Symbole und ihre Interpretationen

Fotorechte: M. Menez

Symbole und ihre Interpretationen

Das Wort „Symbol“ kommt aus dem Altgriechischen „Symbolon“ – Bedeutungszeichen. Und da haben wir schon zwei Aspekte – das Zeichen und seine Bedeutung – miteinander verbunden, ja verwoben. Ein Regenschirm ist zum Beispiel, neben seiner eigentlichen Funktion, den Menschen vor dem Regen zu schützen, kann als Symbol wirken. Der Protest in Hongkong gegen die Einverleibung durch China, der in 2014 zu einer Bewegung aufwuchs und 2019 aus dem Anlass der Auslieferungsgesetze nochmals aufflammte, nutzte Regenschirm zunächst in seiner Funktion als Schutz vor Wasser, dann auch als Symbol. Ein eigenes Piktogramm zeigt einen Regenschirm auf gelbem Hintergrund.

Leicht irritiert – weil diese Interpretation zur Atmosphäre, zum Kontext nicht passte – spazierte ich neulich in der Altstadt von Montpellier unter vielen aufgehängten Regenschirmen (s. Foto). Doch das war kein Zeichen des Protestes, sondern ein Zeichen des Willkommens und der Weltoffenheit. So zumindest die Aufschrift auf dem Straßenbelag. In diesem Spannungsfeld zwischen dem Zeichen oben und der Erklärung unten, musste ich mein Interpretationsschema neu justieren und dabei feststellen, dass noch ein Symbol im Spiel war, was eine zusätzliche „falsche“ Bedeutung vorgaukelte: jene Farbe, die sonst die Telekom für sich beansprucht.

Ob der Farbenton des deutschen Konzerns Telekom, der als Marke geschützt ist, 100% der Farbe der Werbeaktion der Stadtverwaltung dieser französischen Mittelmeermetropole entspricht, können Gerichte entscheiden. Doch für die Interpretation dieses Symbols ist entscheidend, dass ich als potentielle Kundin beider Organisationen diese zum Verwechseln ähnlich fand.

Apropos, Farben. Goethe beschäftigte sich sehr viel mit Farben, jedoch nicht in ihrer symbolischen, sondern tatsächlichen Wirkung. So sind die Farben der Wände in seinem Haus in Weimar streng nach den von ihm aufgestellten Gesetzen normiert. So zum Beispiel, sind die Wände in seinem Arbeitszimmer dunkelgrün, um Konzentration und Ruhe zu fördern. Doch ist sein Werk reichlich mit Symbolen bestückt, z.B. das Licht als Symbol für Erkenntnis.

„Erleuchtet“ als Metapher würde wunderbar dazu passen. Andererseits, sind Metaphern überhaupt wunderbare Bilder, welche die Bedeutung von einem Objekt oder Subjekt auf ein anderes Objekt oder Subjekt übertragen (das Wort „Metapher“ kommt aus Altgriechischen, wo es tatsächlich „Übertragung“ bedeutet). Und dann ist es nicht nur ein Schmuckstück, sondern das Instrument, durch die Wirkung der Symbole eine (neue) Bedeutung zu transportieren. Es macht schon den Unterschied, eine Art der Artillerie als Schutzschirm zu bezeichnen.

Und da sind wir ganz nahe zum Begriff der Symbolpolitik. Somit wird die Politik bezeichnet, die nicht wirklich etwas ändern möchte, sondern nur symbolisch wirkt. Doch was heißt hier „nur“? Wenn mit solcher Politik potentielle Wähler erreicht sind, hat die Politik ihren Zweck doch erreicht!

Und wie schwer das ist, Symbole und ihre Interpretationen von einander zu halten, darf ich immer wieder im Unterricht erleben. Denn Symbole und Rituale in einer Kultur sind durch Stereotype mehr oder weniger fest mit ihrer Bedeutung verbunden. Liegt da ein „Übersetzungsfehler“, ist ein kulturelles Missverständnis vorprogrammiert. Und somit wird die Frage „Ist das denn tatsächlich so oder ist es nur meine Interpretation?“ zum ersten Schritt im interkulturellen Konfliktmanagement.

Also lassen wir uns nicht von den Symbolen „blenden“, sondern ihre Wirkung auf uns immer wieder hinterfragen.

Nun fehlt mir noch der Punkt als Symbol des Endes dieses Blogbeitrages. Doch diesmal möchte ich es mit einem Semikolon beenden, als Zeichen des Weiter-Forschens, Weiter-Lernens, Weiter-Lesens. Ganz nach Goethes Faust: „Weiter, immer weiter“;

Heute im Blog: Herbstliche Grüße mit Blumen von Liebermann und Hofstede

wp_20160910_12_16_23_proGestern habe ich mich vom Sommer im Sommerhaus des Malers Max Lieberman in Berlin Wannsee verabschiedet. Das Haus ist bekannt für seinen Garten, den der Künstler selbst angelegt und in unzähligen Bildern verewigt hat.

Das Bild des spätsommerlichen Blumenbeets (s. Foto) erinnerte mich an den Artikel meines Lehrers und Mentors Geert Hofstede „Multilevel Research of Human Systems: Flowers, Bouquets and Gardens“. Es geht um verschiedene Ebenen der „Menschlichen Wissenschaften“ Psychologie, Anthropologie und Soziologie. Und jawohl, ein wenig um Rechtfertigung seines Ansatzes, das kulturelle Programmieren durch das Land und die Familie, wo ein Individuum aufgewachsen ist, zu untersuchttp://www.geerthofstede.nl/prehistory-of-culturehen und um sein Appell, diesen Einfluss nicht zu vernachlässigen – egal wie weit die geografischen und biografischen Bewegungen in der globalisierten Welt ausgeprägt sind. Der Vergleich des Ökosystems des Gartens (Kultur des Landes) und seinen Einflusses auf die Blume (Individuum) leuchtet auch umgekehrt ein: Die einzelnen und so unterschiedlichen Blumen machen gemeinsam den Garten aus. Jede von ihnen einzeln betrachtet oder im Strauß gebunden (Organisationskultur) lässt nicht sofort ahnen, aus welchem Garten sie stammt, doch ein Teil von ihr ist durch den Boden, die Luft und die anderen Blumen in Blumenbeet bestimmt und durch sie nachhaltig „programmiert“.
Dementsprechend sollte nicht der kulturelle Einsatz den individuellen Einsatz und umgekehrt ausschliessen, sondern sich gegenseitig ergänzen. Wie im Garten von Lieberman an einem schönen Spätsommer-Samstag.

Jetzt im Blog: „The Sense of Dissonance“ _ Generationskulturen, Berufskulturen und Innovation

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete damals als Außenministerin der USA Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzen Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von abgehobener Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Die Jungen laufen schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung“, pflegte Ursula von den Leyen zu sagen, als sie noch Arbeitsministerin war. Klingt smart und sympathisch, wurde auch immer gut vom Publikum angenommen, in dem nur wenige Vertreter der Y-Generation zu sehen waren. Diese machen sich wiederum lustig über diese ewig jungen, agilen und allgegenwärtigen Alten: „Sie können echt nicht loslassen! Und warum müssen sie immer anwesend sein, um ihren wertvollen Beitrag zu leisten?“ Doch auch diese unterschiedlichen Denkweisen sind zu „managen“, indem die Führungskraft – unabhängig vom eigenen Alter – alle Akteure wertschätzend miteinander vernetzt und ihre Zusammenarbeit moderiert. Die eigentliche Kunst besteht gerade darin, die kulturell bedingten Spannungen als etwas ganz natürliches anzusehen und daraus eine neue Form des Zusammenwirkens entstehen zu lassen – über alle Silos und Gräben hinweg.

Der amerikanische Soziologe David Stark (beschreibt in seinem Buch „The sense of dissonance“ seine Untersuchungen von Innovationen, die zu einem wirtschaftlichen Erfolg geführt haben. Eines der Untersuchungsobjekte sind Computerspiele, und zwar seit ihrer Entstehung vor 30 Jahren. Er legt den Fokus seiner Studie auf die Autorenteams und kommt zu dem Ergebnis, dass neue und erfolgreiche Produkte dann – und nur dann – entstanden sind, wenn die Teammitglieder verschiedene kognitive Schwerpunkte hatten. Er geht noch weiter und stellt auch die qualitative Verbindung zwischen der kognitiven Diversität und der Innovation her: je größer die kulturelle Distanz zwischen den Teammitgliedern, z.B. durch verschiedene Studienfächer ist, umso höher ist die Spannung im Team, und umso höher ist die Innovation.

Das würde bedeuten, dass die Harmonie im Team nicht nur nicht erforderlich ist, sondern sogar kontraproduktiv sein kann. Eine historische und umfangreiche Untersuchung der monetären Fehler in der Stadtverwaltung von New York City bringt Stark ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sie immer dann entstanden sind, wenn ausschließlich eine Herkunft oder nur ein Geschlecht mit der Aufgabe betraut war. Noch bevor Diversity ein Modebegriff wurde, hat sich deswegen die Stadtverwaltung von New York City in den 80ern entschieden, die Controller-Teams sowohl in Bezug auf ihre Herkunft als auch in Bezug auf ihr Geschlecht „bunt“ zu besetzen. Der Autor der Studie sieht darin seine These bestätigt: eine gewisse Spannung ist Garant für ein produktives Arbeiten. Und wie diese produktive Spannung für Innovation produktiv zu nutzen ist, lesen Sie in der Broschüre von Irina Slot „Thesen zur Globalisierung“ Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu). (Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu).

Foto: Prof. Stark „The Sense of Dissonance“, Princeton University Press, 2011The Sense of Dissonance

Wirtschaft wird mit WIR geschrieben

 

Zugegeben, aus dem aktuellen Anlass der krampfhaften Regierungsbildung beginne ich meine Überlegungen zum Wort WIR mit dem Zitat von Franz Müntefering aus dem Jahre 2014: „Opposition ist Mist. Lasst das die Anderen machen – Wir wollen regieren!“

Spannend finde ich in diesem Spruch vor allem die „Opposition“ von WIR und DEN ANDEREN. Doch das hat mit Franz Müntefering nicht zu tun, auch nicht mit dem Politischen oder gar Kulturellem. Linguistische Forschung zeigt, dass diese „Dichotomie“ zwischen WIR und SIE in allen Sprachen und Kulturen vorkommt, sie scheint also universell zu sein. Das kann damit zu tun haben, dass sich die Menschen als soziales Wesen in Gruppen organisieren müssen/ wollen/dürfen und die Wörter WIR und SIE für Ingroup und Outgroup stehen. Ein WIR braucht für die eigene Definition ein IHR und umgekehrt.

Und genau das gilt auch für Wirtschaftsgeschehen: Es gibt eben ein Team und viele Menschen außerhalb dieses Teams; die „Mitgliedschaft“ in diesem Team kann durch Benennung durch den Chef postuliert werden, doch in der Arbeitskommunikation wird das WIR aus dem Munde der Teammitglieder das WIR wahrscheinlich auf die Teammitglieder beziehen (und hoffentlich nicht auf ein „Subteam“ darin). Es gibt ein großes Unterschied, ob jemand über sein/ihr Unternehmen sagt „Wir sind aufgekauft worden“ oder „Die haben den Deal gemacht“. Auch der Konkurrenzkampf „Wirtschaft wird mit WIR geschrieben“ weiterlesen

Ein ungewöhnlicher Feuerlöscher – Notizen über das Aussehen und die Funktion

Für diesen ungewöhnlichen Feuerlöscher haben die Gestalter der Räume von Daimler Contemporary viel Zeit und Nerven investiert, entspricht er doch ganz und gar nicht den Vorschriften und Gewohnheiten. Doch für sie war es sehr wichtig, dass ein gewöhnlicher Feuerlöscher mit seiner roten Farbe die weiß gehaltenen Ausstellungsräume ästhetisch nicht zerstört. Oder war es ein wenig sportlicher Ehrgeiz, an diesem ungewöhnlichen Ort alles ungewöhnlich zu gestalten?

Denn die Ausstellungsräume in Berliner Huth-Haus am Potsdamer Platz entsprechen ganz und gar nicht dem Image von Gesamt-Daimler. Mit Hauptsitz in Stuttgart. Dort – Feuerlöscherseit Jahrzehnten gereifte Technik und konservatives Design, hier – moderne, abstrakte Kunst. Dort – die Preisgestaltung für das s.g. Prämium-Segment, hier – kostenloser Eintritt. Dort die ganz nach TÜV und DIN massenhaft produzierten roten Feuerlöscher, hier – Einzelanfertigung des weißen Feuerlöscher.

Welche Ziele verfolgt die Daimler-Stiftung mit diesem Ort, die wohl eine spezielle SUBKULTUR präsentiert, die der Gesamtkultur des Konzerns so offenkundig widerspricht? Ist das der Versuch des „Aufpolierens“ des konservativen Images? Doch wozu? Immerhin schafft der Konzern gerade mit dieser Reputation eine gute Marktposition weltweit und – nebenbei – die Mittel für Einkauf der Kunstwerke. Es ist außerdem ganz fraglich, ob eine solche Anpassung des Images möglich ist oder mit diesem „Unbeholfensein“ das eigentliche Image des Konzerns unterstreicht.

Soweit der kulturwissenschaftliche Diskurs über Organisationskulturen und Subkulturen. Und was den weißen Feuerlöscher angeht, wird er vermutlich – trotz seines so ungewöhnlichen Aussehens, seine eigentliche Funktion erfüllen. Und uns daran erinnern, dass auch verschieden aussehende und in verschiedenen Arten und Weisen wirkende Menschen ihre Aufgaben schaffen. Anders als „wir“, und das ist gut so!

Polnische Frauen

Liebe Damen und Leser aller Geschlechter,

im März letzten Jahres habe ich mit einer Serie von Kurzberichten angefangen, die dem Internationalen Frauentag in unterschiedlichen Ländern gewidmet ist. Und bekam viel Lob und Dank für die Geschichte über chinesische Frauen, auch von jenen, die vom 8. März an sich nicht viel halten. Also setze ich die Serie fort und widme diese Ausgabe, wie geplant, den polnischen Frauen.

Doch bevor ich zu den Interviews mit lebenden Frauen komme, möchte ich über zwei Frauen berichten, die in der Frauenbewegung Ikonen-Status haben und in Polen geboren sind.

Als nur eine von sieben Frauen, die den Nobelpreis erhielt und die einzige Frau (neben drei Männern), die den Nobelpreis zwei Mal bekommen hat, ging Marie Curie in die Geschichte ein (im Jahre 1903 Nobelpreis in Physik und dann im Jahre 1911 in Chemie). Übrigens, kurz nach ihrem Tod bekam auch ihre ältere Tochter Irene in 1935 den Nobelpreis für Chemie. Marie Curie wurde als Marie Skłodowska in 1867 in Warschau geboren. Zum Studium ging sie nach Paris, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Pierre traf. Nach seinem Tod bei einem Autounfall im Jahre 1906 trug sie wieder ihren Mädchennamen, wobei sie von der französischen Presse für ihre polnische und angeblich jüdische Herkunft drangsaliert wurde. Zunächst wurde die romantische Liebe im Labor zwischen Marie und Pierre sarkastisch thematisiert. Doch richtig aufgebracht war die gelbe Presse, als ihre Affäre als verwitwete Mutter zum jüngeren Kollegen, ebenfalls einem Professoren, bekannt wurde. Das alles belastete Curie sehr, wobei sie in ihren Briefen an die Familie in Polen nur heile Welt präsentierte und auch als erfolgreiche und weltbekannte Frau mit größten Respekt an Eltern und Tanten schrieb.

Aus heutiger Sicht kann Marie Skłodowska als DAS Beispiel für die emanzipierte Frau gehalten werden: extern erfolgreich im Beruf, liebevolle Mutter, welche die Entwicklung beider Töchter ernst nahm und von ihnen respektiert wurde und auch als Frau, die ihr privates Glück der konservativen Öffentlichkeit zuliebe nicht opferte.

Von so viel persönlichem Glück und Anerkennung kann unsere zweite Heldin vielleicht nicht sprechen, doch ihr Bekanntheitsgrad ist noch höher: Rosa Luxemburg. Sie wurde in der polnischen Provinz in Zamość, unweit von Lublin, geboren. Als Rosa zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Warschau, wo Rosa ein russischsprachiges Gymnasium besuchte. Wegen oppositioneller Gesinnung bekam Rosa keine Goldmedaille trotz bester Noten und musste schon mit 18 Jahren das zaristische Polen verlassen und zunähst in die Schweiz und dann nach Deutschland gehen. Der Rest ist – Geschichte! Ich persönlich würde sehr gerne erfahren, ob sie Deutsch mit Akzent sprach, lernte sie doch die Sprache erst auf dem Gymnasium und schrieb zeitlang Briefe auf polnisch mit russischen Anmerkungen oder Ansprachen (z.B. an Kolja Zetkin, dem Sohn der älteren Freundin und Kollegin Clara).

Auf eine wundersame Weise ist meine Freundin, Wirtschaftsprofessorin in Deutschland, mit beiden Frauen verbunden: Sie besuchte in Polen die Schule namens Marie Skłodowska und… wusste nicht, dass Rosa Luxemburg aus Polen stammt. Der internationale Frauentag ist für Lisa zunächst einmal Nostalgie. Sie muss dann an die Schulzeit zurückdenken, an die verkrampfen Jungs, die den Mädchen Lieder singen und Blümchen (meist Nelken) überreichen mussten, was zur allgemeinen Verwirrung und noch mehr Verkrampfung führte. Aus ihrer Sicht stand der Feiertag in Polen unter dem Einfluss der Sowjetunion und wurde nur halbherzig gefeiert, zudem war es kein offizieller Feiertag wie in Russland. Aktuell würde sie eine Zweiteilung der polnischen Gesellschaft in dieser Frage sehen: in den gebildeten Familien sind Frauen gleichberechtigt und stark, in weniger gebildeten Familien haben immer noch die „Machos“ das Sagen.

Apropos Frau, auf Polnisch „Kobieta“. Unter diesem Namen gründete und baute sieben Jahre lang eine Frau aus Stettin praktisch aus ihrem Wohnzimmer ein Online-Magazin auf, das bei Frauen jeden Alters in Polen bekannt und geliebt war. Mehrmals kam Gosha nach Berlin, um hiesige Trends anzuschauen und sich mit ihren Leserinnen im polnischen Berlin zu treffen, z.B. im einzigen deutsch-polnischen Rotary Club in Deutschland. Wie es der Zufall will, hat dieser Club die höchste Frauenquote bundesweit (57%) und wird aktuell von einer Frau als Präsidentin geführt.

Gosha von Kobieta widmet sich nun, nach dem erfolgreichen Verkauf ihrer Kobieta an Burda Media Polska, ganz und gar den karitativen Projekten und kommt seitdem seltener nach Berlin. In ihrem Gruss an Sie wünscht sie uns hier mehr Mut zur Farbe.

Und apropos Farbe, farbenfroh und energiebeladen sind die Portraits der polnischen Künstlerin Tamara de Lempicka, geborenen Gorska. Mit ihrem Portrait von Frau Bush aus dem Jahre 1929 schließe ich diesen Bericht.

Im nächsten Jahr blicken wir dann gemeinsam nach Italien. Alla prossima! Ihre,

Irina Slot

100 Jahre Bauhaus – Hype and Hope

Es ist wohl nichts Neues, dass Jubiläen und Gedenktage dafür genutzt (und ausgenutzt) werden, um ein Thema in den Vordergrund zu rücken. Aus der Tiefe der Geschichte herausgeholt, werden diese zwangsläufig mit Narrativen angereichert und zur Feier des Tages von Experten dem interessierten Publikum auf dem Silbertablett präsentiert.

Somit ist die grundsätzliche Kritik an dem Festival „100 Jahre Bauhaus“, das gerade in Berlin startete, es gehe hier nur um die Vermarktung der derzeitigen Bauhaus-Vorstellung, nicht außer Kraft gesetzt, sondern allenfalls relativiert.

Für das Authentische ist in Berlin nur das Mies-van-der-Rohe-Haus zu besichtigen. Warnung: Man fährt ewig lange hin und es sind nur ein paar Räume des Wohnhauses zu besichtigen, außerdem kommt die Genialität des Hauses nur bei Sonnenschein zur Geltung. Sowohl seine Nationalgalerie als auch das Bauhaus Museum Berlins, das sogenannte Bauhaus-Archiv, werden renoviert. „Super timing“, möchte man zurufen. Oder sich auf den Tagesausflug nach Dessau machen, wo es tatsächlich um Konservierung der Objekte und um ein „Hineingehen“ in die Bauhaus-Wirklichkeit geht.

Für mich persönlich ist das Museum in Dessau, das sich in dem authentischen Gebäude der Bauhaus-Schule befindet, der Ort, an dem über das Bauhaus als Lern- und Innovationskonzept nachgedacht werden kann. Denn alle wunderbaren neuartigen Gebäude und all diese wunderschönen – für damalige Zeiten höchst ungewöhnlichen – Objekte wären nicht entstanden, wäre nicht das Neue im Fundament des Lernens und des Wirkens im Bauhaus gelegt werden worden, nämlich: Interdisziplinarität.

Die zukünftigen Architekten mussten nicht nur fein entwerfen, sondern auch selbst eigenhändig (zumindest Modelle) bauen können. Und außerdem, bevor sie sich in Architektur und Baukunst vertiefen „durften“, bis zu zwei Jahre mit allen anderen Studierenden vom Bauhaus für sie fremde Fächer wie Musik oder Astronomie belegen. Die graphische Darstellung eines Curriculums zeigt außerdem, dass die erste, interdisziplinäre Zeit als Peripherie, ja, als Zugang zum Kern bildet – dem Fachspezifischen. Das Bild des Curriculums und was die Interdisziplinarität im heutigen Innovationsmanagement bedeutet, finden Sie hier.

Gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne, wie König Salomon vor drei Tausend Jahren zu sagen pflegte? Deswegen ist vielleicht tatsächlich ehrlicher zu sagen, wir kreieren etwas, was die Bauhaus-Leute damals mit den technischen Möglichkeiten von heute („Das Totale Tanztheater“ in der virtuellen Realität) oder als Antwort auf die technische Entwicklung inzwischen (die Vertonung des Weltallgeschehens mit Hilfe eines Teleskops im Garten des Museums) wahrscheinlich gemacht hätten. Auf jeden Fall ehrlicher als funktionales und schönes Design als etwas urschwedisches zu verkaufen, anstatt auf die Ursprünge des verkauften Designs im Bauhaus hinzuweisen. Immerhin finanziert die IKEA-Stiftung ein phänomenales Lernformat für Kinder und Jugendliche, wo sie einmal pro Woche die alten Bauhaus-Gestaltungs-Ideen selbst ausprobieren können. So auch in diesem Jahr immer samstags von 11 bis 14 Uhr. Und diese Entwicklung der Kinder geht in Richtung „Hope“, und das nicht nur während des „Hypes“ des Jubiläums.

Foto von Mira Menez:  In der Ausstellung „100 Jahre Bauhaus“ in der Akademie der Künste, Hanseatenweg

Doch zurück zum Hype des Bauhaus-Festivals. Abgesehen von einem Exponat vom geschlossenen Bauhaus-Archiv präsentiert das Eröffnungsfestival Arbeiten von modernen Künstlern, im Lichte des Bauhauses entstanden. Und natürlich sind sieben von 18 Figuren des Bauhaus-Theaters aus Oskar und Karl Schlemmers „Figuralem Kabinett“ nur nachgebaut (2014 von Linda Pense und Andreas Wohmann). Doch ganz im Geiste des Bauhaus-Festivals entwickle ich ihre Idee ein wenig weiter. Wurden ursprünglich die flachen bunt bemalten Figuren aus Holz von schwarz-gekleideten Menschen auf dem schwarzen Hintergrund bewegt, werde ich – zufällig schwarz gekleidet – Teil des Geschehens. Transparenz und Interaktion zwischen dem Toten und Lebendigen wäre ja auch für die Bauhaus-Menschen von vor 100 Jahren denkbar, oder?

Берлин зовёт!

Berlin ist immer eine Reise wert! Das gilt nicht nur für die Deutsche und Westeuropäer, das gilt und viel mehr für die Osteuropäer und vor allem für die russische Menschen. Es gibt vielfältige historische und kulturelle – weitgehend positive – Assoziationen seitens Russen an die alte und neue Deutsche Hauptstadt. Die aktuelle Rolle von Berlin als Drehscheibe zwischen dem westlichen und östlichen Europa macht ihn für die russische Businessleute zusätzlich attraktiv. Berlin ist von Russland aus leicht zu erreichen – zahlreiche direkte Flüge und ein Nachtzug aus Moskau. Berlin bittet viel. Berlin ist großstädtisch und modern aber auch grün und überschaubar. Auf Russisch gibt es Ausdruck „Klassno!“ – über etwas, was Klasse hat. Diesen Ausdruck ist leicht zu merken und ist dann auch oft zu hören – wenn Sie ihre russischen Geschäftspartner in Berlin empfangen.
Damit spreche ich übrigens nicht nur die in Berlin ansässigen Firmen an. Die Erfahrung von vielen Vertriebsleuten, dass die wichtige und komplizierte Verhandlungen, knifflige Aussprachen am besten auf einem „neutralen“ Boden laufen. An einem Ort, wo keiner von Partnern ansässig ist, fühlen sich beide Seiten „gleich“ gestellt, erkunden gemeinsam diese spannende Stadt und machen gemeinsam abenteuerlichen Erfahrungen. Das verbindet!


Also – ab nach Berlin! Aber wie? Wie soll das Programm gestaltet werden, wo sollten die Gäste untergebracht werden, wo sollten die Verhandlungen laufen?


Auch hier gilt – alles möglichst individuell und persönlich gestalten! Versuchen Sie im Vorfeld Vorlieben Ihrer Geschäftspartner herauszufinden, was war für sie wichtig, positiv oder abstoßend auf ihrer letzten Reise nach Paris oder London. Vielleicht waren sie mal schon neulich in Berlin? Oder –die über fünfzigjährigen – waren noch zur Sowjetzeiten in Ostberlin? Wenn Sie keine Anhaltspunkte finden, dann gilt generell Folgendes:
Im ehemaligen Westberlin hausen und arbeiten, im ehemaligen Ostberlin essen und Spaß haben.


Ein Hotel soll dann nicht nur der Übernachtung dienen, es soll zu einem Standort für ihre Gäste in Berlin werden. Es empfiehlt sich dann auch in deren Besprechungsräumen Meetings zu platzieren: kurze Wege und „Zuhause sein-Gefühl“ ihrer Gäste. An dieser Stelle etwas Theorie des interkulturellen Managements. Die vierte der fünf Kultur-Dimensionen von Professor Hofstede heißt: „Unsicherheitsvermeidung“. Den russischen Menschen werden relativ hohe Werte für diese Kulturdimension zugeordnet. Das heißt, dass die russischen Menschen sich in den für sie neuen unbekannten Situationen sich besonders unkomfortabel fühlen, wenn auch dann diese Unsicherheit zu überspielen versuchen. In diesem Zusammenhang möchte ich von meiner Erfahrung berichten, dass die russische Geschäftsleute selten, fast nie „ihr“ Hotel wechseln: Jahre, ja Jahrzehnte lang werden sie in das gleiche Hotel fahren, egal, ob dieses Hotel ihrem Status nicht mehr entspricht oder ob die – wie in Berlin der Fall ist – das wachsende Hotelangebot viel attraktivere Alternativen anbietet. Einer von solchen Lieblingsplätzen „komme was wolle“ ist zum Beispiel das Hotel „Steigenberger“ in Berlin West. Das Hotel hat sich in der letzten Zeit erfolgreich aufgeputzt, die Hotelhalle und die Zimmer können sich sehen lassen, hat aber für den Gastgeber ein großes Problem mit oft wechselnden Veranstaltungsmanagern. Das erschwert eine reibungslose Zusammenarbeit, besonders im Falle einer russischen Delegation, wo sich die Wünsche und Pläne Öfteren mal ändern. Lassen Sie ihre russische Gäste doch mal Concorde Berlin versuchen: das relativ neue Haus ebenfalls in der Kurfürstendammnähe ist größer, schicker, moderner und …ist betont französisch. Vergessen Sie nicht, auch Russen sind große Frankophile: sie werden gern im „Louvre“ tagen und im „Saint Germain“ speisen. Vorteil für Sie als Organisator: der Concorde-Team ist vom Ehrgeiz überfüllt, ihr Haus an die Spitze zu bringen und lesen ihnen alle Wünsche von der Lippen ab. Ebenfalls nah am Kurfürstendamm liegend, perfekt im Service, aber privat geführt ist – und das ist mein Geheimtipp für die russischen Geschäftspartner – das Hotel „Savoy“ in der Fasanenstraße. Unschlagbar ist sein Frühstücksbuffet. Dieser verspricht immer ein erfolgreiches Business-Frühstück zum Beispiel weil Sie zwischen drei verschiedenen Räumlichkeit wählen können: ein klassischer und stillvoller Vorderraum, ein gediegener Raum zum Garten hin und im Sommer der Garten selbst. Ein „Nachteil“ von „Savoy“: moderate Preise, so dass Sie dort den höheren russischen Manager oder die s.g. Neureichen nicht unterbringen können. Sollten aber ihre Geschäftsgäste planen, über das Wochenende mit Familien in Berlin zu bleiben, werden sie Ihnen dankbar sein, so schick und preiswert ihr Aufenthalt in Berlin zu gestaltet.


Alle diese Hotels in Berlin-West haben gemein: die Nähe zum KaDeWe. Machen Sie sich nicht lustig über kauffreudige Russen: zum Einen ist es immer noch ein Nachholbedarf, zum Anderen liegen die Preise in Berlin etwas um die Hälfte im Vergleich zu den Preisen in Moskau. Alle ihre Geschäftsfreunde werden Geschenke nach Hause bringen „müssen“, und zwar an viel breiteren Kreis von Freunden und Verwandten, als Sie es beim Verreisen tut müssen. Wenn überhaupt. Also helfen Sie Ihren Gästen dezent, aber effektiv: planen Sie genug Zeit für Shopping ein, stellen Sie einen Begleitdolmetscher zur Verfügung, legen Sie ein Lunch in die 6.Etage von KaDeWe. Diese (Zeit) Investitionen werden sich schnell und nachhaltig amortisieren!


Sollte Ihre Gäste dem höchsten Rang des russischen Managements angehören und ihre Einkaufswünsche auch in Moskau, London und Paris problemlos decken können, dann ist die Empfehlung klar: „Adlon“ am Brandenburger Tor. Das ist übrigens das Hotel, wo meiner Erfahrung nach, organisatorisch gesehen alles möglich ist. Die kurzfristigste Veränderungen werden umgesetzt, ohne mit einem Wimpern zu zupfen und ohne eine Spur sich verhetz zu zeigen. Das Foyer von Adlon können Sie als Treffpunkt im Ostberlin in jeden Falle einplanen: Ihre russische Partner werden die klassische, etwas pompöse Umgebung und eine gehobene Geschäftigkeit mögen.


Somit sind wir im Osten von Berlin angelangt. Hier liegen meine Empfehlungen für Kulturprogramm, wenn es um allgemeine und „totsichere“ Tipps gehen soll. „Friedrichstadtpalast“ ist beliebt bei den älteren Herrschaften, die jüngeren Russen sind immer wieder positiv überrascht, wie toll die ehemalige „DDR- Kulturanstalt“ sich präsentiert. Der Ballet unter den Linden wird nach Rekonstruktion und Rückkehr in den Osten der Stadt wieder zwei Vorteile bieten: das ist quasi Bolschoj Theater in Moskau aber eben quasi, also nicht so bombastisch und von der tänzerischen Leistung zwar gut im europäischen Vergleich, aber doch etwas schwächer als Ballet in Russland. Das „Blue Man“ Show am Potsdamer Platz geht ebenfalls ohne Sprache, aber nur für jüngere russische Gäste. Denken Sie daran, dass Potsdam für einen Abendausflug zu einem Konzert und Abendessen geeignet ist und „dank“ der Potsdamer Konferenz bei Russen bekannt und positiv belegt ist.


Kulinarisch gesehen empfiehlt sich alles …außer russischer Küche. Ihre Gäste werden Deutsch und Bayrisch essen wollen, gern japanisch, gern international, aber grundsätzlich lieber schicker und reichhaltiger. Neben dem besagten Lunch bei KaDeWe empfehle ich für Lunch den „Käfer“ im Reichstag: schlechter Service wird kompensiert durch phänomenale Aussichten von der Restaurantterasse, die Reservierung eines Tisches dort bedeutet außerdem die Möglichkeit, die Schlange zur Kuppelbesichtigung umzugehen. Abendessen ist bei Borchert „in den guten Händen“. Im vergangenen – auch im Moskau sehr heißen Sommer -hat sich immer mehr ein Speisen „open-air“ durchgesetzt, sie können auch auf diesen Trend im Sommer ruhig setzten. Ein Treffen im Winter sollte auf Adventzeit gelegt werden, um die Einkäufer mit einem kulinarischen Genuss auf einem Weihnachtsmarkt zu verbinden. Auch hier gilt: Im Zweifelsfall lieber klassisch und gediegen als schräg und hip. „Totsicher“ ist ein gemeinsamer Abend auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt. (s. auch Juni-Ausgabe diesen Blogs „Kleine Geschenke mit großer Wirkung“).
Mein Vorsatz, die Blog-Texte kurz zu halten wird diesmal nicht umzusetzen sein. Und dabei konnte ich nur sehr allgemeine Tipps für ein gelungenes Treffen mit den russischen Geschäftspartner in Berlin zusammenstellen. Wenn Sie Ihr Programm individueller gestalten wollen, was auch empfehlenswert ist, sprechen Sie uns an. In ein bis zwei Stunden werden wir Ihnen ganz konkrete Vorschläge machen können, die zu dem Anlass des Treffens, zum Saison in Berlin und vor allem zu den Menschen, die Sie ganz persönlich empfangen wollen und für sich und Ihr Unternehmen „für immer gewinnen“ wollen, am besten passen.

Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung

Am 5. Juni, dem sogenanten Diversity Day, veranstaltete IKWW einen Braun-Bag-Workshop in der Ausstellung der Daimler-Foundation in Berlin. Unter Visions of Exchange wurden Arbeiten von fünf deutschen und sechs japanischen Künstlern präsentiert, die am Austauschprogramm der Daimler-Foundation teilnahmen.

Unsere Lernaufgabe war zu erraten „Visions of Exchange: Unser Lernworkshop in der gleichnamigen Ausstellung“ weiterlesen

Sommerzeit ist nicht gleich summer time! Notizen zur Semantik und zur Kultur

DALI-Ausstellung in Florenz_2000

Am Tag danach, nach der Zeitumstellung zur Sommerzeit, werden die Uhren umgestellt, die sich nicht automatisch umgestellt haben. Bei dieser fast meditativen Tätigkeit kommen die Gedanken über die Hilflosigkeit einzelner Person gegenüber der Verwaltung, die einmal etwas beschlossen hat und davon nicht abrückt, egal wie viele Studien es bestätigt haben: Die Umstellung auf Winter- und dann zur Sommerzeit bringt keine Energieeinsparung und bedeuten nur Komfortverlust bei der Umstellung der „Bio-Uhr“.

Doch wir wollen hier nicht meckern, sondern unseren Horizont erweitern. Diese Assoziationen mit dem Wort „Sommerzeit“, nicht die direkte Bedeutung, sondern das Bedeutungskonzept, macht es unmöglich, das Wort Sommerzeit direkt in die summer time zu übersetzten, steht doch die letztere für die berühmte Melodie von George Gershwin von seiner Oper „Porgy and Bess“. Und genau das lehrt uns die Semantik und genau das macht die Übersetzungsarbeit so kompliziert und so spannend.

Und wenn wir beim Wort ZEIT verweilen möchten, das bei der Sommerzeit doch etwas anderes bedeutet als bei summer time, so kommen wir unausweichlich zur Phrase „Die Zeit ist relativ“, die absolut mit dem Namen Albert Einstein verbunden ist.

Diese relative Zeit, die sich „dehnen“ oder komprimieren kann, findet sich auch in Kulturwissenschaften. Die Kulturdimension von Edward Hall monochrone vs. polychrone Kulturen beschreibt den Unterschied zwischen der „absoluten“, monochronen Zeitrechnung, wo die Zeit die Prioritäten diktiert („Eins nach dem anderen!“) oder eher relative Zeitrechnung, wo mehrere Zeitachsen (polychron) existieren. Konkret bedeutet dieser Kulturunterschied die Einstellung zur Pünktlichkeit. Es ist nicht so, dass die Menschen, die in monochronen Kulturen sozialisiert sind, immer pünktlich sind, sondern wie groß das Drama von selbst unpünktlich sein oder auf jemanden zu warten, ist. Und überhaupt: „Wie spät ist spät?“ Ab wann wird eine SMS geschrieben, dass jemand sich verspätet, ab wann wird die Verspätung als Respektlosigkeit interpretiert, ab wann wird es dann ZU SPÄT?

Oh, es ist spät geworden! Lesen Sie mehr über die kulturellen Aspekten der Zeit und ihrer Auswirkung in dem medizinischen Alltag – natürlich wenn Sie Zeit haben! – hier: Zeit im medizinischen Alltag

Have a good time! Schöne Zeit noch! Irina Slot