Arzt – ausländischer Patient sind Missverständnisse zu erwarten, wird doch die deutsche Kommunikationskultur von Hall und seinen Nachfolgern als eine der direktesten in der Welt eingeschätzt.
Was tun? Ganz einfach – Nachfragen! Immer, wenn der Arzt das Gefühl hat, in umschreibenden, unklaren Aussagen zu versinken, immer wenn die Übersetzung nicht klar ist (wenn der Dolmetscher lediglich die Sprachen beherrscht und nicht das kulturrelevante Übersetzen), immer wenn seine Fragen ausweichend oder gar nicht beantwortet werden – Nachfragen! Hier darf keine falsche Höflichkeit eine Rolle spielen – ein Arzt braucht seine Informationen und wenn er aus einer anderen Kultur kommt und die Codes der Kultur der Patienten nicht kennt, muss er eben nachfragen. Nebenbei wird dadurch dem Dolmetscher bzw. dem Patienten signalisiert, dass sie sich in dieser Situation klarer ausdrucken sollten. Das Risiko, der Arzt wird als „penetranter Langweiler“ in Verruf geraten, muss hingenommen werden, am Ende geht es um das Wohl des Patienten. Und wenn die kontextbeladenen Ausführungen zu lang werden? – mit Nachfrage unterbrechen. Denn den Sprechenden zu unterbrechen ist nicht in allen Kulturen tabu, wie im Folgenden dargelegt wird (im Folgenden Text, den ich hier in Zusammenhang mit Verlagsrechten nicht veröffentlichen darf, geht es um Thema Monochrone vs. polychrone Kulturen)

Steve Jobs, Rosa Luxemburg und Kostja Zetkin: Kalenderblatt mit roten Rosen

Der internationale Frauentag naht. Bald wird die SPD auf den Straßen und in Supermärkten rote Rosen verteilen. Das ist einerseits ein Zeichen der Frauengleichberechtigung in der Partei (z.B. sind die Reden- und Diskussionsbeiträge so reglementiert, dass Frauen immer zum Wort kommen. Und dass Angela Merkel schon wieder einen männlichen Widersacher hat, hat nicht mit fehlender Kraft sondern mit fehlendem Interesse von Hannelore Kraft zu tun).

Die roten Rosen zum 8. März sollen auch an zwei moderne und zutiefst emanzipierte SPD-Grandes-Dames Klara Zetkin und Rosa Luxemburg erinnern, die auch privat weit vor ihrer Zeit waren: Klara Zetkin führte lebenslange wilde Ehe mit Ossip Zetkin, Rosa Luxemburg – eine mehrjährige Liebesbeziehung mit dem 14 Jahre jüngeren Kostja Zetkin, dem Sohn der älteren Freundin und Mitstreiterin Klara.

Die rote Rose als Symbol für den 8.März passt aber nicht so recht zur Bedeutung des 8. März hierzulande. Denn nicht die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung forderte Hildegard Knef in ihrem Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, sondern „alles oder nichts“! Und klar, stehen rote Rosen für leidenschaftliche Liebe und erhabene Verehrung (Hier bewusst KEIN Link zur Telenovela im ARD „Rote Rosen“!). Und tatsächlich ist der internationale Frauentag in sehr vielen Ländern der Tag der Frau, der Liebe und der Verehrung zu ihr. Mehr dazu finden Sie hier.

Doch wie so oft lassen Symbole nicht nur eine oder zwei Interpretationen zu: verbindet doch manch einer aus Silicon Valley rote Rosen mit Steve Jobs. Seine minimalistisch eingerichtete Arbeits- und Lebensräume sind legendär (und können in jedem Apple-Store nachempfunden werden), doch sein Leben lang hatte er immer an all seinen Schreibtischen eine Schnittblume stehen. Eine rote Rose.