Silvester Made in Germany und Made in China

Chinese Year 2018 / 2019 Made in Berlin by M. Leytus

Im Auto fahrend (kein Diesel), schon auffallend viele Feuerwehrautors mit Blaulicht wahrnehmend, höre ich im Radio, dass in China zu Silvester für 400 Gemeinden Böller-Verbot gilt. Und das mit der Begründung: Feinstaub-Belastung (Wortlaut des Radiobeitrages und Audiodatei).

Das gibt es doch nicht! Erst erfinden die Chinesen das Feuerwerk, dann überfluten sie Europa mit ihren Made-in-China-Böllern und nun sind sich zu fein (Achtung: Wortspiel Fein-Staub), diese bei sich zuhause abzuknallen. Ein Skandal, finde ich! Zumal der Krach nicht nur Tiere, Babies, sondern auch zunehmend die erwachsene Bevölkerung stört. Die Feuerwehrleute halten sich wacker, aber auch für sie, vor allem für die Freiwilligen, wäre es vielleicht schöner, Silvester zuhause zu feiern, als aus Spaß entstandene Brände zu löschen. Langsam kommt es zu Widerstand bei den Notärzten, die Jahr für Jahr abgerissene Hände und verbrannte Gesichter zusammenflicken müssen, ohne Not (Wortspiel Nummer zwei, nicht wahr?). Einige wenige Inseln des Böller-Verbots in Deutschland werden dann vor allem mit gefährdeten Holzbeständen der Altstädte begrünet. Aber mit ökologischen Argumenten? Da sind uns Chinesen wohl voraus. Überholmanöver rechts, und das mit Elektroauto, sozusagen.

Das kommende Jahr wird nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des Schweins (Element Erde) sein. Genau genommen, beginnt das Jahr am 5. Februar 2019. Und es soll Glück und Zufriedenheit bringen. Vielleicht werden wir dann „Schwein haben“ und auch in Berlin ein Böller-Verbot erleben (aller guten Dinge sind drei, gilt auch für nicht ganz elegante Wortspiele)?

Ich wünsche allen Lesern (m/w/d) meines Blogs für das kommende Jahr Glück, Zufriedenheit mit Ihrer Tätigkeit, mit Ihrer Umgebung und mit sich selbst. Und verziehe mich nach Venedig, denn da gilt: Ein öffentliches Feuerwerk und sonst Küsse statt Böller! Und im nächsten Jahr in Peking oder Berlin…

Salute per Capodanno, amichi!
祝你好运和繁荣 (Viel Glück und Wohlstand!)

俄语老师 (Irina)
P.S. Eine ernsthaftere Lektüre zum Thema Made-in-Germany von GTAI (Germany Trade and Invest) ist hier zu finden, meine Studie zum Thema wird voraussichtlich 2019 erscheinen.

P.P.S. Unsere Neujahres-Grüsse zum chinesischen Jahr 2018 finden Sie hier: Die Grüsse zum zentralen japanischen Feiertag finden Sie hier:

 

 

Chinesiche Frauen

Liebe Damen und Leser aller Geschlechter,

wohlwissend, dass der internationale Frauentag nicht von allen (Männern und Frauen) in Deutschland gefeiert wird, nehme ich es zum Anlass, über die Rolle der Frau in verschiedenen Ländern etwas zu lernen, also das Interkulturelle im Gender-Kontext zu beleuchten.

Angedacht dazu ist eine Serie von Kurzberichten, die auf Interviews mit Frauen aus den entsprechenden Ländern kommen oder dort leben, basieren. Und beginnen möchte ich mit China. Denn China steht im Fokus der aktuellen Politik und Wirtschaftspolitik. Im letzten Jahr mussten wir uns hier in Berlin nolens-volens der Panda-Charme-Offensive unterlegen. Und in diesem Jahr führe ich eine Studie durch, welche die Konsequenzen der Strategie „Made in China 2025“ für europäische Unternehmen untersucht.

Der achte März ist in China kein Nationalfeiertag, doch es sei üblich, am späten Vormittag den Frauen dazu zu gratulieren und ihnen ab Mittag frei zu geben, – berichtet eine 30-jährige Dame, die für ein Deutsches Unternehmen in China im Controlling tätig ist. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Insbesondere für die MBA’s ist dieser Tag sehr bedeutsam“. Als MBA werden unter den jungen chinesischen Frauen Manager aus Westeuropa und den USA genannt, wobei diese Abkürzung dann nicht für Master of Business Administration, sondern für Married But Available steht. Und am 8. März wird erwartet, dass nicht nur Blumen und Süßigkeiten, sondern Parfum und Schmuck den chinesischen Geliebten geschenkt wird.

Dieses Phänomen ist bestimmt nicht lustig für die Ehefrauen der MBA’s daheim, doch – so berichtet eine ehemalige Studentin von mir – gehört zunehmend der Vergangenheit an. Sie stammt aus einer Provinz im Nordwesten des Landes, studierte in Polen und Deutschland und gründete ein Unternehmen in Berlin und eines in Shanghai. „Wir wollen uns nicht mehr als Porzellanpuppen verkaufen!“ Sie gehört zu einer selbstbewussten Generation von selbstständigen Unternehmerinnen, die dank dem Cluster-Denken von großen chinesischen Konzernen wie Alibaba, zum enormen Erfolg – auch als kleine Firmen (meine Interviewpartnerin arbeitet mit zwei weiteren Partnerinnen zusammen) gelangen können: „Die innovativen Branchen sind voll von jungen, gut ausgebildeten Frauen, weil wir gute Ausbildung mit flexiblem Denken vereinen. Aber auch unsere Mütter haben immer gearbeitet, und zwar engagiert, wobei die Hauptlast der Hausarbeit doch bei ihnen lag. Und deswegen denke ich noch gar nicht an Kinder, außerdem habe ich durch die Lockerung der 1-Kind-Politik, insbesondere bei uns auf dem Lande, schon zwei Neffen!“

Eine Lehrerin, die selbst der angesprochenen Generation angehört, feiert selbstverständlich jedes Jahr den 8. März als wichtiges Zeichen der Befreiung der Frauen in China: „Es gab schon immer das chinesische Sprichwort, dass die Frauen die Hälfte des Himmels tragen, aber nach 1949 hießt es bei uns, dass die Frauen die Hälfte des Himmels auch tragen dürfen“. Die Anspielung auf 1949, also die Proklamierung der Volksrepublik China, lässt bei meiner Ansprechpartnerin eine Anhängerin des Mao erahnen. Doch in der Tat sah sich Mao als der wahre Sohn von Lenin und schloss sich seiner emanzipatorischen Ideologie und Gesetzgebung an.

Die Betreiberin eines Tee-Salons in Hong-Kong gehört zwar nicht zu den Maoisten, doch sieht sie keine negativen Entwicklungen für Frauen im Prozess der zunehmenden Kontrollübernahme des öffentlichen Lebens in Hong-Kong durch China: „Die Frauen, die vom Festland kommen, haben auch Eier, wie wir hier!“. Ihr Geschäft führt die Familie seit sechs Generationen, immer von Mutter an die Tochter vererbt. – „Auch meine Tochter wird nach dem Studium zurückkehren und dieses Geschäft weiterführen. Aber auch sie hat schon eine Tochter und ein eigenes Unternehmen, das Tee-Utensilien online vertreibt. Übrigens erzählt sie, dass die Teezeremonie in Japan bis jetzt nur Herren der Schöpfung vorbehalten ist. Deswegen schmeckt unser Tee auch besser!“

Es scheint, dass das deutsche Sprichwort „Abwarten und Tee trinken“ ins Chinesische zwar übersetzbar ist (等着喝茶) aber nicht zur den Denkformeln der chinesischen Frauen heute gehört.
女人是天空的一半 – Frauen gehört die Hälfte des Himmels -? Mindestens!
Alles Gute zum Frauentag!

Ihre
Irina Slot