Heute im Blog: Herbstliche Grüße mit Blumen von Liebermann und Hofstede

wp_20160910_12_16_23_proGestern habe ich mich vom Sommer im Sommerhaus des Malers Max Lieberman in Berlin Wannsee verabschiedet. Das Haus ist bekannt für seinen Garten, den der Künstler selbst angelegt und in unzähligen Bildern verewigt hat.

Das Bild des spätsommerlichen Blumenbeets (s. Foto) erinnerte mich an den Artikel meines Lehrers und Mentors Geert Hofstede „Multilevel Research of Human Systems: Flowers, Bouquets and Gardens“. Es geht um verschiedene Ebenen der „Menschlichen Wissenschaften“ Psychologie, Anthropologie und Soziologie. Und jawohl, ein wenig um Rechtfertigung seines Ansatzes, das kulturelle Programmieren durch das Land und die Familie, wo ein Individuum aufgewachsen ist, zu untersuchttp://www.geerthofstede.nl/prehistory-of-culturehen und um sein Appell, diesen Einfluss nicht zu vernachlässigen – egal wie weit die geografischen und biografischen Bewegungen in der globalisierten Welt ausgeprägt sind. Der Vergleich des Ökosystems des Gartens (Kultur des Landes) und seinen Einflusses auf die Blume (Individuum) leuchtet auch umgekehrt ein: Die einzelnen und so unterschiedlichen Blumen machen gemeinsam den Garten aus. Jede von ihnen einzeln betrachtet oder im Strauß gebunden (Organisationskultur) lässt nicht sofort ahnen, aus welchem Garten sie stammt, doch ein Teil von ihr ist durch den Boden, die Luft und die anderen Blumen in Blumenbeet bestimmt und durch sie nachhaltig „programmiert“.
Dementsprechend sollte nicht der kulturelle Einsatz den individuellen Einsatz und umgekehrt ausschliessen, sondern sich gegenseitig ergänzen. Wie im Garten von Lieberman an einem schönen Spätsommer-Samstag.

Jetzt im Blog: „The Sense of Dissonance“ _ Generationskulturen, Berufskulturen und Innovation

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete damals als Außenministerin der USA Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzen Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von abgehobener Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Die Jungen laufen schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung“, pflegte Ursula von den Leyen zu sagen, als sie noch Arbeitsministerin war. Klingt smart und sympathisch, wurde auch immer gut vom Publikum angenommen, in dem nur wenige Vertreter der Y-Generation zu sehen waren. Diese machen sich wiederum lustig über diese ewig jungen, agilen und allgegenwärtigen Alten: „Sie können echt nicht loslassen! Und warum müssen sie immer anwesend sein, um ihren wertvollen Beitrag zu leisten?“ Doch auch diese unterschiedlichen Denkweisen sind zu „managen“, indem die Führungskraft – unabhängig vom eigenen Alter – alle Akteure wertschätzend miteinander vernetzt und ihre Zusammenarbeit moderiert. Die eigentliche Kunst besteht gerade darin, die kulturell bedingten Spannungen als etwas ganz natürliches anzusehen und daraus eine neue Form des Zusammenwirkens entstehen zu lassen – über alle Silos und Gräben hinweg.

Der amerikanische Soziologe David Stark (beschreibt in seinem Buch „The sense of dissonance“ seine Untersuchungen von Innovationen, die zu einem wirtschaftlichen Erfolg geführt haben. Eines der Untersuchungsobjekte sind Computerspiele, und zwar seit ihrer Entstehung vor 30 Jahren. Er legt den Fokus seiner Studie auf die Autorenteams und kommt zu dem Ergebnis, dass neue und erfolgreiche Produkte dann – und nur dann – entstanden sind, wenn die Teammitglieder verschiedene kognitive Schwerpunkte hatten. Er geht noch weiter und stellt auch die qualitative Verbindung zwischen der kognitiven Diversität und der Innovation her: je größer die kulturelle Distanz zwischen den Teammitgliedern, z.B. durch verschiedene Studienfächer ist, umso höher ist die Spannung im Team, und umso höher ist die Innovation.

Das würde bedeuten, dass die Harmonie im Team nicht nur nicht erforderlich ist, sondern sogar kontraproduktiv sein kann. Eine historische und umfangreiche Untersuchung der monetären Fehler in der Stadtverwaltung von New York City bringt Stark ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sie immer dann entstanden sind, wenn ausschließlich eine Herkunft oder nur ein Geschlecht mit der Aufgabe betraut war. Noch bevor Diversity ein Modebegriff wurde, hat sich deswegen die Stadtverwaltung von New York City in den 80ern entschieden, die Controller-Teams sowohl in Bezug auf ihre Herkunft als auch in Bezug auf ihr Geschlecht „bunt“ zu besetzen. Der Autor der Studie sieht darin seine These bestätigt: eine gewisse Spannung ist Garant für ein produktives Arbeiten. Und wie diese produktive Spannung für Innovation produktiv zu nutzen ist, lesen Sie in der Broschüre von Irina Slot „Thesen zur Globalisierung“ Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu). (Anfragen unter: info<at>interkulturell.eu).

Foto: Prof. Stark „The Sense of Dissonance“, Princeton University Press, 2011The Sense of Dissonance

INTERDISZIPLINARITÄT UND INTERKULTURALITÄT: HERBST-UPDATE VON IRINA SLOT

Wir melden uns aus der Sommerpause zurück!

Sommerpause ist fast für alle vorbei!

Nur Meng Meng kann sich weiter im Grünen entspannen, wobei wir auch im Sommer aktiv und produktiv waren. Hier finden Sie einige Beiträge bei Partnern:

Blog von Faircoach:

„Ein Team von jungen Wissenschaftlern aus unterschiedlichsten Ländern startet ein Forschungsprojekt. Der Projektleiter ist entzückt: „Das ist die neue Generation, die grenzenlos ausgebildet ist. Alle sprechen Englisch, alle sind vernetzt. Das ist ja ganz anders als in meinen jungen Jahren, in denen jeder sich an seinen „nationalen Labortisch“ geklammert hat“.

Doch schon bei der ersten Deadline zerfällt das Team in die „Chinesen, die immer zusammen hocken“, die „Franzosen, die immer nur ‘rumdiskutieren“, die „Deutschen, die endlose Präsentationen zeigen“ und die „Polen, die nie Termine halten“.

Was ist passiert? Lesen Sie hier mehr dazu:

Webinar vom VDI Verein Deutscher Ingenieure VDI e.V.

Internationales Projektmanagement (leider nur für VDI-Mitglieder zugänglich, und zwar hier:)

Rotary-Magazin (für alle zugänglich!)

Migranten besser verstehen – ein Workshop für Ärzte, fnden Sie hier

Wie ein Programm, das im Hintergrund läuft – finden Sie hier

In Arbeit:

Lernbrief „Diversity Management“ für IUBH

FERTIG!

Studie „Made-in-Germany“: Blick von Außen; Anfragen über info<at>interkulturell.eu

Broschüre „Didaktische Handreichung für interne interkulturelle Schulungen in öffentlichen Einrichtungen“; Anfragen über info<at>interkulturell.eu

Sieben Tage, sieben Jahre

IMG_0174Dieser Blog, liebe Leserin, lieber Leser, feiert diese Woche seinen siebenjährigen Geburtstag. Es ist zwar kein Jubiläum im engeren Sinne des Wortes, dennoch ein Anlass, eine Zwischenbilanz zu ziehen und auch über die symbolische Bedeutung dieser Zahl nachzudenken.

Sieben Tage der Woche sind ein Rhythmus, in dem die meisten Kulturen leben. Der siebte Tag als Tag der Ruhe, der Zuwendung zum Göttlichen, variiert zwar von Religion zu Religion zwischen Freitag, Samstag und Sonntag, doch sieben Tage bleiben als eine Mikroeinheit der Lebenszeit. Wahrscheinlich hängt es mit der Lunation zusammen – dem vollen Zyklus des Mondes aus unserer Sicht der Erde, der vier solcher Einheiten durchläuft. Und somit an das kosmische Geschehen, jenseits der kulturellen Grenzen, angedockt ist. Andererseits spielt die Zahl sieben auch auf der psychologischen Ebene eine Rolle: Die von John Locke entdeckte und nach George Miller benannte Millersche Zahl  beschreibt die Beschränkung des Kurzzeitgedächtnisses in sieben Einheiten. Deswegen sollen die Organisationsstrukturen nicht mehr als sieben Ebenen beinhalten und die Teams nicht mehr als sieben Mitglieder haben. Letzteres kann ich tatsächlich bestätigen, und zwar aus Beobachtung der Gruppenübungen oder Lernteams von Teilnehmern (z.B. Studierenden) aus verschiedensten Ländern: übersteigt die Zahl der Gruppe die magische Sieben, zerfällt die Gruppe in ihrem Wirken in mindestens zwei Untergruppen. Also wäre das ein psychologisches Phänomen, ebenfalls jenseits der kulturellen Grenzen.

Und dazwischen liegen sieben Berge, wo die sieben Zwerge leben und eben keine sieben Drachen hinter sieben chinesischen Mauern. Symbolisiert die Sieben in Europa das Glück, klingt sie im chinesischen wie „fortgegangen“ und hat eine neutrale bis negative Bedeutung.

Und was hat sich in meinem Blog in sieben Jahren getan? Sind die 41.711 Aufrufe viel oder wenig? Und weil die Zahlen eben so „relativ“ sind, schauen wir lieber auf die Themen des Blogs. Von russischen Business-Frauen im Mai 2010 bis zu vielfältigen (u.a. nach Herkunft und Gender) Teams als Innovations-Ressource. Also vom Gender- und Länderspezifischen zum Universellen. Zufall? Wahrscheinlich, korrespondiert aber zu schön mit den vorhergegangenen Überlegungen zur Zahl sieben.
Dann auf die nächsten – mindestens – sieben Jahre. Mit Ihnen und Dir, mein Leser und meine Leserin!

Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends

Venn-Diagramm von Irina Slot
Auszug aus dem Essay „Lost in Globalization, found in Diversity“

Die interkulturellen Konflikte verlaufen nicht nur entlang der „Gräben“ der Herkunft. Auch verschiedene Berufskulturen weisen klassische Attribute der kulturellen Ausgrenzung vor. Z.B. in der Sprache: „Fachchinesisch“ wird negativ konnotiert, auch als ein Instrument der Abgrenzung von anderen Berufen und Trägern anderer Ausbildungen (und klingt übrigens beleidigend für Menschen mit chinesischen Wurzeln). Anderes Beispiel: Stereotype. Mit dem „linearen Denken eines Ingenieurs“ begründete Hillary Clinton das Versagen des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Pikanterweise vor einem Publikum, in dem sich sehr wahrscheinlich viele Ingenieure befanden – bei der öffentlichen Vorstellung ihres letzten Buches in Berlin. Hätte Hillary Clinton einen Ingenieur in ihrem Team gehabt, wäre ihr ein solcher Fauxpas nicht passiert, der im Übrigen die Stereotype von der abgehobenen Politikelite bestätigt.

Auch verschiedene Generationen reiben sich aneinander. Wer arbeitet besser, die Alten oder die Jungen? „Diversity: vom Konfliktmanagement zum Innovationsmanagement im Kontext der aktuellen Megatrends“ weiterlesen

Wirtschaft wird mit WIR geschrieben

 

Zugegeben, aus dem aktuellen Anlass der krampfhaften Regierungsbildung beginne ich meine Überlegungen zum Wort WIR mit dem Zitat von Franz Müntefering aus dem Jahre 2014: „Opposition ist Mist. Lasst das die Anderen machen – Wir wollen regieren!“

Spannend finde ich in diesem Spruch vor allem die „Opposition“ von WIR und DEN ANDEREN. Doch das hat mit Franz Müntefering nicht zu tun, auch nicht mit dem Politischen oder gar Kulturellem. Linguistische Forschung zeigt, dass diese „Dichotomie“ zwischen WIR und SIE in allen Sprachen und Kulturen vorkommt, sie scheint also universell zu sein. Das kann damit zu tun haben, dass sich die Menschen als soziales Wesen in Gruppen organisieren müssen/ wollen/dürfen und die Wörter WIR und SIE für Ingroup und Outgroup stehen. Ein WIR braucht für die eigene Definition ein IHR und umgekehrt.

Und genau das gilt auch für Wirtschaftsgeschehen: Es gibt eben ein Team und viele Menschen außerhalb dieses Teams; die „Mitgliedschaft“ in diesem Team kann durch Benennung durch den Chef postuliert werden, doch in der Arbeitskommunikation wird das WIR aus dem Munde der Teammitglieder das WIR wahrscheinlich auf die Teammitglieder beziehen (und hoffentlich nicht auf ein „Subteam“ darin). Es gibt ein großes Unterschied, ob jemand über sein/ihr Unternehmen sagt „Wir sind aufgekauft worden“ oder „Die haben den Deal gemacht“. Auch der Konkurrenzkampf „Wirtschaft wird mit WIR geschrieben“ weiterlesen

Ein ungewöhnlicher Feuerlöscher – Notizen über das Aussehen und die Funktion

Für diesen ungewöhnlichen Feuerlöscher haben die Gestalter der Räume von Daimler Contemporary viel Zeit und Nerven investiert, entspricht er doch ganz und gar nicht den Vorschriften und Gewohnheiten. Doch für sie war es sehr wichtig, dass ein gewöhnlicher Feuerlöscher mit seiner roten Farbe die weiß gehaltenen Ausstellungsräume ästhetisch nicht zerstört. Oder war es ein wenig sportlicher Ehrgeiz, an diesem ungewöhnlichen Ort alles ungewöhnlich zu gestalten?

Denn die Ausstellungsräume in Berliner Huth-Haus am Potsdamer Platz entsprechen ganz und gar nicht dem Image von Gesamt-Daimler. Mit Hauptsitz in Stuttgart. Dort – Feuerlöscherseit Jahrzehnten gereifte Technik und konservatives Design, hier – moderne, abstrakte Kunst. Dort – die Preisgestaltung für das s.g. Prämium-Segment, hier – kostenloser Eintritt. Dort die ganz nach TÜV und DIN massenhaft produzierten roten Feuerlöscher, hier – Einzelanfertigung des weißen Feuerlöscher.

Welche Ziele verfolgt die Daimler-Stiftung mit diesem Ort, die wohl eine spezielle SUBKULTUR präsentiert, die der Gesamtkultur des Konzerns so offenkundig widerspricht? Ist das der Versuch des „Aufpolierens“ des konservativen Images? Doch wozu? Immerhin schafft der Konzern gerade mit dieser Reputation eine gute Marktposition weltweit und – nebenbei – die Mittel für Einkauf der Kunstwerke. Es ist außerdem ganz fraglich, ob eine solche Anpassung des Images möglich ist oder mit diesem „Unbeholfensein“ das eigentliche Image des Konzerns unterstreicht.

Soweit der kulturwissenschaftliche Diskurs über Organisationskulturen und Subkulturen. Und was den weißen Feuerlöscher angeht, wird er vermutlich – trotz seines so ungewöhnlichen Aussehens, seine eigentliche Funktion erfüllen. Und uns daran erinnern, dass auch verschieden aussehende und in verschiedenen Arten und Weisen wirkende Menschen ihre Aufgaben schaffen. Anders als „wir“, und das ist gut so!

Zwei – Eisberge – Modell von Irina Slot

Eisberg-Theorie: Auszug aus dem Artikel von Irina Slot aus Rotary-Magazin im Jahre 2015

Kultur wird oft mit einem Eisberg verglichen. Der Teil des Eisbergs, der über der Wasseroberfläche zu sehen ist, symbolisiert die sIMG_2791ichtbaren Aspekte einer Kultur: wie die Menschen sprechen, wie sie sich kleiden, was und wie sie essen. In dem Teil des Eisbergs, der unter Wasser liegt – und weit größer als der obere Teil des Eisbergs ist – verbergen sich die unsichtbaren Aspekte einer Kultur: Denkweisen, Handlungsmuster, der Einfluss der Religionen sowie Normen und Werte überhaupt.

Eben diesen Teil der Kultur tragen wir wie einen Rucksack mit uns mit, egal, wohin wir als Erwachsene gehen. Wir geben große Teile davon – meist unbewusst – an unsere Kinder weiter. Die Vorstellung, dass durch Integration im neuen Land die kulturelle Prägung, die man durch Eltern und Großeltern erfahren hat, einfach ausradiert würde, ist naiv und gefährlich. Im oberen Teil des „Eisbergs“ (Kleidung, Manieren, Sprechweise) ist eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft möglich, doch das „kulturelle Betriebssystem“, im frühesten Kindesalter geschrieben, läuft weiter, quasi im Hintergrund und wird immer dann in Erscheinung treten, wenn ein Mensch sich in einer Stresssituation befindet (Gefahr, Krankheit, Zeitdruck) oder eine wichtige Entscheidung treffen muss (Berufswahl, Familiengründung). So wie beim Eisberg, der plötzlich von der Sonne stark angestrahlt wird, wenn nur der obere Teil zu schmelzen anfängt, wirken sich Veränderungen der kulturellen Umgebung nur langsam (wenn überhaupt) auf die tief liegenden Bereiche der kulturellen Persönlichkeit aus. Hierbei gilt die „Faustregel“, dass etwa drei Generationen dafür notwendig sind.

Der Vergleich mit einem Eisberg erklärt auch, wie kulturelle Konflikte entstehen. Wenn zwei Eisberge kollidieren, geschieht dies im unteren Teil der Eisberge, unter dem Wasser. Der schon fast sprichwörtliche „clash of cultures“ findet im unsichtbaren Teil der Kultur statt. In diesem automatischen Mechanismus, dass wir Verhaltensweisen, die von den unseren abweichen, bewerten, liegt übrigens auch das Geheimnis der Stereotypen. Auf unserem Eisberg sitzend und eine andere Verhaltensweise beobachtend, neigen wir ganz natürlich dazu, diese durch den „Unterbau“ unseres eigenen Eisbergs zu erklären. So wirken auch positive Stereotypen: Das Lächeln auf dem Gesicht eines Menschen, der aus Vietnam stammt, wird hierzulande mit Höflichkeit und Freundlichkeit verbunden, für meine Studenten mit vietnamesischen Wurzeln es ist nur eine „Maske“, der Ausdruck des Verbotes, Gefühle zu zeigen.

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Das Zwei-Eisberge-Modell von Irina Slot wurde erstmals im Kiehl-Verlag im Jahre 2012 veröffentlicht.

Außerdem ist es im Video über das Blockseminar von Irina Slot an der Universität Potsdam plastisch dargestellt.

Das Zwei-Eisberg-Modell gemeinsam mit FOM-Studierenden interkativ erstellt und aufgenommen.

Und in diesem Blog-Beitrag zum Thema Veränderung der Kultur wird die These über Trägheit der Kulturen mithilfe von Eisberg-Modell erläutert.

 

 

Sogar von DIN EN ISO vorgeschrieben: Diversity!

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Schon seit 2013 ist es amtlich: Die kognitive und funktionale Vielfalt ist nicht nur ein Kann, sondern ein Muss. So beschreibt die Norm DIN EN ISO 14971:2013, welche die Qualität bei der Herstellung von Medizinprodukten in Deutschland und der EU regelt, im Artikel A.2.3.3 Qualifikation des Personals: „Im Allgemeinen sind hierfür mehrere Vertreter unterschiedlicher Funktionsgebiete oder Disziplinen erforderlich, die jeder ihr jeweiliges Spezialwissen einbringen. Der gegenseitige Ausgleich und der Zusammenhang zwischen Personen, die die Aufgaben des Risikomanagements durchführen, sollten berücksichtigt werden“.

Dieser Bestätigung meiner These über die Notwendigkeit jeglicher Vielfalt im Team bei Lösungen zunehmend komplexer Fragestellungen habe ich Herrn Dr. Ralf Schweitzer zu verdanken. Mit seinem Vortrag „Teamlösungen – auch eine Vorgabe aus regulatorische Sicht“ stimmte er
Teilnehmer des Design-Thinking- Workshops von BB LIFE auf die Teamarbeit ein. Und darauf, dass für kreative Prozesse die Vielfalt der kognitiven (Fachrichtung), funktionalen (Rolle in der Organisation) und kulturellen Prägungen ein Muss, ja eine notwenige Ressourse darstellen.

Mehr dazu im Blogeintrag zum Buch von David Stark „The sense of dissonance“.

Kultureisberg und Tradition

Das Kultureisberg-Modell von Edward Hall, erweitert um den zweiten Eisberg von mir, beinhaltet in seinem verborgenen Teil die Komponente Tradition. Oft verbunden mit den sichtbaren Aspekten der Kultur, wie der Rituale, Symbole, Kleidung, doch bis jetzt als unumstrittener und statischer Teil der kulturellen Prägung und kulturellen Identifikation. Die These von Prof. Hermann Mückler,  der die Tradition nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart verankert sieht und über „Konstruierte Überlieferung“ spricht, machen aus der „Tradition“ eine vom Hier und Jetzt heraus reflektierte Überlieferung. Seine in Kompaktform veröffentlichte  Theorie finden Sie – mit freundlicher Genehmigung vom Autor finden Sie  hier.IMG_0161

Das Lexem „Geschichte“ habe ich persönlich bereits früher vom Eisberg weggejagt, sprechen wir doch selten bis nie über die objektive Geschichte eines Landes, einer Region, einer Nation, sondern über Narrative, postuliert, interpretiert und weitergegeben durch die aktuelle Träger dieser Kultur – oft unterschiedlich innerhalb einer Gesellschaft.

Foto: Cover des Potsdamer Universitätsmagazins. In der März-Ausgabe geht es nicht um den Kultureisberg, sondern um Forschung in Meeren und Ozeanen. Auch sehr lesenswert!

https://rotary.de/gesellschaft/eine-botschaft-fuer-das-hier-und-jetzt-a-10771.html