Schon wieder eine nützliche Erfindung aus der Schweiz

Migros Korr
Wie nennt man einen Menschen, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat, aber in einem anderen Land geboren ist oder dessen Eltern aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen sind? Migrant der ersten respektive der zweiten Generation. Für viele Politiker und Diversityforscher klingt es wohl zu negativ respektive zu kurz. Außerdem kenne ich eine Migrantin, die das Wort „Migrant“ nicht mag und sich lieber „Schwarze“ nennt:
http://elligilgal.com.
Doch die Wortschöpfung „Menschen mit Migrationshintergrund“ wirft auch Fragen auf: Was ist ein
Hintergrund? Warum ist Migration an sich ein Problem, aber „geschwächt“ als Beschreibung des
Hintergrundes wiederum gut? Und wer bitte soll es locker aussprechen? Menschen, die Deutsch
als Fremdsprache mühsam gelernt haben, wohl kaum. Daher kommt die Abkürzung MiMiMi
(Mitmenschen mit Migrationshintergrund), die die Ausgangslage eigentlich nur noch verschlimmert.
Diese Frage trage ich schon seit langem mit mir mit, vor allem wenn ich in einem Vortrag oder einer
Schulung so einen Begriff gefühlte 100 Mal brauche und jedes Mal darüber „stolpere“. Und gehe
dann schließlich doch auf einfach „Migranten“ über.
Nun, auf Fahrt durch die Schweiz nach Italien, fiel mir eine Werbung für „MIGROS“ auf. Klar, es ist nur eine Lebensmittelkette, die ihren Ursprung auf dem Verkaufswagen in den Dörfern und Kleinstädten hatte, die eben mobil waren. Doch wie sympathisch das klingen würde in Bezug auf Menschen! AMIGOS MIGROS! – da ist viel von positiver Energie und ein Hauch Exotik mit darin. Vielleicht auch übertragbar auf die inder Schweiz nicht ganz geliebten Migranten aus Deutschland?
Auf jeden Fall klingt es nach Esperanto, eine im XIX. Jahrhundert eigentlich als Lingua Franca entwickelte
Sprache, die dann doch diese Rolle ans Englische übergeben musste. Und wie es der Zufall will, betreibt die Stiftung von Migros eine Art Volkshochschule, wo man u.a. Esperanto lernen kann.
¡Adiós! In der nächsten Ausgabe meines Blogs wird es um Innovationsmanagement, Design
Thinking und multikulturelle Teams gehen, und zwar im Sinne der kulturellen und kognitiven
Vielfalt. Quasi MIGROS INTERPROFESIONAL (das war schweizerisches Spanisch :)).